21.04.2010

Schwache Auftragslage: Reeder geißelt Konkurrenz als Preisdrücker

Von: Kathrin Werner
Die Monte Sarmiento kann 5552 Standardcontainer in 20-Fuß-Größe laden
Zoom Die Monte Sarmiento kann 5552 Standardcontainer in 20-Fuß-Größe laden
© Hamburg Süd
Als hätte die Branche nicht genug Probleme, fängt ein Mitbewerber an zu stänkern. Hamburg Süd wirft den Rivalen vor, sie seien mit Schuld an der Lage, weil "sie auf Teufel komm raus versuchen, ihre Schiffe voll zu bekommen".

Die Reederei Hamburg Süd gibt ihren Rivalen die Schuld an dem desaströsen Ausmaß der Schifffahrtskrise. Andere Reedereien hätten nach dem Einbruch des Welthandels einen fatalen Preiskampf um die verbliebenen Transportaufträge ausgelöst, sagte Hamburg-Süd-Chef Ottmar Gast am Dienstag bei Vorlage der Jahresbilanz in Hamburg. Die Schifffahrtstochter des Oetker-Konzerns habe zwar versucht, höhere Preise durchzusetzen, sich dem Druck aber nicht komplett entziehen können. "Ich hoffe, dass die Branche aus der Krise ihre Lehren zieht und nicht mehr auf Teufel komm raus versucht, ihre Schiffe voll zu bekommen", sagte Gast.

Damit gibt Hamburg Süd als eine der ersten Reedereien zu, dass die Branchenkrise nicht nur am Einbruch des Welthandels lag, sondern auch hausgemacht ist. Etliche Linienreeder, darunter Deutschlands Branchenprimus Hapag-Lloyd, sind in die roten Zahlen gerutscht. Der Hinweis, schuldloses Krisenopfer zu sein, hatte Regierungen und Geschäftspartner dazu bewogen, die Unternehmen vor der Pleite zu retten. Hapag-Lloyd erhielt etwa eine Staatsbürgschaft über 1,2 Milliarden Euro. Hamburg Süd ist Deutschlands zweitgrößte Linienreederei und weltweit mit einem Marktanteil von 2,4 Prozent die Nummer 14.

Durch Staatshilfen oder privatwirtschaftliche Auffanglösungen sei es zu enormen Wettbewerbsverzerrungen gekommen, sagte Gast, "vor allem, wenn Reedereien, die glauben, gerettet zu sein, erst mal den Kunden eine Preisreduktion gewähren". Ein Beispiel war die Rettung der chilenischen Reederei CSAV. 2009 unterstützte eine Gruppe Hamburger Schiffseigner CSAV, indem sie geringere Mietzahlungen für ihre Schiffe akzeptierte und im Gegenzug Aktien erhielt. Die Chilenen, die sich wie Hamburg Süd auf Südamerikastrecken konzentrieren, hätten nach der Rettung die Preise rapide gesenkt, beklagen Branchenvertreter.

"Wir holen uns Kunden wieder zurück"

Letztlich hätte die Konkurrenz selbst unter dem Preiskampf gelitten, sagte Gast. "Manche Reederei kannte offensichtlich ihre Kosten kaum." Die Marktanteile hätten sich seit der Krise kaum verschoben. "Wegen unserer Preise haben wir hier und da Kunden verloren", sagte Gast. "Die holen wir uns jetzt wieder." Er habe gehofft, dass sich der Markt durch die Rezession bereinigt, "auch wenn ich natürlich keinem Wettbewerber wünsche, dass er Opfer einer Konsolidierung wird".

Seit Januar sei die Zahl der transportierten Container bei Hamburg Süd wieder größer als vor der Krise, teilte das Unternehmen mit. Allerdings hätten sich die Frachtraten, also die Gebühren, die Hamburg Süd im Schnitt pro 20-Fuß-Standardcontainer erhält, nur sehr leicht erholt. Sie sanken im vergangenen Jahr auf bis zu 1224 Dollar. Zu Boomzeiten lagen sie 1,5-mal höher. Wie hoch die Rate sein muss, damit die Reederei wirtschaftlich arbeiten kann, hängt von der Ladekapazität des Schiffes und der Route ab. "Wir haben bei Weitem noch kein Niveau erreicht, das angemessene Renditen ermöglicht", sagte Gast.

Im vergangenen Jahr verbuchte Hamburg Süd einen Verlust im unteren zweistelligen Millionenbereich. Allerdings sei der Cashflow positiv, der Mutterkonzern Oetker habe der Tochter kein Geld zuschießen müssen. Die Reederei erlöste mit rund 3,2 Milliarden Euro zwar 28 Prozent weniger als 2008 - habe aber laut Gast noch immer rund 40 Prozent zum bislang unveröffentlichten Oetker-Gesamtumsatz beigesteuert. Für 2010 rechne er wieder mit einem Gewinn, sagte Gast. Die Lage bleibe aber schwierig. "Bis 2012 oder 2013 werden wir es noch mit deutlichen Überkapazitäten zu tun haben."

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