12.02.2010

Skihersteller: Völkl im Wettrennen mit den Ösis

Von: Corinna Kreiler
Völkl-Fertigung in Straubing
Zoom Völkl-Fertigung in Straubing
© Völkl
Warum Ski kaufen, wenn man sie sich auch leihen kann? Das denken sich immer mehr Wintersportbegeisterte und setzen den Herstellern der Sportgeräte massiv zu. Die Firma Völkl schlägt sich wacker - auch weil sie fast ausschließlich in Deutschland produziert.

Berge, Pulverschnee, Sonne - wenn das alles zusammenkommt, kribbelt es wohl jedem Skifahrer in den Beinen. Der derzeitige schneereiche Winter müsste den Absatz von Ski oder Snowboards eigentlich kräftig ankurbeln, könnte man meinen.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Der Händlerverbund Sport 2000 sieht den Skimarkt am Boden. Die Nachfrage habe sich seit sechs Jahren halbiert, klagt Geschäftsführer Andreas Rudolf. 320.000 Paar Ski werden jährlich in Deutschland verkauft - vor fünf Jahren waren es noch 650.000.

Überkapazitäten und Strukturwandel

Um magere zwei Prozent wuchs der Markt für Alpinski im vergangenen Jahr. Denn immer mehr Deutsche leihen sich lieber am Urlaubsort Ski aus anstatt, sich welche zu kaufen. Das ist nicht das einzige Problem der Branche: Seit Jahren wird das Geschäft durch Überkapazitäten, Krisen und Strukturwandel gebeutelt.

Doch Völkl-Chef Chrisoph Bronder, der seine Ski im niederbayerischen Straubing produziert, bleibt gelassen: "Die Händler sollten sich nicht so viel beklagen. Skifahren ist ein populärer Sport, das ist doch positiv", sagt der Unternehmenschef.

Die gute Laune des Managers hat einen simplen Grund: Sein Betrieb wächst. Im vergangenen Jahr erhöhte Völkl mit 400.000 produzierten Paar seinen Marktanteil um einen Prozentpunkt auf rund 13 Prozent - vor rund zehn Jahren war es noch knapp die Hälfte. Völkl ist damit hinter Atomic, einer österreichischen Firma in finnischer Hand, den Franzosen Rossignol und den Österreichern Head Nummer vier der Branche. "Wir peilen die Nummer drei an", sagt Bronder selbstbewusst.

Völkl-Chef Bronder: "Wir wollen Nummer drei werden"
Zoom Völkl-Chef Bronder: "Wir wollen Nummer drei werden"

Auch wenn das Unternehmen das einzige deutsche Skiwerk betreibt, ein Familienbetrieb ist der 1923 gegründete Traditionsbetrieb längst nicht mehr: Völkl ist eine Tochter des US-Konsumgüterkonzerns Jarden, der pro Jahr 5,5 Milliarden Dollar Umsatz macht - der Wintersport trägt gerade einmal ein Zehntel zum Geschäft der Amerikaner bei. Zudem ist Völkls Firmensitz seit 1992 nicht mehr in Deutschland, sondern im schweizerischen Steuerparadies Baar.

Heimische Produktion sichert Flexibilität

Dass Völkl seine Ski fast ausschließlich in Deutschland produzieren lässt, hält Bronder auch für einen der Gründe seines Erfolgs: "So sind wir auch bei kurzfristigen Bestellungen flexibel und haben keine langen Lieferwege aus Fernost." Im Gegensatz zu anderen Herstellern kann Völkl schnell reagieren, wenn in einem schneereichen Winter unerwartet viele Kunden neue Bretter kaufen wollen.

Kinderski und Einsteigermodelle fertigt Völkl allerdings in China - einen Teil der Produktion, rund 15.000 Paar, holt Bronder nun aber wieder zurück nach Straubing. "Die Vorteile der Herstellung in Deutschland überwiegen einfach," sagt er. Das hat er auch seiner Belegschaft zu verdanken, mit der er sich auf einen Haustarif geeinigt hat: Statt 38 Stunden in der Woche arbeiten die Beschäftigten 39,5.

Dennoch: Völkls Erfolg kann nicht über die massiven Probleme der Branche hinwegtäuschen. Nicht nur, dass immer mehr Kunden leihen statt kaufen und die Winter zunehmend unberechenbarer werden, den Skiherstellern fehlen auch die Innovationen. Seit der Erfindung der Carvingski in den 90er-Jahren ist nichts mehr Bahnbrechendes auf den Markt gekommen. "Außer Farbänderungen gab es keine Innovationen mehr", klagt Sport-2000-Geschäftsführer Rudolf.

Mehr auf Seite 2: Der große Wurf fehlt »
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