26.05.2010

Solarenergie: Q-Cells zieht in den Preiskampf

Q-Sells Solarpark
Zoom Q-Sells Solarpark
© Q-Sells
Der Solarzellenbauer will seinen Wettbewerbern auf dem heimischen Markt Anteile abjagen. Er verkauft ab sofort eigene Solarmodule zu einem günstigeren Preis als deutsche Rivalen.

Die deutschen Solarmodulbauer müssen sich auf einen Preiskampf mit einem neuen Wettbewerber einstellen. Der einstige Solarzellenspezialist Q-Cells verkauft ab sofort auch fertige Sonnenstromanlagen - zu einem günstigeren Preis als Wettbewerber wie Solarworld oder Conergy. "Unsere Module werden preislich in einem attraktiven Bereich liegen", sagte Nedim Cen der FTD in seinem ersten Interview seit seinem Antritt als Q-Cells-Chef. "Natürlich" seien die Q-Cells-Module "teurer als ein chinesisches Modul oder ein No-Name-Produkt aus Europa", so Cen. "Wir werden irgendwo in der Mitte liegen zwischen diesen Modulen und einem deutschen Markenprodukt mit festem Kundenstamm."

Der neue Chef baut den einstigen Börsenstar derzeit massiv um. Mit der reinen Herstellung von Solarzellen, einem Vorprodukt der Module, lässt sich nicht mehr genug Geld verdienen. Während der Prozess einst Hochtechnologie war, mit der einige spezialisierte Unternehmen reich wurden, sind Solarzellen in den vergangenen zwei Jahren zur billigen Massenware geworden. Künftig werde Q-Cells mit Solarzellen nur noch weniger als ein Drittel der Erlöse erwirtschaften. Cen hatte im März einen Konzern übernommen, der 2009 bei rund 800 Millionen Euro Umsatz einen Verlust von 1,4 Milliarden Euro vermelden musste.

"Wir wollen die beste Kostenposition unter den Europäern erreichen", sagte Cen. "Im Gegensatz zu vielen anderen haben wir schließlich unsere Hausaufgaben schon gemacht." Damit spielt der 44-Jährige auf das Restrukturierungs-programm an, das der Konzern gerade durchläuft. Q-Cells hat eine Zellenfabrik in Malaysia eröffnet und im Gegenzug einen Teil der Produktion am Stammsitz Bitterfeld geschlossen. 500 Stellen fielen weg.

Die neuen eigenen Module lässt der Konzern bei einem Auftragsfertiger in Malaysia bauen. "Theoretisch wäre auch eine eigene kleinere Fertigung denkbar", sagte Cen. Bislang verkauft Q-Cells die Module nur an einzelne Händler und Großkunden wie den Heiztechnikkonzern Viessmann. Nun beginnt der aktive Vertrieb. Auf der Branchenmesse Intersolar in zwei Wochen stellt Cen die Module erstmals vor. " "Ich bin verhalten optimistisch für das Modulgeschäft", sagte Cen.

Doch auch der Modulmarkt ist hart umkämpft. Hier drücken ebenfalls vor allem die chinesischen Rivalen die Preise um rund ein Viertel pro Jahr. Der Preisverfall werde weitergehen, sagte Cen. "Das wird ähnlich wie bei den Zellen." Deshalb will sich Q-Cells nicht mit dem Modulbau begnügen, sondern sich direkt an die Endkunden wenden - ohne Zwischenhändler - und eine starke Marke aufbauen.

"Die Reise ist klar, sie kann nicht beim einfachen Modul aufhören." Analysten lobten diese bereits angekündigte Neuausrichtung. Allerdings werde der Preisdruck die Vorteile zunichte machen, schrieb Patrick Hummel von der UBS am Dienstag. Der Q-Cells Aktienkurs fiel in der Folge um gut 6 Prozent.

© 2010 ftd.de

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