Die Tatorte heißen Witzenhausen, Schöppingen oder Garrel. Diebe haben die heiße Ware vom Squashcenter, vom Schweinemastbetrieb oder vom Stallgebäude abgeschraubt. Ihre Beute: Wechselrichter.
Die unscheinbaren Metallkästen wandeln den Gleichstrom aus Solaranlagen in Wechselstrom um, der dann ins Stromnetz fließen kann. Ohne Wechselrichter funktioniert keine Solaranlage. In den vergangenen Monaten haben sie sich zum begehrten Gut entwickelt. Deutschlandweit sind sie fast ausverkauft, die Preise schießen in die Höhe, ständig werden irgendwo Geräte geklaut.
"Neukunden können ein Jahr warten"
"Wenn jetzt der Schnee weggetaut ist und die Leute ihre Solaranlagen montieren wollen, wird eine große Panik entstehen", sagt Jürgen Staab, Geschäftsführer der Installations- und Projektierungsfirma Nature Solar. "Neukunden haben im Moment überhaupt keine Chance bei vielen Herstellern, die können ein Jahr warten."
Der Mangel an Wechselrichtern könnte den erheblichen Nachfrageschub blockieren, den die Solarbranche bis zur Jahresmitte erwartet. Für alle Solarmodule, die nach Juni angeschlossen werden, senkt die Bundesregierung die sogenannte Einspeisevergütung. Wer eine Anlage haben will, will sie deshalb noch vor Juni aufs Dach schrauben. "Wenn die Leute wegen der Wechselrichter ihre Einspeisevergütung nicht bekommen, wird das noch richtig Ärger geben", sagt Staab. Schon seit Herbst gibt es einen Nachfrageboom, den die erste Absenkung der Einspeisevergütung zum Jahreswechsel auslöste. Hersteller und Zulieferer hat diese Entwicklung völlig unvorbereitet getroffen.
Zusatzschichten in der Fertigung
"In den Lagern der Großhändler finden Sie keinen einzigen Wechselrichter", sagt Günther Cramer, Chef des Weltmarktführers SMA Solar. Die Kunden müssen derzeit statt den üblichen zwei Wochen rund zwei Monate auf die Geräte warten. Gerade hat Cramer mit dem Betriebsrat vereinbart, dass bis Ende März sieben Tage die Woche rund um die Uhr gearbeitet wird, um den Lieferstau abzubauen. Grund für die Engpässe ist laut Cramer allerdings weniger die eigene Kapazität in der Fertigung, sondern das notwendige Material: "Was heute Vormittag geliefert wird, wird heute noch verbaut."
Beim Branchenzweiten Kaco ist es genauso. "Seit drei bis vier Monaten fehlen immer wieder andere Dinge, eigentlich alle elektronischen Bauteile", so ein Sprecher. "Unsere Zulieferer arbeiten fast alle auch für die Autoindustrie, die haben in der Krise ihre Kapazitäten heruntergefahren und sind jetzt überfordert."
Preise steigen
Manche Hersteller liefern inzwischen aus lauter Verzweiflung halbfertige Geräte aus, weiß Nature-Solar-Chef Staab. "Neulich hatte ich eine ganze Fuhre ohne Displays. Auf die warten die Kunden immer noch", sagt er.
Die Preise steigen und steigen. Manche Geräte kosten derzeit fast das Doppelte. Es entsteht ein Zweitmarkt. Kürzlich hat Staab einen der Kästen für 1 Euro bei Ebay eingestellt. Am Ende hat ihm die Auktion fast 6000 Euro gebracht. "Das Ganze wird immer absurder", sagt er.
Mit Videoüberwachung gegen Diebe
Die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern warnt inzwischen vor einem "neuen Kriminalitätsphänomen" und rät, die Geräte mit Bewegungsmeldern, Beleuchtung und Videoüberwachung zu schützen.
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