Die 200 Mitarbeiter der Siliziumfabrik stehen in schnurgeraden Reihen, Arme fest am Körper, Blick nach vorn auf ihren Chef. "Teamwork, Effizienz, Ordnung, Vertrauen, power your life!", rufen sie im Chor, die wichtigsten Worte für Yingli, Chinas zweitgrößtes Solarunternehmen. Miao Liansheng, Konzernchef und einstiger Offizier der Volksbefreiungsarmee, nickt zufrieden.
Wer bei Yingli anfängt, wird zuerst zum Vorbereitungskurs für Appell und Frühsport geschickt. Jeden Morgen um 7.30 Uhr müssen die 4000 Beschäftigten in den Werken antreten. Sie joggen in Reih und Glied ums Fabrikgelände, rufen den Slogan, absolvieren eine spezielle Yingli-Kung-Fu-Übung und lernen vier Worte Englisch. Diese Woche sind es "principal, surplus, internal, external". Dann beginnt die Schicht. Wenn Miao Zeit hat, schaut er zu, in der gleichen Arbeitsuniform wie seine Mitarbeiter. Die Kontrollbesuche fördern die Disziplin.
Die chinesischen Hersteller nehmen den deutschen immer mehr Geschäft ab - das Land verdoppelte seinen weltweiten Marktanteil binnen zwei Jahren auf mehr als 30 Prozent. Fast die Hälfte der Solarmodule verkauft Yingli in Deutschland. Das Unternehmen aus Baoding, einer Millionenstadt zwei Stunden von Peking entfernt, boomt: Der Marktanteil wuchs nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr von sechs auf zehn Prozent, die Produktionskapazität soll sich bis Ende 2010 fast verdoppeln. 2008 erwirtschaftete Yingli 7,553 Milliarden Yuan (rund 744 Millionen Euro) Umsatz und 682 Millionen Yuan Gewinn. In diesem Jahr könnte zwar unterm Strich weniger bleiben - Grund seien aber Finanzgeschäfte, die Bruttomarge liege bei fast 20 Prozent.
Auf der Verliererseite dieses Booms stehen die Deutschen, die über unfairen Wettbewerb klagen: Chinesen verkauften unter Produktionskosten, sie beuteten ihre Arbeiter aus, kippten Giftmüll in den nächsten Fluss und bekämen Billigkredite von staatlichen Banken, die den Wettbewerb verzerrten. "Wir konkurrieren mit Herstellern, die kaum Umweltstandards einhalten müssen und versteckte Subventionen bekommen", sagt etwa der Chef des Solarkonzerns Q-Cells, Anton Milner.
Miao kennt die Vorwürfe. Und keiner davon stimme, sagt er. "Alle unsere Finanzdaten liegen offen, wir sind an der Börse in New York notiert, wir haben eine vernünftige Marge." Yingli baue die Module eben rund 30 Prozent günstiger - dank "Teamwork, Effizienz, Ordnung, Vertrauen".
Die Produktionshallen sehen aus wie in Deutschland. "Wie man Fabriken führt, haben wir von den Deutschen gelernt", sagt Miao. Es ist halogenleuchtenhell, der grüne Linoleumboden ist staubfrei. Fast alle Maschinen kommen aus Europa. Der Vorarbeiter zählt stolz die Namen auf: Centrotherm, Manz, Roth & Rau. Er ist glücklich mit seinem Job, sagt er. Weil er nicht wegziehen musste aus seiner Heimatstadt Baoding. Weil das Essen in der Kantine gut und kostenlos ist, vor allem die Nudelsuppe. Und weil er gut verdient - für chinesische Verhältnisse: Das Gehalt einfacher Arbeiter liegt zwischen 2000 und 3000 Yuan - rund 200 bis 300 Euro im Monat. Zehn Tage Urlaub hat er im Jahr, und wer freiwillig darauf verzichtet, bekommt für die Zeit den dreifachen Lohn.
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