Solche Erfolgsgeschichten sind im Moment selten: 66 Prozent mehr Umsatz, 84 Prozent mehr Gewinn und eine Verdoppelung der Produktion auf 1000 Megawatt (MW). Und das im Krisenjahr 2009. Diese beeindruckenden Zahlen legte unlängst das amerikanische Unternehmen First Solar vor - inzwischen der größte Solarmodul-Hersteller der Welt.
Schlüssel zum Erfolg der Solarspezialisten ist die preiswerte Technik, die sie verwenden. Sie ersetzen Silizium, das in gängigen Solarzellen Licht in Strom umwandelt, durch eine hundertmal dünnere Schicht aus Cadmiumtellurid (CdTe). Zwar wandelt dieser neue Halbleiter Sonnenlicht nur mit einem Wirkungsgrad von elf Prozent in Strom um. Er ist also lange nicht so effizient wie Siliziummodule, die etwa 15 Prozent erreichen. Dafür fertigt First Solar das Watt aber inzwischen für 0,63 Euro - und damit viel günstiger als andere Hersteller.
First Solars Errungenschaften gelten als Meilenstein auf dem Weg zur Wettbewerbsfähigkeit des Sonnenstroms. Noch kann die Solartechnik nicht mit konventionellen Energiequellen konkurrieren, da die Herstellung der klassischen Siliziumzellen aufwendig und teuer ist. Siliziumblöcke werden gezüchtet, in Scheiben gesägt und in vielen kleinen Schritten zu Zellen verarbeitet. Nur die wenigsten Firmen fertigen gegenwärtig schon für weniger als 1 Euro pro Watt.
Alternativen zur klassischen Siliziumzelle
Experten hatten deshalb die sogenannte Netzparität - dass also selbst produzierter Strom nicht teurer ist als herkömmlicher Strom aus der Steckdose - frühestens für 2015 erwartet. "Mit First- Solar-Modulen ist diese Netzparität nun in greifbare Nähe gerückt", sagt Holger Krawinkel, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. "Die Technik kann Strom bereits für 0,20 bis 0,25 Euro pro Kilowattstunde produzieren." Zum Vergleich: Der aktuelle Strompreis liegt in Deutschland bei rund 20 Cent.
Auf mittlere Sicht werden sich die Amerikaner aber auf wachsende Konkurrenz einstellen müssen. Weltweit haben Wissenschaftler und Ingenieure in den vergangenen Jahren eifrig an Solartechniken geforscht, die weniger Absorbermaterial benötigen und leichter zu produzieren sind als Siliziumzellen. Ihre Entwicklungen kommen nun nach und nach auf den Markt.
Neben CdTe-Paneelen, wie sie First Solar herstellt, bestehen diese Module aus Dünnschichtsilizium oder CIS. Die Abkürzung steht für halbleitende Verbindungen aus Kupfer, Indium und Gallium sowie Selen oder Schwefel. Die amerikanische Firma Abound Solar, eine Ausgründung der Colorado State University, zählt zu den ehrgeizigsten Newcomern.
Effizienz nähert sich der von Siliziummodulen
Sie sammelte von Anlegern 150 Millionen Dollar ein und investierte das Geld in eine Fabrik mit einer Produktionskapazität von 200 MW. Im Frühjahr 2009 startete Abound Solar die Produktion - und damit die Aufholjagd auf First Solar: Schon kurzfristig will der Branchenneuling laut Firmenchef Pascal Noronha Kosten von einem Dollar - also etwa 0,73 Euro - pro Watt, und 10,5 Prozent Wirkungsgrad erreichen. Langfristig avisiert Abound Solar 15 Prozent.
Noch größeres Potenzial als der CdTe-Technik sprechen Experten dem CIS zu: Das National Renewable Energy Laboratory (NREL) des US-Energieministeriums erreichte mit Modulen aus diesem Material im Labor bereits 20,3 Prozent Wirkungsgrad - keine andere Dünnschicht kann da bislang mithalten.
Die Industrie kommt diesem Wert aber allmählich näher. Die ostdeutsche Firma Avancis etwa erreichte jüngst mit einem Labormodul 15,1 Prozent Wirkungsgrad und stößt damit in einen Effizienzbereich vor, den bisher nur Siliziummodule erreichten. Die Q-Cells-Tochter Solibro wiederum erzielt bereits in der Serienproduktion 12,3 Prozent - allerdings bei hohen Produktionskosten. 0,20 Euro pro Watt gelten als erreichbar, derzeit kostet ein Watt im Schnitt noch 1,50 Euro. "Im Gegensatz zu den anderen Dünnschichttechniken werden CIS-Module noch auf prototypischen Anlagen hergestellt", erklärt Michael Powalla vom Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung. Bessere und höhervolumige Produktionen sollen die Kosten aber deutlich senken.
© 2010 ftd.de
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück






















Diesen Artikel bookmarken bei...