14.04.2010

Soziale Netzwerke: Twitter kopiert Googles Geschäftsmodell

Von: Andrea Rungg
Twitter hat bereits namhafte Werbekunden wie Starbucks gefunden
Twitter hat bereits namhafte Werbekunden wie Starbucks gefunden
Die werbefreie Zeit beim Kurznachrichtendienst ist offenbar vorbei. Künftig bekommen Nutzer je nach Themensuche passende Produkthinweise. Ein Spagat zwischen Geldverdienen und Nutzerfreundlichkeit.

Der US-Internetdienst Twitter hat erstmals ein Geschäftsmodell gefunden. Das soziale Netzwerk orientiert sich dabei an dem Internetriesen Google. Twitter will bereits in dieser Woche in Suchergebnissen Werbung einblenden. Ähnlich wie bei Google sollen bei Suchergebnissen an prominenter Stelle passende Werbekurznachrichten angezeigt werden. Google erlöst über diese Art der Werbung - das sogenannte Suchwortmarketing - den größten Teil seines Konzernumsatzes von knapp 24 Milliarden Dollar. "Wir möchten die Kommunikation, die Unternehmen mit Kunden bereits auf Twitter haben, weiter ausbauen", sagte Dick Costolo, der bei Twitter für das operative Geschäft zuständig ist.

Für das angesagte Startup ist das Einblenden von Werbung ein heikles Experiment: Das Unternehmen muss endlich stabile Umsätze erwirtschaften, ohne dabei die Nutzer zu verärgern. Wie andere soziale Netzwerke hatte sich Twitter zunächst auf die Reichweite fokussiert. Nach Angaben des Marktforschungsinstituts Comscore riefen allein im Februar weltweit knapp 70 Millionen Nutzer die Seite auf - eine Steigerung um 608 Prozent binnen einem Jahr. Die Betriebskosten finanzieren Risikokapitalgeber wie Benchmark Capital über Investitionen in Höhe von 160 Millionen Dollar. Das brachte dem Unternehmen eine Bewertung von rund 1 Milliarden Dollar ein. Umsätze hatten zuletzt lediglich Kooperationen mit Microsoft und Google generiert.

Prominente Kunden

Das soll sich nun über sogenannte Promoted Tweets ändern. Das Management sei sich bewusst, dass es viele Beobachter enttäuscht habe, weil das junge Unternehmen zunächst die Nutzerzahlen steigern wollte und dann erst an Geld gedacht habe, schrieb Mitgründer Biz Stone in einem Blogeintrag zur Vorstellung des Dienstes. Werbung werde vorerst nur dosiert angezeigt. Zu Beginn sollen lediglich zwei bis zehn Prozent der Nutzer die Werbung sehen. Später will Twitter auch in den Nachrichtenstrom der Nutzer farblich markierte Werbebotschaften einblenden.

"Twitter ist sicherlich bemüht, die Nutzer nicht zu verärgern", sagte Paul Verna, Analyst beim Marktforschungsinstitut Emarketer. Dabei würde die Orientierung am großen Vorbild helfen: "Es ist clever, Google zu kopieren. Die Internetnutzer haben sich bereits an Suchanzeigen gewöhnt und empfinden sie nicht als störend."

Namhafte Werbekunden hat Twitter bereits gefunden. Die weltweit größte Kaffeehauskette Starbucks, der größte US-Elektronikhändler Best Buy sowie die Fluggesellschaft Virgin America bezahlen Twitter für den Vertrieb ihrer Werbebotschaften. Zuvor hatten bereits zahlreiche Unternehmen die Plattform für die Imagepflege genutzt, darunter auch die Lufthansa oder der Autokonzern Daimler.

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