28.07.2009

Sparkurs: Hugo Boss knebelt Lieferanten

Von: Angela Maier (München) und Gregor Kessler (Hamburg)
Hugo-Boss Eigner Permira spart mit rabiaten Methoden: der Modekonzern setzt Lieferanten unter Druck, um Geld in die Kasse zu bekommen - mit harschen Methoden.

Am Freitag hatte Boss auf einem Lieferantentag die Partner des Einkaufsbereichs "Non-Production Materials" zur Rückzahlung von Geldern aus bereits abgeschlossenen Lieferungen und Leistungen aufgefordert, wie mehrere Lieferanten der Financial Times Deutschland (FTD) berichteten. Die Zulieferer und Dienstleister, von IT-Firmen über Agenturen bis zu Druckereien, sollen Boss zwischen 5 und 20 Prozent ihres Umsatzes der vergangenen zwölf Monate zurückerstatten. Boss signalisiert, sie sonst bei künftigen Aufträgen nicht mehr zu berücksichtigen.

Den harschen Kurs treibt der britische Finanzinvestor und Boss-Eigner Permira voran. Denn Boss' italienische Mutter Valentino steht nach Angaben aus Finanzkreisen auf der Kippe: Valentino war inklusive der Boss-Mehrheit 2007 von Permira gekauft worden, zum größten Teil auf Pump. Um ihre 2,5 Milliarden Euro Schulden zu bedienen, sind die Italiener auf Dividenden des größten deutschen Modekonzerns angewiesen.

Da diese wegen der Krise aber nicht wie geplant sprudeln, verhandeln Valentino und Permira seit Wochen mit den Kreditgebern Unicredit, Mediobanca und Citigroup über ein Stillhalteabkommen - bislang ohne Erfolg. Spekulationen unter Investmentbankern, dass Valentino Boss doch zum Verkauf stellen muss, wies ein Permira-Sprecher am Montag zurück: "Boss ist unverkäuflich." Permira hat Valentino bereits um 54 Prozent abgeschrieben.

 So versucht Boss-Chef Claus-Dietrich Lahrs seit Monaten an allen Ecken und Enden zu sparen. Für die Kostensenkung im Einkauf nach FTD-Informationen hat die MDax-Firma die spezialisierte Beratung Inverto engagiert. Die Lieferanten mussten bereits im ersten Halbjahr die Zahlungsziele von den üblichen 30 Tagen auf anderthalb bis vier Monate verlängern. Ein Boss-Sprecher bestätigte die Verlängerung, wollte sich zu Details aber nicht äußern. Eine weitere Maßnahme ist, dass Boss bei bereits abgeschlossenen Verträgen nachträglich die Preise zu drücken versucht.

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© 2009 ftd

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