Einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge will der Wolfsburger Konzern seinen Anteil am schwedischen Lkw-Hersteller Scania zunächst von 45 auf bis zu 80 Prozent erhöhen. Anschließend soll Scania den deutschen Wettbewerber MAN komplett übernehmen. VW hält bislang 30 Prozent an MAN. Dieser Anteil würde Scania übertragen. Keiner der Beteiligten wollte die Informationen bestätigen.
Kommt es zu einer neuen Machtbalance bei den Lkw-Töchtern, ist Ärger vorprogrammiert. MAN und Scania bestehen auf Unabhängigkeit und zögern mit Kooperationen. Insidern zufolge will VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch deshalb MAN-Chef Georg Pachta-Reyhofen sowie Scania-Boss Leif Östling in den Umbau einbinden. Auf keinen Fall soll der Eindruck einer feindlichen Übernahme von MAN entstehen, heißt es.
Der frühere MAN-Chef Hakan Samuelsson hatte vor vier Jahren versucht, Scania zu schlucken. Er war am Widerstand aus Schweden und Wolfsburg gescheitert, was seine Position schwächte. Sein Hauptfehler: Er hatte Piëch nicht in die Pläne von Scania eingeweiht. Der VW-Konzern baute daraufhin seinen eigenen Anteil an Scania stark aus.
Die Neuordnung des Lastwagengeschäfts hat Piëch seitdem bereits vorbereitet. So sitzt der erfahrene Manager Jochem Heizmann auf einem neu eingerichteten Posten im Wolfsburger Vorstand. Er soll MAN und Scania zusammenführen. Heizmann ist auch Mitglied im Aufsichtsrat des schwedischen Konzerns. VW kontrolliert mit knapp 71 Prozent der Stimmrechte Scania bereits heute.
Bei MAN hat Piëch mit Pachta-Reyhofen inzwischen einen Gefolgsmann installiert. Dessen Vorgänger Samuelsson zog sich vergangenes Jahr unerwartet von der MAN-Spitze zurück. Zeitgleich wurden Informationen über Korruption bei MAN öffentlich. Bei Scania ist dagegen der langjährige, selbstbewusste Chef Östling weiterhin im Amt. Allerdings könnte sich hier für Piëch das Thema auf ähnliche Art lösen: Die schwedischen Behörden ermitteln gegen Östling und andere Manager wegen einer angeblichen Umgehung des Uno-Embargos gegen den Irak kurz nach der Jahrtausendwende.
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