Für einen, der Tempo machen will, müsste es schneller gehen. Quälend langsam zuckelt Norbert Reithofer durch München. 45 Kilometer pro Stunde, mehr gibt der Wagen des BMW-Chefs nicht her. Der Mann ist anderes gewöhnt. Aber Reithofer will an diesem Septembertag nicht rasen, er will gleiten. Heute ist er nicht Manager, heute ist er Ingenieur. Und er fährt nicht BMW. Sondern Toyota.
Etwa 1,5 Kilometer schafft der neue Prius im Elektromodus, erst danach schaltet das viel gelobte Hybridauto den Benzinmotor zu. Fast lautlos rollt Reithofer durch die Straßen und löchert den Techniker auf dem Beifahrersitz mit Fragen: Wie ist das Zusammenspiel der Motoren gelöst? Von wem bezieht Toyota die Teile? Wie bekommen die Japaner die niedrigen Kosten hin? Und vor allem: Was heißt das alles für BMW und seine Autos?
Reithofer sitzt in Jeans und Pulli am Steuer und hat sichtlich Spaß. Alternative Antriebe gehören zu seinen Lieblingsthemen. Er tritt das Gaspedal durch, will spüren, wie der Wagen sich anfühlt, wenn er anzieht. Die Drehzahl schnellt hoch, der Motor brüllt auf, viel zu laut. Reithofer ist zufrieden. Das kann BMW besser. Nicht nur das.

Traditionell stark am amerikanischen Markt
Der Münchner Autobauer, der zuletzt viel von seinem Nimbus als Vorzeigekonzern eingebüßt hat, gibt wieder Vollgas. In den kommenden drei Jahren wird der Konzern die Hälfte seiner Modelle erneuern, darunter so wichtige Baureihen wie den 3er und den 5er. Mit der Spritspartechnik Efficient Dynamics ist BMW Mercedes und Audi um Jahre voraus. Zusätzlichen Schub verspricht die sich abzeichnende Erholung der Konjunktur, vor allem auf dem amerikanischen Markt, wo BMW traditionell stark ist.
Arndt Ellinghorst, renommierter Autoexperte bei Credit Suisse, prophezeit den Bayern eine kräftige Aufschwungphase. Schon im kommenden Jahr wird der Konzern im Autogeschäft nach seinen Berechnungen wieder 2,4 Milliarden Euro operativen Gewinn ausweisen – mehr als der zuletzt so erfolgreiche Rivale Audi. "Wir werden den Abstand zu den Wettbewerbern vergrößern", verspricht BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner. "Jetzt beginnt für uns der Trend nach oben."
Verluste aus Finanzierungs- und Leasingpolitik
Der einst so erfolgsverwöhnte Hersteller hat Aufwind bitter nötig, die letzten Jahre waren hart. Mit der Finanzkrise kollabierte der Hauptabsatzmarkt USA, für drohende Verluste aus einer allzu freigiebigen Finanzierungs- und Leasingpolitik musste der Konzern Ende 2008 eine Rückstellung von zwei Milliarden Euro bilden, rutschte zeitweilig sogar in die roten Zahlen. Die Modellpalette wurde nicht konsequent genug erneuert, zugleich verlor der Meister in Effizienz und flexibler Produktion die Kosten aus dem Blick. "Wir haben viele Fehler gemacht", gesteht ein Konzernmanager ein. "Und wir haben zu spät auf die Konkurrenz durch Audi geachtet."
Die VW-Tochter macht den Münchnern schon seit einiger Zeit den Status als sportlichste aller Premiummarken streitig. Als sich selbst eingefleischte BMW-Fans über die kantigen Karosserien des 7ers und 5ers mokierten, punktete Audi mit elegantem Design und aggressivem Marketing. Und stieg vor den Augen des verdutzten Rivalen sogar beim Fußball-Prestigeklub FC Bayern München ein.
Bilderstrecke
Die Absatzbeschleuniger: Mit welchen Autos BMW aus der Krise fahren will
Reithofers Modelloffensive
In Westeuropa verkaufen die Autobauer aus Ingolstadt heute schon mehr Autos als die Marke BMW. Bis 2015, tönt Audi-Chef Rupert Stadler, wolle er weltweit die Nummer eins in der Oberklasse sein.
Doch da könnte er sich täuschen. Denn Reithofer bereitet den Gegenschlag vor. Im Zentrum steht eine Modelloffensive, die BMW bereits in diesem Jahr aus der Krise ziehen soll. Ende 2009 ging der kleine Geländewagen X1 an den Start, im Frühjahr folgt mit der 5er-Baureihe eines der wichtigsten Modelle des Konzerns. Kurz darauf sollen die Hybridversion des 7er und zwei weitere Geländewagen Premiere feiern: die Neuauflage des X3 sowie eine Offroad-Variante des Mini.
Damit kehren sich die Vorzeichen im Duell mit Audi um: Während zuletzt die Ingolstädter von neuen Modellen wie dem A4 oder dem Q5 profitierten, gewinnt nun BMW an Schwung. 2011 und 2012 stehen die Neuauflagen der 3er- und 1er-Baureihe an, die zusammen knapp 50 Prozent des Absatzes ausmachen. Das allein dürfte reichen, um Audi und Mercedes in den nächsten Jahren auf Distanz zu halten und wieder bessere Ergebnisse einzufahren. Wenn sich dann auch noch, wie prognostiziert, die Autokonjunktur erholt, umso besser.
Quelle: capital.de
© 2010 Capital
Ihre Meinung
Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück






















Diesen Artikel bookmarken bei...