Knapp drei Monate nach Abschluss der neuen Eisenerzverträge zeichnet sich ab, dass die Risiken schwankender Stahlpreise vor allem an den mittelständischen Kunden hängen bleiben. "Die Stahlverarbeiter können sich nicht absichern, weil es dafür schlicht keine geeigneten Instrumente gibt", sagte Andreas Möhlenkamp, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands Stahl- und Metallverarbeitung (WSM), am Donnerstag.
Die Voraussetzungen für ein erfolgreiches Sicherungsgeschäft - eine Börsennotierung oder ein funktionierender Derivatemarkt - seien bei den meisten Stahlprodukten nicht gegeben. "Daher sind die Möglichkeiten, die Risiken zu hedgen, gering", sagte Möhlenkamp.
Im WSM sind rund 5000 überwiegend mittelständische Unternehmen mit über 83 Milliarden Euro Umsatz organisiert. Rund die Hälfte dieser Firmen hatten mit den Stahlherstellern bisher Halbjahres- oder Jahresverträge abgeschlossen und müssen sich nun auf kürzere Laufzeiten und stärkere Schwankungen einstellen.
Seit die großen Erzkonzerne Vale, Rio Tinto und BHP Billiton im Frühjahr die Vertragslaufzeiten von einem Jahr auf drei Monate verkürzt haben, ist die gesamte Branche im Umbruch.
Zuvor hatten die Rohstoffkonzerne 40 Jahre lang Referenzpreise mit asiatischen Stahlherstellern ausgehandelt, die dann für die gesamte Branche weltweit Gültigkeit besaßen. Künftig hingegen orientiert sich der Erzpreis am volatilen Spot-Preis - die stärkeren Schwankungen schlagen nun bis auf die Stahlverarbeiter durch.
Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) hat das Thema bereits zur Chefsache gemacht. Am kommenden Montag trifft er sich mit führenden Wirtschaftsvertretern, um die Situation auf den Rohstoffmärkten zu erörtern und mögliche Lösungen zu diskutieren. Die mittelständischen Stahlverarbeiter sind allerdings dem Vernehmen nach dort nicht vertreten.
Doch auch die Autokonzerne kämpfen mit den Folgen des neuen Vertragsregimes. Da sie zum Teil auf seltene Spezialstähle in bestimmten Legierungen angewiesen seien, gebe es Probleme, meint Christoph Stürmer vom Beratungsunternehmen Global Insight. "Denn dafür gibt es manchmal nur ein oder zwei Anbieter", sagt der Berater.
Die Autobauer seien damit der Preismacht der Lieferanten ausgeliefert. Hedging sei in diesen Fällen kaum möglich, da der Markt nicht liquide genug sei. Oftmals fehle ein Index für die jeweilige Stahlart, meint Gernot Blum, dessen Beratungsfirma D-Fine auf Risikomanagement spezialisiert ist.
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