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30.06.2010

Strategiepapier: EU öffnet Fördertöpfe für die Touristikbranche

Von: Reinhard Hönighaus, Jennifer Lachman
Jährlich zählen die EU-Staaten insgesamt 370 Millionen Touristen
Zoom Jährlich zählen die EU-Staaten insgesamt 370 Millionen Touristen
Die EU-Kommission greift der Reisebranche unter die Arme. Industriekommissar Antonio Tajani will die milliardenschweren EU-Fördertöpfe für Landwirtschaft und strukturschwache Regionen für die Touristik öffnen.

So soll die Wettbewerbsfähigkeit von Reiseveranstaltern, Hoteliers und anderen Tourismusdienstleistern in Europa verbessert werden. Ein entsprechendes Strategiepapier will der Italiener am Mittwoch vorlegen. Zudem sollen sich die 27 Mitgliedsstaaten gemeinsam als Reiseziel Europa weltweit vermarkten.

Für die nächste finanzielle Vorausschau der EU ab 2014 könne auch "ein spezielles Finanzierungsinstrument für den Tourismus erwogen werden", heißt es in Tajanis Papier, das der Financial Times Deutschland (FTD) vorliegt. Bis dahin will der Kommissar aus Italien Projekte für nachhaltigen Tourismus in noch wenig erschlossenen Gegenden fördern - zum Beispiel aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung und dem EU-Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raumes, der mit jährlich knapp 14 Milliarden Euro dotiert ist.

Der Vorstoß ist auch ein Teilerfolg für die Lobbyisten von großen Reiseveranstaltern wie TUI oder Thomas Cook. Sie beklagen schon seit Langem, dass die Politik die wirtschaftliche Bedeutung ihrer Industrie unterschätzt. Branchenvertreter führen dies unter anderem auf das Image des Tourismus zurück, das naturgemäß von Urlaub und Reisen geprägt ist. Jährlich zählen die EU-Staaten insgesamt 370 Millionen Touristen, die fünf Prozent zur Wirtschaftsleistung beisteuern.

Die Krise in Griechenland - wo der Tourismus für 18 Prozent des Bruttosozialprodukts steht - hatte die Debatte zuletzt ebenso angefacht wie das Flugverbot nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im April. Die Chancen, dass Veranstalter wie TUI oder Thomas Cook - wie gefordert - auch nur einen Teil ihrer Kosten erstattet bekommen, gelten jedoch als gering. TUI hatte die Einbußen auf rund 105 Millionen Euro beziffert, Thomas Cook auf 80 Millionen Euro.

Quelle: impulse.de
© 2010 ftd.de

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