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30.07.2010

TV-Hersteller: Loewe verpatzt Geschäft mit Fußball-WM

Von: Gerhard Hegmann, München
Loewe
Loewe
© ddp
Der deutsche Fernsehgeräteanbieter Loewe Opta ist trotz idealer Marktbedingungen in die Verlustzone geschlittert. In den Wochen um die Fußball-WM lag der Fernseherabsatz teilweise um knapp 80 Prozent über dem Vorjahr, doch ging das Riesengeschäft praktisch an Loewe vorbei.

Wie es in der Branche heißt, kamen einige Loewe-Produkte zu spät auf den Markt. Vor diesem Hintergrund erklärte der erst seit April 2008 amtierende Loewe-Vorstandschef Frieder Löhrer mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt. Nachfolger wird Finanzvorstand Oliver Seidl. "Wir müssen schneller werden", erklärte der 47-Jährige am Donnerstag.

Zugleich wies Loewe für das zweite Quartal einen operativen Verlust von 4,9 Millionen Euro aus, bei einem Umsatz von 74 Millionen Euro - plus vier Prozent im Jahresvergleich. Damit steuert Loewe erstmals nach sechs Jahren wieder auf einen Verlust auch im Gesamtjahr zu. Die seit Wochen unter Druck stehende Loewe-Aktie verlor am Donnerstag 7 Prozent auf 6,43 Euro.

Der Ertragsrückgang offenbart die Achillesferse der Loewe-Strategie: Die Kronacher Firma positioniert sich mit einem Durchschnittspreis von über 2500 Euro im Hochpreissegment, weil Loewe von der Größe nicht die Kostenvorteile eines Massenanbieters nutzen kann. Damit ist Loewe gezwungen, in immer kürzeren Abständen marktreife technische Innovationen einzuführen, um seine höheren Preise zu rechtfertigen und die Marketingkosten zu verdienen.

Wie der zurückgetretene 54-jährige Loewe-Chef Löhrer am Donnerstag mitteilte, wurde "in den vergangenen Monaten nicht alles erreicht, was wir uns vorgenommen haben". Besonders das Fußball-WM-Geschäft sei hinter den Erwartungen geblieben. "Ich übernehme dafür die persönliche Verantwortung und habe den Aufsichtsrat gebeten, meinen Vertrag mit sofortiger Wirkung aufzulösen." An der Spitze des Kontrollgremiums steht sein Vorgänger, Ex-Loewe-Chef Rainer Hecker. Der musste quasi mit ansehen, wie das Unternehmen, an dem seine Familie mit etwa 15 Prozent beteiligt ist, stagnierte, während die Rivalen steigende Absatz-, Umsatz- und Ertragszahlen meldeten. Daher stieg der Druck durch den Aufsichtsrat auf Löhrer, heißt es.

Hecker ist Aufsichtsratsvorsitzender des Branchenverbandes GfU und hat daher besten Einblick. Er konnte sehen, dass Samsung verstärkt im deutschen Markt preisaggressiv auftritt und Philips als bisher größten TV-Lieferanten abgelöst hat. Samsung ist neben LG und Sharp einer der Lieferanten für Flachbildschirme an Loewe. Der 66-jährige Hecker weiß, was es bedeutet, neue TV-Techniken zu spät im Markt einzuführen. Als unter seiner Regie die Umstellung von Röhren auf Flachbildschirme sehr spät erfolgte, schlitterte Loewe in den Jahren 2003 und 2004 in eine tiefe Krise mit hohen Verlusten.

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