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12.08.2010

Textilbranche: Zara rollt deutschen Markt auf

Von: Nicola de Paoli
Das Deutschlandgeschäft von Zara gilt als sehr profitabel
Zoom Das Deutschlandgeschäft von Zara gilt als sehr profitabel
Die spanische Modekette baut ihr Deutschlandgeschäft mit weiteren günstigen Labels aus. Der Mutterkonzern Inditex will dafür das Unternehmen umstrukturieren.

Es werde eine Veränderung der Unternehmensstruktur geprüft, "um den Markteintritt neuer Ketten in Deutschland zu erleichtern", heißt es in einem Schreiben, das der FTD vorliegt. "Derzeit werden die Mietverträge verhandelt", sagte ein Branchenkenner. Die Zara Deutschland GmbH gehört dem spanischen Modekonzern Inditex und betreibt derzeit 72 Geschäfte.

Inditex besitzt acht Mode- und Textilsparten und machte im Geschäftsjahr 2009/2010 einen Umsatz von insgesamt 11 Milliarden Euro. In Deutschland ist der Konzern mit Zara und Massimo Dutti vertreten. In vielen anderen westeuropäischen Ländern bietet Inditex deutlich mehr Marken an, etwa die Marke Bershka für junge Kunden oder die Heimtextilkette Zara Home mit Tischdecken und Bettwäsche. Mit diesen beiden Marken könnte Inditex in Deutschland bald an den Start gehen, heißt es in Fachkreisen. Über einen Zeitpunkt sowie über geplante Standorte verlauteten zunächst keine Details. Inditex gilt als sehr verschwiegen. Allerdings dürfte der Start kurz bevorstehen.

Das Deutschlandgeschäft gilt als sehr profitabel, ist aber im Vergleich zu anderen Ländern Westeuropas für Inditex noch unterentwickelt. Auf dem Heimatmarkt Spanien betreibt der Konzern 1900 Läden, in Portugal oder Italien sind es immerhin noch 323 beziehungsweise 270 Filialen.

Es gehöre zur Unternehmensstrategie, in Westeuropa jeweils mit möglichst vielen eigenen Marken präsent zu sein, sagt der Handelsexperte Carlos Hernandez vom Branchendienst Planet Retail: "Es ist nur logisch, dass Inditex über kurz oder lang neue Marken in Deutschland einführt."

Mit dem Ausbau des Deutschlandgeschäfts ist offenbar auch ein Umbau in der Unternehmensstruktur verbunden. "Es geht darum, mehrere und nicht mehr nur zwei Marken zu managen", sagt ein Brancheninsider.

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Hamburger Otto-Konzern seine Anteile von 22 Prozent an Zara Deutschland an die Spanier zurückgereicht hat. Das habe den Umbau erleichtert, sagt ein Unternehmenskenner: "Mit einem Partner wäre die geplante Neuordnung noch einmal komplizierter geworden." Zara Deutschland war 1999 als Joint Venture von Inditex und Otto gestartet.

Zara Deutschland wollte sich zur Geschäftsstrategie nicht äußern. Inditex prüfe für sein Deutschlandgeschäft "den effektivsten Ansatz", hieß es Anfang der Woche in einer Mitteilung des Unternehmens. Dazu zählt offenbar auch eine neue Rechtsform.

Bislang firmiert die Deutschlandtochter als GmbH, doch seit Anfang Juni ist für Zara Deutschland im Handelsregister auch eine niederländische Gesellschaftsform eingetragen. Das Unternehmen heißt nach diesem Eintrag "Kommanditgesellschaft Zara Deutschland B.V. & Co.".

Nach Ansicht von Unternehmensbeobachtern handelt es sich dabei um eine Vorratsgesellschaft und ist Teil der Vorbereitungen für den Markteintritt der neuen Marken. Abgesehen von steuerlichen Vorteilen kann in einer niederländischen Gesellschaft eine Vielzahl von Tochterfirmen und Vertriebsschienen mit weniger Personalaufwand - und damit einfacher - gemanagt werden. Die B.V. gilt bei vielen Unternehmen als flexibler und kostengünstiger als die deutsche GmbH. So tritt auch der Zara-Wettbewerber H&M in Deutschland als B.V. auf.

Allerdings stößt die Entscheidung für die neue Rechtsform bei den Gewerkschaften auf Unmut. Anders als in der GmbH besteht in der B.V. nicht die Möglichkeit, Arbeitnehmervertreter in den Aufsichtsrat zu wählen.

© 2010 ftd.de

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