Georg von Krogh ist ein Professor, wie ihn die Studenten gern haben. Seine Vorlesungen sind kurzweilig, er lacht viel und trat zu seiner Zeit an der Universität St. Gallen regelmäßig als Rock 'n' Roller auf. Mit Sonnenbrille und Gitarre bot er dann eine ausgesprochen laute Version von "Smoke on the Water" dar.
Die Beliebtheit des Norwegers hat jedoch auch mit seinem Fachgebiet zu tun. Von Krogh beschäftigt sich - inzwischen an der ETH Zürich - mit Innovationsforschung: "In der ersten Stunde zeige ich meinen Studenten immer ein Bild einer Schreibmaschine. Viele kennen so etwas gar nicht mehr und fragen mich dann, wo der Bildschirm zur Tastatur ist", erzählt von Krogh. Er geht der Frage nach, wie Altes vom Markt und aus dem Bewusstsein verschwindet und Neues entsteht. Ein Fach für ein bisschen Trauer und viel gute Laune.
Von Krogh kann dabei helfen, die Krise Europas umzudeuten. Erst Griechenland, dann Irland, vielleicht Portugal und Spanien als Nächstes: Ein Land nach dem anderen versinkt im Schuldenchaos. Strukturell betrachtet zeichnet die betroffenen Staaten aus, dass sie über wenig Industrie verfügen. Es finden sich zwar so manche Finanz- und Bauunternehmen. Doch das verarbeitende Gewerbe, wo gebohrt, gedübelt, gehämmert, gelasert, gesägt, geschüttelt oder geschweißt wird, ist schwach vertreten. Überspitzt gesagt: Auf dem europäischen Kontinent verdienen nur noch Deutschland und die Schweiz die Bezeichnung Industrieland.
Ja, die Schweiz ist nicht nur Heimat von Credit Suisse, UBS und Julius Bär, sondern auch von ABB und dem Maschinenbauer Georg Fischer. Das verarbeitende Gewerbe steuert zum Bruttoinlandsprodukt rund 20 Prozent bei. Der Wert ist seit zwei Jahrzehnten nahezu konstant. Er ist höher als derjenige Großbritanniens und der USA, ungefähr auf dem Niveau Japans. Grundlage dafür sind neue Ideen, die irgendwann in neue Produkte münden, Innovation halt. Und das bekämen die Eidgenossen ausgezeichnet hin, sagt von Krogh. Zeit für ein wenig Nachhilfe. Nicht nur die Euro-Schuldner, auch Deutschland kann etwas lernen.
Ein paar Zahlen: Die Schweiz kommt pro Million Einwohner auf 180 Patente, Deutschland auf 76. Bei den wissenschaftlichen Publikationen liegt das Ergebnis bei 1770 zu 820. Dabei forschen in Deutschland prozentual mehr Personen, auf 1000 Arbeitnehmer sind es sechs in der Schweiz, 7,3 in der Bundesrepublik. Sind die Eidgenossen von Natur aus die besseren Tüftler?
Von Krogh hat eine andere Antwort parat. Er macht das Zusammenspiel von Grundlagenforschung und angewandter Forschung für den Erfolg verantwortlich. Ausgangspunkt sind gute Universitäten wie die ETH Zürich oder die EPFL in Lausanne, die selbst mit Harvard und dem MIT in Boston mithalten können. Die ETH Zürich belegt im Times Higher Education Ranking Platz 15. Der bestplatzierte deutsche Vertreter ist die Universität Göttingen auf Rang 43.
Quelle: ftd.de
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