Ihre Augen funkeln mit dem geschliffenen Bergkristall in der Vitrine um die Wette. "Alles, was glitzert", sagt Roswitha Pointher von der Swarovski-Boutique in der Berliner Friedrichstraße. "Alles, was glitzert, kaufen die Chinesen", erzählt sie, sie spricht es österreichisch aus: "Kinesen".
Junge Frauen kommen, aber auch Geschäftsleute: "Vergangenen Samstag hat einer 80, 100 Ketten auf einmal gekauft." Chinesen gehören im Sommer zu Pointhers besten Kunden. "Hier", sagt sie und zeigt auf eine Silberkette mit schwerem Kristallanhänger, "davon sind auch gleich zwei, drei weggegangen."
Die Chinesen schwärmen in die Welt aus - trotz Wirtschaftskrise. Und shoppen für ihr Leben gern. Allein 2009 reisten 42,2 Millionen ins Ausland, 2001 waren es noch sieben Millionen. Die meisten zieht es in das nahegelegene Hongkong oder Macau, aber auch Europa gewinnt an Zulauf. "Seit einem Jahr haben wir spürbar mehr chinesische Kunden", sagt die Marketingleiterin der Galeries Lafayette, Ulrike Möslinger. Wie die Japaner einst in den 1980er-Jahren sind die Chinesen meist in Gruppen unterwegs, behängt mit übergroßen Einkaufstüten europäischer Luxushersteller.
Berlin - samt Brandenburger Tor und Schloss Sanssouci in Potsdam - steht dabei hoch im Kurs. Rund 35.000 Chinesen kamen 2009, 18,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Seit September 2008 fliegt die chinesische Fluggesellschaft Hainan Airlines Berlin direkt an, mittlerweile viermal die Woche. Viele Chinesen beginnen oder beenden ihre Europareise daher in der Hauptstadt.
Initialzündung für den weltweiten Boom war der Politikwechsels Pekings: Die Regierung lockerte die Reisevorschriften für Privatreisende in den vergangenen Jahren. Heute dürfen Chinesen in über 100 Ländern der Welt Urlaub machen, während sie bis 2003 außerhalb Asiens lediglich in die Türkei oder nach Ägypten konnten. Zudem können es sich immer mehr Chinesen leisten, ihre Ferien im Ausland zu verbringen. Und einmal in der weiten Welt, sitzt das Geld locker. Gegenüber 2008 stiegen die Ausgaben chinesischer Touristen um 16 Prozent auf 42 Milliarden Dollar.
Quelle: ftd.de
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