Während der Rest der Tourismusbranche mit Schnäppchenangeboten verzweifelt gegen leere Betten kämpft, reiben sich Campingplatzbetreiber angesichts steigender Buchungen verwundert die Augen: Was früher als spießig galt, ist heute wieder in, der Campingurlaub ist zurück. Im letzten Jahr haben in Deutschland 25 Millionen Touristen ihren Urlaub in Zelten und Wohnwagen verbracht. Und damit sind keine Dauercamper im Rentenalter gemeint. Vor allem junge Familien und Alleinerziehende gehören zur neuen Zielgruppe der Campingindustrie.
Gunter Riechey, Präsident des Bundesverbandes der Campingwirtschaft (BVCD), sieht für den allgemeinen Trend zum Campen in den letzten Jahren vor allem zwei Gründe: Der Service der Platzbetreiber und die bewusste Entscheidung der Urlauber für die Rückkehr in die Natur. Die Anbieter passen sich den Ansprüchen der neuen Camper-Generation an. "Das Angebot an Mietobjekten - von Blockhütten bis zu komplett ausgestatteten Ferienhäusern - wurde verstärkt nachgefragt", sagt Riechey. Der klassische Campingurlaub mit Zelt und Schlafsack hat ausgedient. Qualität und Ausstattung der Domizile reichen von der einfachen Grundausstattung mit Bett und Schrank bis zur Luxusversion mit Vorgarten und Pool. Mieter können die komplette Ausstattung des Campingplatzes nutzen - und die wandelt sich. Hoher Komfort sowie Wellness- und Freizeiteinrichtungen seien mittlerweile keine Ausnahme mehr, sagt Richey.
Neun Prozent mehr Übernachtungen
Laut Statistischem Bundesamt stieg die Zahl der Übernachtungen auf Campingplätzen 2009 um neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Campingplatzbesitzer freuen sich über diese Entwicklung - Hersteller von Wohnmobilen und Campingzubehör spüren davon nichts. So beantragte der Wohnmobilhersteller Westfalia am Mittwoch Insolvenz. Grund dafür sei die Marktentwicklung, die sich 2009 dramatisch verschlechtert habe, sagte ein Sprecher. Besonders im ersten Halbjahr seien die Auftragseingänge auf Monatsbasis betrachtet um bis zu 70 Prozent eingebrochen.
"Dass mehr Leute zelten gehen, heißt eben noch lange nicht, dass die Hersteller davon profitieren", sagt ein Mitarbeiter eines Zubehörproduzenten. Zumindest, so lange es sich nicht um Neueinsteiger handele. Ein Wohnwagen mit passender Innenausstattung und Vorzelt, Stühle und Tische für den Vorgarten, Campingkocher oder Grill - für nur eine Campingsaison lohne sich das kaum.
Konkurrenz-Unternehmen wie Hymer kämpfen ebenfalls mit schlechten Zahlen. Eine Insolvenz droht Hymer jedoch noch nicht. Der Konzern verbuchte im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs, das von 1. September bis 31. August läuft, einen Umsatzrückgang um 7,8 Prozent im Jahresvergleich - das entspricht 13,1 Millionen Euro. Zudem verringerte die Gruppe ihre Fahrzeugbestände deutlich und produziert fast ausschließlich auftragsbezogen.
Schwarze Zahlen nach der Neugründung
Der dritte große deutsche Hersteller von Campingfahrzeugen, Knaus Tabbert, musste bereits 2008 in die Insolvenz. Mittlerweile gehört das Unternehmen der niederländischen Investmentgesellschaft HTP und schreibt bereits ein Jahr nach der Neugründung schwarze Zahlen.
Auch Westfalia will nicht so schnell aufgeben. Auf der Touristikmesse CMT in Stuttgart stellte der Konzern Mitte Januar das neue "Multimobil" vor. Es zeichne sich in diesem Jahr zwar keine grundsätzliche Besserung ab, sagte der Geschäftsführer. Er gehe jedoch davon aus, "das Unternehmen nach Abschluss des angestrebten Planinsolvenzverfahrens in einer neuen Konstellation fortführen zu können".
Die Probleme der Hersteller gründen laut Daniela Leipelt vom BVCD auch darin, dass in den letzten Jahren zu viele differenzierte Angebote auf dem Markt waren. Die Zielgruppenorientierung habe einfach gefehlt. Der Markt müsse jetzt neu geordnet werden, schließlich versorgen die Hersteller nun eine andere Generation als noch vor zwanzig Jahren. Bereits jetzt gingen die ersten Hersteller wieder vermehrt auf junge Familien ein - mit angepasster Innenausstattung und Finanzierungsangeboten. Und treffen damit genau die Vorstellungen der neuen Camper-Generation.
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