Der Schmerz ist ihm anzusehen, der Blick gesenkt, die Stirn in Falten, die Mundwinkel nach unten gezogen. Die ganzen Tage hat er geschwiegen, als sich die Nachrichten draußen überschlugen, als das Desaster mit jedem Tag größer wurde, als sein Unternehmen Millionen Autos zurückrufen musste, in Amerika, in Asien, in Europa. Nun, endlich, stellt sich Akio Toyoda und entschuldigt sich. "Wir bedauern sehr, dass wir unsere Kunden verschreckt haben", sagt der Chef des Autoherstellers Toyota. Der Enkel des legendären Firmengründers spricht am Rande des Weltwirtschaftsforums von Davos in die Kameras eines japanischen Fernsehsenders: Man wolle nun alle Fakten ermitteln, alles erklären, um den Kunden "so schnell wie möglich die Angst zu nehmen". Und dann sagt er: "Bitte glauben Sie uns."
Sein Flehen ist begründet. Toyota, der größte Autohersteller der Welt, der Vorzeigekonzern Japans, steckt mitten in der schwersten Krise der Unternehmensgeschichte. Insgesamt rund 9,5 Millionen Fahrzeuge musste der Konzern wegen Problemen mit Gaspedal und Fußmatten und einer Reihe tödlicher Unfälle zurückrufen. Ein Desaster, das wohl über Jahre den Nimbus der Marke zerstören wird. "Das ist Horror", sagt ein Insider. Und sogar die japanische Regierung schlägt Alarm: "Die Lage ist ernst", sagte am Freitag Handelsminister Masayuki Naoshima.
Qualität war Markenzeichen für Toyota
Ausgerechnet Toyota. Wie kein anderer Autohersteller stand der Konzern bislang für Qualität, die Produktionsprozesse und Managementansätze der Japaner haben über Jahrzehnte die gesamte Branche geprägt. Die Rückrufaktion ist daher mehr als nur ein technisches Problem. Es ist die Demontage einer Legende.
Scheinbar unaufhaltsam waren die Japaner aufgestiegen. 1937 gründete der Großvater des heutigen Chefs den Konzern, der Vater führte ihn in den 80er-Jahren. Toyota wuchs und wuchs, wurde unter Führung externer Manager 2008 zum größten Autohersteller der Welt. Jahr um Jahr überbot der Konzern Gewinn- und Absatzrekorde. Doch offenbar ging dabei etwas verloren. "Too big, too fast" lautet ein geflügeltes Wort in der Szene.
Im Geschäftsjahr 2009 meldete der Konzern erstmals in der Geschichte einen Verlust - und erstmals wurde ein CEO entlassen. Seit dem Sommer sitzt nun Akio Toyoda auf dem Chefsessel, Jahrgang 1956, der bisher jüngste Toyota-Chef. "Ich glaube, es ist wichtig, zu unseren Wurzeln zurückzukehren", sagte er bei seinem Amtsantritt, nur so könne man "die Probleme überwinden, in denen wir stecken". Seitdem schwört er seine Manager wieder auf die alten Werte ein, den oft kopierten Toyota Way.
Quelle: ftd
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