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30.01.2012

Trotz Konjunktursorgen: Hoteliers rechnen 2012 mit guter Buchungslage

Von: Jennifer Lachman
2012: Die Hotelbranche zeigt sich optimistisch
Zoom 2012: Die Hotelbranche zeigt sich optimistisch
© Getty Images
Die Auslastung deutscher Hotels dürfte in Deutschland trotz der Konjunkturangst stabil bleiben. Die Gäste entscheiden über ihre Buchungen allerdings immer kurzfristiger.

Trotz der Sorgen um den Konjunkturverlauf und des Sparzwangs vieler Konzerne wird die Hotellerie in Deutschland auch 2012 aller Voraussicht nach wachsen. "Nach vorläufigem Abschluss des abgelaufenen Geschäftsjahres 2011 hat sich gezeigt, dass sich der deutsche Markt unerwartet gut erholt hat", sagte Reto Wittwer, Vorstandschef der Kempinski Hotels, der impulse-Schwesterzeitung Financial Times Deutschland (FTD). Für das aktuelle Jahr sei er daher - sowohl für den deutschen Markt als auch konzernweit - "verhalten optimistisch", sagte der Manager. Verhalten deswegen, weil die vergangenen Jahre "uns gelehrt haben, dass der Markt insgesamt volatil bleiben wird". 2012 dürfte die Branche alleine in Deutschland 18,3 Mrd. Euro umsetzen, schätzt der Hotel-Verband IHA. 2011 waren es 17,9 Mrd. Euro. Gut 361.000 Menschen arbeiten in Deutschland im Beherbungsgewerbe.

Auch Dieter Müller, Chef der schnell expandierenden Budget-Kette Motel One, erwartet ein gutes Jahr: "Die Vorausbuchungen für das erste Quartal sind schon sehr gut." Mit seinen mittlerweile 36 Häusern setzte Müller 2011 gut 134 Mio. Euro um, sagte er der FTD. Das entspricht einem Plus von fast 50 Prozent. Die detaillierten Zahlen will er im März auf der Reisemesse ITB bekannt geben.

Auslastung in Deutschland weitgehend konstant

Die Prognosen zeigen, dass sich die allgemeine Vorsicht bislang nicht in der Branche widerspiegelt - weder im Luxus- noch im Budgetsegment. Große Konzerne wie die Deutsche Telekom hatten zuletzt ihre Reisebudgets gekürzt, um für einen Abschwung besser gerüstet zu sein. Auch wurde allgemein erwartet, dass Privatreisende beim Buchen von Kurztrips und Urlauben etwas zögerlicher sein würden. Im Zuge der Finanzkrise 2008/09 war die Nachfrage nach Hotelzimmern nämlich so kurzfristig und stark zurückgegangen, dass die Betreiber noch immer versuchen, die Einbußen zu kompensieren. So werde seine Hotelkette 2011 trotz des guten Ergebnisses "voraussichtlich annähernd auf dem Niveau von 2008 abschließen", sagte Kempinski-Chef Wittwer.

In Deutschland sei die Auslastung - im Querschnitt der Branche - weitgehend konstant, sagte Stephan Gerhard, Geschäftsführer der auf die Branche spezialisierten Beratung Treugast. Die Preise seien sogar leicht gestiegen, um gut drei Prozent. Auch im Geschäft mit Tagungen und Kongressen - das für die Hotels zunehmend wichtiger wird - sei keine Zurückhaltung zu spüren.

Struktureller Wandel treibt Branche um

Allerdings: Während die Nachfrage in Deutschland und den wichtigsten europäischen Märkten stark bleibe, werde die Lage in südeuropäischen Ländern hingegen "zunehmend schwieriger", teilte Europas größte Hotelkette Accor jüngst mit. Der französische Konzern deckt das gesamte Portfolio ab, von Budget-Marken wie Ibis bis hin zu Luxushäusern wie Sofitel. Für 2011 hat der Konzern seinen Investoren einen operativen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) zwischen 510 Mio. und 530 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Die Bilanz veröffentlicht Accor am 22. Februar.

Trotz der Zuversicht treibt die Branche jedoch ein struktureller Wandel um. Die Planbarkeit sei generell schlechter geworden, berichten Hoteliers. Dieser Trend dürfte nach dem extrem schlechten Sommer des vergangenen Jahres noch verschärft werden, erwartet Berater Gerhard: "Die Reisenden sind lernfähig. Sie wissen jetzt, dass man auch noch kurzfristig in die Sonne fliegen kann." Sollten die Sommermonate ähnlich kalt und verregnet sein wie 2011, dann würde das vor allem die deutschen Hotels treffen: "Wenn das Wetter schlecht ist, stoßen diese an ihre Grenzen. Selbst die größten Wellness-Flächen sind für die Kunden offenbar uninteressant, wenn die Sonne fehlt."

© 2012 ftd.de

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