Deutschlands zweitgrößter Baukonzern ist börsennotiert. Einmal im Jahr kommen also die Aktionäre zusammen, um sich anzuhören, was das Management plant, um Fragen zu stellen und Kritik zu üben. Diesmal gibt es eine Menge, das die Gemüter erhitzt - ein Konzernumbau und Pfusch am Bau.
Derzeit ist es ein wenig ruhiger geworden um Bilfinger Berger. Nach wochenlangen Negativschlagzeilen häufen sich seit den vergangenen Tagen wieder die Positivmeldungen. Der Konzern sei dem internationalen Wüstenstromprojekt Desertec in Nordafrika beigetreten, sagte in dieser Woche Technikvorstand Hans Helmut Schetter. "Wir sehen Desertec als wichtigen Beitrag zur Sicherstellung einer nachhaltigen Energieversorgung und als große Chance für unser Unternehmen", fügte er hinzu.
Wenige Tage zuvor gab es bei einem Skandalprojekt Entwarnung: An den Schlaglöchern auf einem neuen Teilstück der Autobahn A 1 zwischen Hamburg und Bremen habe nicht der Baukonzern Schuld, die Ursache sei ein Materialfehler. Die Manager der Baufirmen Bilfinger Berger und Bunte waren sicher erleichtert, als sie die Ergebnisse eines Gutachtens der TU Darmstadt an die Öffentlichkeit trugen. "Das Gutachten bestätigt uns eine fehlerfreie Verarbeitung", so die Unternehmen. Der Fokus der Kritik richtete sich damit auf den Asphaltlieferanten Deutag.
Schlimmer aus Sicht des Managements und der Öffentlichkeit sind indes die Pfuschvorwürfe im Zusammenhang mit dem Bau der U-Bahnen in Köln und Düsseldorf, die wochenlang die deutschen Schlagzeilen beherrschten. Weniger Stützmaterial als nötig wurde verbaut, mehrere Mitarbeiter sollen Messprotokolle gefälscht haben, Staatsanwälte ermitteln.
Bilfinger gelobte Besserung und setzte Expertenteams ein, die die Vorgänge untersuchen sollen. Herbert Bodner, Chef des Baukonzerns, wehrte sich gegen die Behauptung, es bestehe ein Zusammenhang mit dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs im März 2009. "Die fehlenden Schubhaken und die gefälschten Protokolle spielen beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs keine Rolle", meint er.
Trotz der jüngst massiven Qualitätsprobleme will Bilfinger in diesem Jahr überproportionale Gewinne erwirtschaften. Der Konzern steckt in einem strategischen Umbruch. Vorstandschef Bodner stutzt das klassische Baugeschäft durch die Trennung von der Australientochter BBA, während baunahe Dienstleistungen - vom Betreiben von Gefängnissen bis zur Wartung von Chemieanlagen - künftig das Geschäft dominieren sollen.
Internationale Konzerne wie Vinci in Frankreich und die britische Balfour Beatty gehen einen ähnlichen Weg. Solche Geschäfte gelten als gewinnträchtiger und weniger konjunkturabhängig als der Bau.
Mittelfristig soll der Anteil des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen am Umsatz Bilfingers dank der margenstärkeren Dienstleistungen auf mindestens vier Prozent wachsen. 2009 waren es 2,4 Prozent. Die finanziellen Folgen der aktuellen Pannenbaustellen hat der Konzern nach eigenen Angaben unter Kontrolle.
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