Die Deutsche Telekom hat eine erste große Kooperation geschlossen, um im mobilen Internet abseits des Kerngeschäfts zu wachsen. Der DAX-Konzern wird mit dem populären US-Rabattportal Groupon zusammenarbeiten. "Wir werden in den kommenden Monaten einige Dienste und Aktivitäten mit Groupon starten", sagte Heikki Makijarvi, bei der Telekom verantwortlich für die Entwicklung neuer Geschäfte, der impulse-Schwsterzeitung Financial Times Deutschland (FTD). "Das ist für uns ein wichtiger Schritt", sagte Michael Shim, der bei Groupon für mobiles Marketing und Partnerschaften verantwortlich ist. "Es ist das erste Mal, dass wir eine Kooperation mit einem Mobilfunkanbieter eingehen", sagte der Groupon-Manager der FTD. Die Zusammenarbeit gilt für alle Länder, in denen die Telekom in Europa aktiv ist.
Für beide Unternehmen geht es um Wachstum: Der Telekomkonzern erhofft sich durch die Zusammenarbeit mit den Amerikanern mehr Aufmerksamkeit bei Kunden und zusätzliche Handyumsätze. Zugleich kann der Konzern das populäre Rabattkonzept in eigene Angebote einbinden. Der Konzern versucht damit seine Schwäche zu umgehen, im schnelllebigen Onlinegeschäft mit Privatnutzern nicht schnell genug eigene Produkte anbieten zu können. Gerade dieses Geschäft gehört zu einem der strategischen Wachstumsfelder der Deutschen Telekom: 2015 will der Konzern mit Onlinediensten für Privatkunden einen Umsatz von 2 Mrd. Euro bis 3 Mrd. Euro Umsatz erreichen. Im Rahmen dieser Strategie hat die Telekom unter anderem mit den Unternehmen Blue Jeans Network und Jawbone Partnerschaften geschlossen und in die beiden Firmen investiert.
Die Amerikaner zielen unter anderem auf die Kundenbasis der Telekom in Deutschland und Europa, um ihrem mobilen Geschäft deutlich mehr Schwung zu verschaffen. "Niemand wird den mobilen Markt allein erobern können", sagte Shim mit Blick auf die Zusammenarbeit mit dem deutschen Konzern. Nach anfangs enormen Erfolg, muss sich das US-Portal inzwischen weltweit mit Hunderten Konkurrenten herumschlagen. Groupon-Partnerunternehmen klagen zum Teil über die fehlende Loyalität der Schnäppchenjäger. Der Aktienkurs des seit Anfang November an der Börse gelisteten Unternehmens aus Chicago liegt derzeit deutlich unter der Erstnotierung von 20 Dollar.
Rabattierte Angebote in 45 Ländern
Groupon bietet in 45 Ländern rabattierte Angebote von Unternehmen über seine Website, per E-Mail oder auf dem Handy an. Die Palette reicht von Mittagsmenüs bis zu Elektronikprodukten. Lösen Nutzer die Gutscheine ein, behält Groupon einen Teil des Wertes. Das Unternehmen erzielte im dritten Quartal 2011 einen Umsatz von 430 Mio. Dollar. Groupon hat 30 Millionen Nutzer.
Zu gemeinsamen Projekten und Angeboten wollten sich weder Makijarvi noch Shim konkret äußern. Geplant seien verschiedene Marketingaktivitäten, sagten sie lediglich. Vorstellbar sei, dass die Groupon-Software auf Handys vorinstalliert wird, die über die Telekom verkauft werden, oder künftig ein Handydienst der Telekom zum Bezahlen von Groupon-Gutscheinen genutzt wird. Internetnutzer sollten an das mobile Web herangeführt werden, erklärte Makijarvi. Erste Initiativen sind innerhalb der nächsten sechs Monaten zu erwarten. In der Partnerschaft wird die Telekom teilweise an Umsätzen von Groupon beteiligt werden. Wie das Modell genau aussieht, wollten die Manager nicht sagen.
Im Webgeschäft der Telekom mit Privatnutzern sorgen bislang nur wenige Töchter für nennenswerte Umsätze. So ist bisher die Scout-Gruppe mit ihren Portalen für Autos, Immobilien oder Finanzen erfolgreich sowie das Portal T-Online. Allein die Scout-Gruppe erwirtschaftet nach Angaben aus informierten Kreisen einen Umsatz von mehr als 300 Mio. Euro. Andere Dienste wie Musicload schlagen sich jedoch seit Jahren nur mäßig.
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