20.11.2009

Übernahme: Der süße Kampf um Cadbury

Von: Titus Kroder und Gregor Kessler
Hunger von drei Seiten: Neben dem US-Konzern Kraft zeigen auch Ferrero (Nutella) und Hershey (Kitkat) Interesse an Cadbury
Zoom Hunger von drei Seiten: Neben dem US-Konzern Kraft zeigen auch Ferrero (Nutella) und Hershey (Kitkat) Interesse an Cadbury
© * FTD/Henner Flohr
Die Schokoladenhersteller bekommen Hunger: Neben Kraft bieten plötzlich zwei weitere Unternehmen um den britischen Traditionskonzern Cadbury. Dessen Chef Todd Stitzer spielt die Interessenten genüsslich gegeneinander aus.

Todd Stitzer ist sehr offen, wenn er darüber spricht, was ihn wirklich anmacht. "Ich bin fasziniert von Fusionen, ich wollte Deals schon immer einmal selbst durchziehen", sagte der Chef des britischen Süßwarenkonzerns Cadbury. Das war vor einem Jahr, nach einer Reihe von Übernahmen, die Cadbury zum größten Süßwarenkonzern der Welt machte, mit einem Umsatz von 6 Milliarden Euro.

Jetzt wird es wirklich aufregend für Stitzer. Cadbury, 1824 in Birmingham gegründet, ehedem Hoflieferant des Nachmittagskonfekts von Königin Victoria und für die Dairy Milk-Schokolade berühmt, soll selbst geschluckt werden. Zum ersten Mal droht Stitzer vom Käufer zum Gekauften zu werden. Das heißt noch lange nicht, dass der 57-Jährige zum Opfer wird. Auch diesen Deal versucht er selbst durchzuziehen. Die Schlacht um Cadbury hat gerade erst begonnen.

Stitzer hat in Harvard Jura studiert und danach als M&A Anwalt gearbeitet. Mit Fusionen kennt er sich also aus. Und natürlich auch mit den Taktiken. Als Kraft Foods, der US-Lebensmittelkonzern, im August ein unverbindliches Angebot von 11,7 Milliarden Euro für Cadbury auf den Tisch legt, wischt Stitzer es beiseite. Klar, niemand schlägt beim ersten Angebot ein. 745 Pence pro Cadbury Aktie? "Lächerlich", tönt Stitzer. Er will den Preis hochtreiben. Und damit es sich auch so richtig lohnt, braucht er Mitbieter. Die sind im Sommer aber nicht in Sicht.

Stitzer kämpft für einen guten Preis

Und so beginnt Stitzer damit, seine Spielchen zu spielen. Prinzipiell hätte eine Fusion durchaus Charme, sagt er und macht dem Interessenten Hoffnung. Gleichzeitig erhöht er - mitten in der Weltwirtschaftskrise - die Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Jahr und treibt den Aktienkurs nach oben. Jedes Angebot werde man prüfen, verspricht er und macht damit auch dem Letzten klar: Todd Stitzer kämpft nicht für Cadburys Unabhängigkeit. Er kämpft für einen guten Preis.

Seine Strategie: ein Mix aus Ablehnung und Anlockung, eine Strategie, die Marktbeobachter von Anfang an gutheißen: "Was er da macht ist clever und gehört zum Spiel, das man in dieser Situation spielen muss", lobt David Buik, Partner des Investmenthauses BGC. Man könne davon ausgehen, dass er sich auf eine Spanne zwischen 825 und 850 Pence pro Aktie als Ziel festgelegt habe. "Das ist sinnvoll, denn das kann sich Kraft gerade noch leisten."

 

Die Chancen, dass Stitzer diesen Preis bekommen wird, stehen gut. Denn inzwischen wird klar, dass seine Strategie voll aufgeht. Seit Mittwoch bieten zwei neue Unternehmen mit: der US-Konzern Hershey und das italienische Familienunternehmen Ferrero. Die Schlacht kann beginnen. Und Stitzer sich zurücklehnen. "Er dürfte gegrinst haben, als Hershey und Ferrero ihr Interesse äußerten", sagt Buik. "Das ist genau, was er momentan braucht." Branchenkenner vermuten sogar, es sei Stitzer selbst gewesen, der Ferrero und Hershey zu den Geboten ermunterte. "Das ist sein Schachzug, um mehr Interesse zu wecken", ist sich ein Großaktionär von Cadbury sicher.

Seite   1 | 2 | 3 | 

© 2009 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews