09.10.2009

Übernahmewelle: Technologiebranche in Shoppinglaune

Von: Martin Ottomeier und Helene Laube
Die neue Elektronik könnte in vielen Bereichen Siliziumchips ersetzen, vor allem bei einfachen Anwendungen
Die neue Elektronik könnte in vielen Bereichen Siliziumchips ersetzen, vor allem bei einfachen Anwendungen
© Fotolia
Nicht nur Google ist auf Aquisitionstour: Erste Großzukäufe in der IT-Branche gelten als Vorboten einer Serie von Übernahmen. Die Kassen der Konzerne sind prall gefüllt.

Die Fusions- und Übernahmewelle in der IT-Branche gewinnt an Schwung. Die IT-Unternehmen sehen sich nach lohnenden Gelegenheiten um. Einige große Zukäufe in den letzten Quartalen signalisieren, dass die Flaute zu Ende ist. "Google ist wieder auf Akquisitionstour, und wir gehen den gewohnten Weg, kleine Unternehmen zu kaufen", sagte zuletzt Google-Chef Eric Schmidt. "Wir sind weiter auf der Jagd nach Zukäufen", sagte David Farr, Chef von Emerson Electric. Der Technologiekonzern hat gerade für 1,2 Milliarden Dollar den IT-Dienstleister Avocent gekauft. Auch Yahoo-Chefin Carol Bartz stellte Zukäufe in Aussicht.

Analysten bestätigen den Trend. "Wir werden jetzt zwölf aktive Monate vor uns haben", sagt Sascha Pfeiffer, Geschäftsführer bei der Investmentbank Close Brothers. "Wir steigen in ein goldenes Zeitalter der Technologiezukäufe ein", glaubt Brian Marshall, Experte der Analysefirma Broadpoint Amtech.

Wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise hatten sich die traditionell übernahmefreudigen IT-Unternehmen in den vergangenen Monaten deutlich zurückgehalten. "Gegen die Wirtschaftskrise und damit verbundene Auftragsrückgänge war auch die IT-Branche nicht immun", sagt Michael Drill, Deutschlandchef bei der Investmentbank Lincoln International. Das habe sich in einer geringen Risikobereitschaft für Übernahmen ausgedrückt. "In der Wirtschaftskrise war Bargeld das Wichtigste - daher haben sich viele Unternehmen mit Zukäufen zurückgehalten", sagt Peter Kreutter, Branchenexperte für IT an der WHU Otto Beisheim School of Management.

Zukäufe dringend gebraucht

Das ändert sich nun. Die IT-Unternehmen sind dabei in einer komfortablen Situation. Viele von ihnen verfügen über hohe Barreserven oder kurzfristig verfügbare Mittel. Zudem arbeiten sie oft trotz Absatzschwäche profitabel, weil sie in der Krise gespart und Stellen abgebaut haben. So verfügen sie über finanziellen Spielraum.

Zukäufe werden auch dringend gebraucht. "IT gilt als Branche, von der die Kapitalmärkte nachhaltiges Umsatzwachstum erwarten, aber die Nachfrage nach IT-Produkten ist noch immer niedrig", sagt Pfeiffer. Daher müssten die Unternehmen Umsatz zukaufen.

Dies spiegelt sich in einer Reihe von Übernahmen der vergangenen Monate wider. So kündigte Cisco vergangene Woche den Kauf des norwegischen Videokonferenzsystemanbieters Tandberg für 2 Milliarden Euro an, der vergangenes Jahr rund 800 Millionen Euro Umsatz machte. Xerox will für 6,4 Milliarden Dollar den IT-Outsourcer ACS übernehmen und so den Umsatz der Servicesparte auf 10 Milliarden Dollar verdreifachen. Und der PC-Hersteller Dell greift sich für rund 3,9 Milliarden Dollar den IT-Dienstleister Perot Systems, der rund 2,8 Milliarden Dollar Umsatz mitbringt.

Hinzu kommen eher strategische Zukäufe wie die Übernahme der Webanalysefirma Omniture durch den Softwarekonzern Adobe für etwa 1,7 Milliarden Dollar oder der Zukauf des Spezialanbieters Data Domain durch den Speicherkonzern EMC.

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