21.01.2010

Umstrittener Spot: Handwerk macht wegen Haiti Werbepause

Von: David Böcking
Nach dem 11. September waren in der Werbung eine Weile Flugzeuge tabu, nach dem Tsunami Wellen. Nun zieht der Handwerksverband einen Werbespot zurück, in dem Häuser einstürzen. Nach dem Beben von Haiti hatten Zuschauer die Bilder als geschmacklos empfunden.

In der Warteschleife des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) war das Lied am Mittwoch noch zu hören: "Stell Dir vor, wie im Traum, seh ich was, glaub es kaum", singen Kinderstimmen. "Alles was von Hand gemacht, das geht gerad' vorbei."

Der Werbespot, den Fernseh- und Kinozuschauer seit vergangener Woche zu diesem Lied zu sehen bekamen, wurde vorerst gestoppt. Für rund 1 Millionen Euro hatte die Werbeagentur Scholz and Friends die Vision einer Welt ohne Handwerk entworfen: Darin blätterten Tapeten, schmolzen Ringe, zerfiel Kleidung und stürzten schließlich ganze Häuser zusammen.

Vor allem die kollabierenden Gebäude hatten offenbar viele Zuschauer nach der Erdbebenkatastrophe von Haiti als pietätlos empfunden. Deshalb wird werde der Spot "bis auf weiteres nicht mehr zum Einsatz gebracht und ausgesetzt", teilte der ZDH mit. Die Imagekampagne, für die über fünf Jahre insgesamt 50 Millionen Euro veranschlagt sind, werde aber fortgesetzt.

Ähliche Fälle von Selbstzensur gab es in der Vergangenheit schon häufiger. Nach den Anschlägen des 11. September 2001 hatten mehrere Unternehmen Werbungen zurückgezogen, in denen Flugzeuge zu sehen waren. Dazu gehörte etwa ein Spot des Telefonanbieters Telegate, bei dem ein Flugzeug ein Hochhaus druchbrach. Nach dem verheerenden Tsuanmi Ende 2004 nahmen viele Radiosender das Lied "Perfekte Welle" der Popgruppe Juli vorübergehend aus dem Programm.

Ob und wann der Werbespot wieder gezeigt wird, war beim ZDH zunächst nicht zu erfahren. Verbandspräsident Otto Kenzler legte Wert darauf, dass seine Zunft Anteil an der Katastrophe auf Haiti nimmt. Schließlich seien viele Handwerker mit Organisationen wie dem THW oder dem Deutschem Roten Kreuz inzwischen selbst als freiwillige Helfer vor Ort.

© 2010 ftd.de

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