"Die Gebührenstrukturen sind oft so undurchsichtig, dass Verbraucher nicht wissen, was sie wofür bezahlen. Oft bekommen sie Dienstleistungen, die sie gar nicht brauchen", schreibt Barnier in einem vertraulichen Brief an die europäischen Bankenverbände. Das Schreiben liegt der Financial Times Deutschland vor.
Werben um Vertrauen
Hintergrund des Vorstoßes ist eine schwelende Debatte um das angeschlagene Verbrauchervertrauen seit der Finanzkrise. Barnier will den Banken abgewöhnen, mit Superangeboten zu werben und hintenherum beim Kunden abzukassieren. Laut einer Erhebung seiner Behörde langen die Banken in Italien und Spanien besonders heftig zu: Hier werden für Leistungen wie Konto- und Kartengebühren, Überziehungszinsen und Telefonbanking für durchschnittliche Nutzer jährlich mehr als 300 Euro fällig.
Es folgen Lettland, Frankreich und Österreich mit rund 150 Euro. Am günstigsten sind Konten in Portugal, Bulgarien und Belgien. Dort kosten Konten weniger als 50 Euro. Deutschland liegt mit knapp 100 Euro im Mittelfeld. Solche Unterschiede sind für die Kommission ein Indiz für Marktversagen: "Wir glauben, dass hier dringend Abhilfe geschaffen werden muss", schreibt Barnier.
Nun müssten Europas Banken alle "Gebühren, Kosten und Provisionen, die für die Kontoeröffnung, Kontoführung und -schließung anfallen, sowie Kosten für Produkte und Dienste, die an das Konto gebunden sind", offenlegen. Wenn sie sich nicht selbst "in einem angemessenen Zeitraum" auf ein einheitliches Informationsblatt für die Kunden verständigen, werde Brüssel gesetzgeberisch tätig, warnt der Franzose.
Verbraucherschützer jubeln
Verbraucherschützer begrüßen den Vorstoß. "Wir fordern schon lange unabhängige Preisvergleiche und einen jährlichen Gebührenauszug, der alle gezahlten Gebühren ausweist", sagte Monique Goyens, Chefin des europäischen Verbraucherverbands Beuc.
Banken nehmen die Drohung aus Brüssel ernst, weil die Kommission sie bereits im vergangenen Jahr mit der Androhung eines Gesetzes gezwungen hat, einen schnellen und kostenlosen Kontenwechsel zu anderen Banken zu ermöglichen. Die Institute müssen seither den Transfer von Informationen über Lastschriften, Daueraufträge und regelmäßige Zahlungseingänge binnen wenigen Arbeitstagen untereinander und für Kunden kostenlos regeln.
Diese Selbstverpflichtung wird von den Bankenverbänden selbst überwacht. "Das ist sehr aufwendig. Regulierung wäre billiger", hieß es in Bankenkreisen. Etliche Institute wollen daher bei der Gebührentransparenz lieber eine gesetzliche Regelung abwarten.
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