Empfehlen Facebook Twitter XING Als E-Mail verschicken Drucken
07.09.2010

Ungünstige Wetterlagen: Verbrauchern droht Agrar-Preisschock

Von: Tobias Bayer, Christine Mai
Mais
Zoom Mais
Nach den Bränden in Russland und Unruhen in Mozambique sind Ängste vor einer neuen Lebensmittelkrise aufgeflammt. Das scheint derzeit übertrieben - dennoch legen Preise für eine Reihe von Rohstoffen zu.

Unternehmen und Verbraucher müssen sich auf steigende Preise für Agrarrohstoffe einstellen. Obwohl wegen den Feuersbrünsten in Russland, die einen großen Teil der Weizenernte vernichteten, nach Ansicht von Experten keine Lebensmittelkrise wie in den Jahren 2007 und 2008 droht, treiben extreme Wetterlagen und Transportengpässe die Notierungen für landwirtschaftliche Produkte.

Jüngstes Beispiel ist Mais. Am Freitag schloss der Maiskontrakt an der Terminbörse Chicago Board of Trade (CBOT) bei 4,50 Dollar je Scheffel (35,28 Liter). Das ist der höchste Stand seit Oktober 2008. Allein seit Ende Juni liegt das Plus damit bei 38 Prozent. Grund ist unter anderem die warme Witterung im Mittleren Westen der USA. Der Analysedienst Informa hält es für möglich, dass die Gesamternte unter das Vorjahresniveau fallen könnte. Das US-Landwirtschaftsministerium rechnete bisher mit einer Rekordernte.

Die Aussicht auf weitere Preissteigerungen treibt zunehmend spekulative Finanzanleger in den Markt. Sie weiteten per Ende August ihre Netto-Long-Positionen nochmals erheblich aus. Sie erhöhte sich gegenüber der Vorwoche um 13 Prozent auf 321.600 Kontrakte. Das ist laut den Rohstoffanalysten der Commerzbank der höchste Stand seit Beginn der detaillierten Datenaufzeichnung im Jahr 2006. "Auf eine starke Anlegernachfrage deutet auch das gestiegene Volumen hin", schrieben die Commerzbank-Analysten. Am Freitag wurden am CBOT erstmals über 520.000 Mais-Futures gehandelt.

2010 ist mit Blick auf die Agrarrohstoffe ein turbulentes Jahr. Dürre und Brände in Russland, sowie die Flutkatastrophe in Pakistan wecken Erinnerungen an 2007 und 2008. Damals fielen die Ernten schwach aus. Steigende Lebensmittelpreise führten zu Unruhen in zahlreichen Schwellenländern. Dieses Jahr verteuerten sich Weizen, Mais, Reis und Fleisch deutlich.

Doch eine Wiederholung der Ereignisse von vor zwei Jahren sei unwahrscheinlich, sagt Abdolreza Abbassian, Getreideexperte bei der Ernährungsorganisation der Uno, der Food and Agriculture Organization (FAO): "Die Situation unterscheidet sich grundlegend von der vor zwei Jahren. Wir wollen die Bedeutung des höheren Weizenpreises in solch kurzer Zeit nicht herunterspielen. Aber es ist nicht etwas, was wir als Anzeichen einer globalen Krise sehen", sagte Abbassian im Interview mit Bloomberg TV.

Dennoch sind steigende Preise wahrscheinlich. Das gilt insbesondere für Weizen. "Verbraucher müssen sich auf höhere Weizenpreise einstellen", sagte Franciscus Welirang, Vorstand des indonesischen Müllerverbands. Wegen des Ausfalls Russlands werde ein Wettbewerb um amerikanisches Getreide einsetzen. Das werde die Preise treiben, sagte Welirang. Wegen der Brände verhängte Russland ein Exportstopp für Weizen. Daraufhin verteuerte sich Weizen mit 8,68 Dollar je Scheffel auf den höchsten Stand seit zwei Jahren.

Seite   1 | 2 | 

© 2010 ftd.de

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews