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Serie: Wie entsteht eigentlich ...?

Duschkopf, Sonnenbrille oder Warenhauskatalog: Alltagsgegenstände, die Millionen Menschen täglich in den Händen halten. Doch wie kommen sie eigentlich zustande? impulse.de zeigt die Entstehungsprozesse.


22.12.2011

Warenprobe - Drahtkorb: Halt mich, sonst plopp ich!

Von: Jakob Vicari
Drahtkorb
Zoom Drahtkorb
© Kumicak + Namslau
Jeden Monat stellt impulse ein Produkt im Detail vor. Vor Silvester den Sektkorkenkäfig.

Drahtkorb

Philipp Schneider Bad Münster-Ebernburg. Produzierte früher Gardinenaufhängungen, seit 1939 Sektkorkenhalter. Die Pfälzer sind Weltmarktführer mit Tochterfirmen in Frankreich, Italien, Spanien und seit Kurzem in Brasilien, wo die Wirtschaft gerade prickelt, es also oft ploppt. 189 Mitarbeiter setzen 65 Mio. Euro im Jahr um. Für Edelchampagner machen sie vierbügelige Körbe. Die günstige Variante ist die hier gezeigte mit zwei Bügeln. Der Drahtkorbhersteller hat eine Tochterfirma mit elf Mitarbeitern, die Kapselfabrik Schneider. Die stellt aus Polyester und Alu die Käppchen, die den Drahtkorb bedecken, her.

Former

Philipp Schneider Bad Münster-Ebernburg. Draht und geschnittenes Kaltbandstahl werden in Maschinen gelegt, die die Firma Schneider selbst entwickelt und baut, und darin geformt und verbunden. Am Ende spucken die Maschinen die Drahtkörbe aus. Bei den Sektabfüllern werden sie mit Maschinen namens Agraffa von Kematec, einem südbadischen Maschinenbauer, auf die Korken gesetzt und verdrillt, bis sie drei Bar Druck aushalten, mehr als ein Autoreifen.

Draht

Diverse Europaweit. Eisendraht kommt auf 400-Kilo-Rollen zu Schneider. Von ArcelorMittal Wire Solutions aus Köln, Tochter des indisch-französischen Stahlkonzerns, des größten der Welt. Von Bianchini nahe Barcelona. Oder von Bekaert, einer belgischen AG, deren 27&8201;000 Mitarbeiter in vielen Ländern produzieren und 4,5 Mrd. Euro im Jahr umsetzen.

Plattenschneider

Burkhardt+Schmidt Remchingen. Fachleute akzeptieren in diesem Fall das Wort Blech nicht. Die richtige Bezeichnung lautet: elektrolytisch verzinktes Kaltband. Was bedeutet: Dünner Stahl wird verzinkt, damit er nicht rostet. Das Material wird bei der Firma Schneider mit Maschinen von Burkhardt&8201;+ Schmidt in Streifen geschnitten. Der Mittelständler in Nordbaden hat 80 Mitarbeiter.

Band

H. D. Lenzen Hagen, Theis Hagen. Schneider schneidet mit Maschinen von Burkhardt+Schmidt Stahlstreifen aus elektrolytisch verzinkten Kaltbändern. Die liefern zwei Firmen aus dem Ruhrgebiet. Lenzen, gegründet 1985, hat 57 Mitarbeiter. Für Theis, gegründet 1910, arbeiten rund 1000 Menschen in Werken in China, Indien, den USA und Polen. Geschäftsführerin von Theis ist Viola Prinzessin von Hohenzollern. Beide Firmen kaufen gewalzten Stahl von Stahlkochern, setzen ihn in Zinkbädern unter Strom, bis das Zink den Stahl dicht und fest bedeckt und der deshalb rostfrei geworden ist.

Aus dem Magazin

 

Dieser Beitrag stammt aus der impulse-Ausgabe 01/2012.

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