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06.07.2010

Wichtiger Agrarrohstoff: Weizenrost bedroht Ernten weltweit

Von: Christine Mai
Weizen steht für ein Fünftel der Kalorienzufuhr der Weltbevölkerung
Zoom Weizen steht für ein Fünftel der Kalorienzufuhr der Weltbevölkerung
© AFP
Sie galt als überwunden, nun ist sie zurück: Eine schwere Rostkrankheit befällt Weizen in immer mehr Ländern. Damit sind Ernten weltweit in Gefahr. Forscher mahnen zu raschem Handeln.

Die Rückkehr einer besiegt geglaubten Weizenkrankheit bedroht Ernten des wichtigen Agrarrohstoffs weltweit. Der Weizenrost ist auf dem Vormarsch: In Afrika breitet er sich bereits aus, als nächstes könnte er auf Südasien übergreifen.

Experten warnen vor Ernteausfällen. Diese könnten zu erheblichen Preissteigerungen führen und gerade Menschen in Schwellen- und Entwicklungsländern treffen. Weizen liefert rund ein Fünftel der Kalorienzufuhr für die Weltbevölkerung.

Die letzten großen Epidemien liegen Jahrzehnte zurück. In den Jahren 1953 und 1954 zerstörte der Weizenrost Ernten in den USA, 1973 und 1974 wütete er in Australien. Dann schien die Pilzkrankheit überwunden, weil resistente Pflanzen entwickelt wurden.

Seit 1999 jedoch ist der Weizenrost zurück, in diesem Jahr wurde er in Uganda identifiziert. Experten führen die Rückkehr auch darauf zurück, dass Regierungen und Forscher das Thema lange vernachlässigten. Die neue Variante des sogenannten Schwarzrosts, nach Jahr und Ort der Entdeckung Ug99 genannt, breitet sich seitdem rasant aus. Der Pilz wird vor allem vom Wind, aber auch etwa auf Kleidung transportiert.

90 Prozent der Weizensorten ungeschützt

Die Uno-Ernährungsorganisation Fao schätzt, dass er in 29 Länder vorgedrungen ist - und 37 Prozent der globalen Produktion sind entweder befallen oder bedroht, weil er in benachbarten Ländern aufgetreten ist. Bisher sind sieben Varianten bestimmt worden, gegen die 90 Prozent der kommerziell angebauten Weizensorten wehrlos sind.

"Das Auftauchen von Ug99-Gattungen in Ostafrika hat Weizenrost von einer Krankheit, die weitgehend unter Kontrolle war, in eine bedeutende weltweite Bedrohung verwandelt", sagte David Hodson, Spezialist für die Krankheit bei der Fao. "Ug99 ist wie der Grippevirus, er verändert sich ständig."

Bisher sind Varianten des Pilzes in Ländern wie Kenia, Sudan, Äthiopien und Iran identifiziert worden. Im Juni entdeckten Wissenschaftler zwei neue Gattungen in Südafrika. Damit ist der bislang wichtigste Weizenproduzent betroffen. Beobachter fürchten, als nächstes könnte er in den indischen Bundesstaat Punjab vordringen, eine der größten Kornkammern der Welt. Neben dem Schwarzrost sind weitere Pilzkrankheiten auf dem Vormarsch, der Gelb- und der Braunrost, die sich aufgrund des Klimawandels weiter ausbreiten als früher.

Auch wenn Wissenschaftler noch nicht den Notstand ausrufen, fordern sie doch ein rasches Eingreifen. "Angesichts der neuen Mutationen, die wir sehen, können die Länder es sich nicht leisten zu warten, bis der Rost sie trifft", sagte Ravi Singh vom Forschungsinstitut International Maize and Wheat Improvement Center.

"Von der Ug99-Variante, die in Kenia identifiziert wurde, wurden zunächst nur Spuren entdeckt. Im Jahr darauf erreichte sie das Niveau einer Epidemie", fügte er hinzu. Ug99 habe mehrere Jahre bis zu 80 Prozent der Weizenproduktion kenianischer Bauern zerstört. Als wirksamstes Instrument wird die Züchtung resistenter Weizenpflanzen angesehen. Pilzvernichtungsmittel sind deutlich ineffektiver, schaden der Umwelt - und sind für viele Bauern ohnehin zu teuer.

© 2010 ftd.de

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