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Serie: Mehr Zeit fürs Wesentliche

Kleine Unternehmer quälen sich noch immer mit dem Verwalten von Rechnungen und Kundendaten. Dabei gibt es Programme, mit denen der Bürokram schnell und einfach erledigt ist. Wir zeigen, was sie bringen und wo Risiken liegen.


15.12.2010

Wie man unternehmerischen Schiffbruch vermeidet: Markt kennen, Firma retten

Von: Andreas Eickelkamp

Zoom 
© Getty Images
Wenn Selbständige und kleine Firmen schon kurz nach der Gründung scheitern, liegt es nicht selten an der fehlenden Kenntnis des Marktes und an Schwächen in der Persönlichkeit des Unternehmers. Oft werden die Fehler schon in der Gründungsphase der Firma gemacht.

Wenn ein 25-jähriger Jungunternehmer im Porsche Anzeichen von Größenwahn zeigt und meint, der Sportwagen müsse von der Firma mitfinanziert werden, führt das besonders rasch zum Zusammenbruch des neu gegründeten Unternehmens. Das haben Insolvenzverwalter und Sanierungsberater übereinstimmend den Mannheimer Forschern des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zu Protokoll gegeben, die im Auftrag des Bundeswirtschaftministeriums die Ursachen für das Scheitern junger Unternehmen untersuchten. Solch eine falsche Erwartungshaltung würde nicht nur die Anfangsphase eines Unternehmens belasten, sondern auch den laufenden Betrieb schädigen. Neben unpassenden Charaktereigenschaften des Firmenchefs haben die Wissenschaftler als weitere Hauptursachen fürs Scheitern die Fehleinschätzung der Märkte ausgemacht sowie die Unkenntnis darüber, in welchem Umfang finanzielle Vorleistungen zu erbringen sind.

Zwischen 60.000 und 75.000 junge Unternehmen in Deutschland schließen pro Jahr ihr Geschäft, ergab die Studie weiter. Zieht man die sogenannten Durchlaufbranchen wie den Einzelhandel, das Gastgewerbe und Friseure ab, die ohnehin eine hohe Dynamik haben, scheitern jährlich immer noch 30.000 Selbständige und kleine Firmen mit im Schnitt drei Mitarbeitern in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens. 100.000 Arbeitsplätze gehen mit ihnen verloren.

Schlecht geplant läuft schlecht

Burkhard Jung
Burkhard Jung
© möller pr GmbH

"Was hinterher schief geht, hat seine Ursachen meist schon vor der Gründung", sagt Burkhard Jung, Vorstandsmitglied der Berliner Management-Beratung CMS. Der Experte für Insolvenz und Sanierungsmanagement spricht aus seiner Beratererfahrung: "Wer vor der Gründung seinen Markt nicht kennt und wer die Finanzierung nicht geklärt hat, kommt anschließend automatisch ins Trudeln." Die wichtigsten Fragen sind: Wer möchte mein Produkt kaufen? Wie komme ich an die Kunden heran? Wie viel kostet das? Wer seinen Markt nicht schon vor der Gründung untersucht hat und nicht gerade ein geborener Verkäufer ist, sollte das schleunigst nachholen, wenn die Firma auf Schlingerkurs geht.

Häufig fehlt auch schon ein Businessplan zur Gründung, oder er bleibt an der Oberfläche. Christiane Schild, Expertin für Finanzierung und Förderung der Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK), beobachtet, dass "viele Ideen vorhanden sind, aber nicht formuliert wurden". Erst durch eine genaue Formulierung würden offene Punkte klarer oder offensichtlicher. Den Markt und die Kundenwünsche zu analysieren und genau zu beschreiben – wenn möglich gemeinsam mit Fachleuten – lautet somit ihre wichtigste Empfehlung. Zudem liefert ein detaillierter Geschäftsplan auch gleich die Blaupause für das später ebenfalls wichtige Controlling des Geschäfts.

Buchhaltung gehört in kundige Hände

Eine weitere Ursache für unternehmerischen Schiffbruch stecke in der laufenden Finanzierung des Geschäfts und in der Buchhaltung. "Wenn das kaufmännische Einmaleins fehlt, sind die Unternehmer oft überrascht, wie hoch der Vorfinanzierungsaufwand ist", sagt Berater Jung. Ob bei handwerklichen Artikeln oder bei Dienstleistungen: Vom Start der Produktion bis zum ersten Geld können leicht zwischen vier bis acht Wochen vergehen. Büromieten, Gehälter und die oft unterschätzten Steuerforderungen müssen bedient werden. Folge: Der Chef denkt nur noch an die Liquidität und nicht mehr an das Produkt.

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