Überall Gewusel. Links wurde geschraubt, rechts verpackt und draußen ein Spezialgetriebe für den Abtransport nach Fernost vorbereitet. So sah es 2005 bei Jahnel-Kestermann aus. "Ist halt so gewachsen", sagte damals Fertigungsleiter Oliver Viehweider, "auch wenn das nichts zu tun hat mit vernünftiger Fertigung." Jahnel-Kestermann, kurz Jake, bekam ja auch so Aufträge. Bis Abnehmer NEG Micon übernommen wurde vom Marktführer Vestas, der andere Lieferanten hat. Der Bochumer Getriebebauer verlor ein Drittel des Umsatzes von 50 Mio. Euro, ein Drittel der 270 Mitarbeiter und das Vertrauen der Banken. Kurz vor der Pleite stieg ein Finanzinvestor ein, päppelte die Firma auf und verkaufte sie. An die Koreaner.
Das Beispiel Jake zeigt, was mit den Windkraftpionieren passiert: Sie werden geschluckt von den Größeren. Konzerne greifen zu und verleiben sich das Wissen der Vorreiter ein. Mit Windkraft, lange als Energie der Weltverbesserer belächelt, lässt sich richtig Geld verdienen. Vielen Pionieren in der Windkraftbranche steht daher noch bevor, was Jake bereits hinter sich hat. "Ausländer kaufen sich ein und greifen deutsches Know-how ab", sagt Manfred Lührs.
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Der Ingenieur ist ein echter Pionier, stellte 1977 sein erstes selbst gebautes Windrad auf den Acker. Damals war die Szene überschaubar, man kannte sich. "Wir waren Freaks", sagt Lührs. Viele trugen lange Mähnen, Wollpullis und Ökosandalen. Idealisten, meist aus der Anti-Atomkraft-Bewegung. Sie kämpften für eine grüne Welt und gegen Großkonzerne, sie wollten ihren Strom selbst produzieren.
Ohne die Landschaft zu verspargeln.
Sie haben sich starkgemacht für Energie aus Wind, mit Politikern im Gemeinderat ebenso gerungen wie später mit denen in Bonn und Berlin. Und immer in skeptische Mienen geguckt. "Alles schön und gut", fingen Politikerantworten meist an, um mit einem Aber überzuleiten zum Hinweis, wie viel mehr Energie Kohle-, Atom- und andere Kraftwerke hervorbringen. Ohne die Landschaft zu verspargeln.
Debatten von vorgestern. Nach Jahrzehnten emsigen Tüftelns und Werbens ist die Zeit reif. Bis 2050, lässt die deutsche Regierung verlauten, soll die Hälfte des Stromes aus erneuerbaren Energien stammen, vor allem aus Windkraft. Anderswo auf der Welt sieht es ähnlich aus: In China etwa fördert die Politik heimische Windradbauer, um unabhängiger von Öl und Kohle zu werden. Noch haben die chinesischen Hersteller den Heimatmarkt im Fokus, doch der nächste Schritt ist die Expansion nach Indien, Brasilien, in die USA, nach Russland und in die anderen osteuropäischen Länder. Hier liegen die Märkte der Zukunft. Wem das zu weit weg ist, der ist raus aus dem Spiel.
Nische war gestern. Heute geht es um einen weltweiten Markt, der inzwischen 50 Mrd. Euro erwirtschaftet. Wer nicht abgehängt werden will, muss global vertreten sein. "Willst du große Stückzahlen verkaufen, brauchst du große Konzerne", sagt Lührs. Pioniere wie Fuhrländer oder Enercon wollen dagegenhalten und haben, ebenso wie Nordex und Repower, Ansprechpartner überall auf der Welt. "Aber die Pioniere geraten unter Druck", sagt Manfred Hader, Partner der Strategieberatung Roland Berger. Ihr Wissensvorsprung schrumpft.
Siemens und General Electric (GE) haben an Expertise längst gleichgezogen. Der US-Konzern übernahm 2002 das Pionierunternehmen Tacke und besorgte sich dadurch Zugang zu einem Wachstumsmarkt, vor allem Know-how. Das Tacke-Standardmodell mit 1,5 Megawatt Leistung hat GE weiterentwickelt. Es ist mit rund 13.500 installierten Einheiten heute die am meisten verkaufte Windenergieanlage der Welt. 2009 übernahm GE den skandinavischen Windradbauer Scanwind, der vorwiegend Offshore-Turbinen baut.
Die neuen Weltmarktführer
Mit Anlagen draußen auf dem Meer soll das große Geld verdient werden. Siemens hat etwa die dänische Firma Bonus Energy und den deutschen Getriebebauer Winergy übernommen und ist damit rasch zu einer Windkraft-supermacht aufgestiegen. Siemens und GE, sagt Thomas Richterich, Chef des mittelständischen Konkurrenten Nordex, "werden in drei bis fünf Jahren sicher Weltmarktführer sein".
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