02.02.2010

Wirtschaftskrise: Einzelhandel zittert vor 2010

Der Lebensmittelhandel setzte 2009 1,8 Prozent weniger um
Zoom Der Lebensmittelhandel setzte 2009 1,8 Prozent weniger um
© Getty Images
Die Händler sind trotz Umsatzminus glimpflich durch das Krisenjahr 2009 gekommen. Doch das laufende Jahr wird wohl schwieriger für Geschäfte und Versandhändler.

Die Einzelhändler in Deutschland haben zum Jahresende wieder mehr Umsatz erwirtschaftet: Die Erlöse stiegen im Dezember bereinigt um Preisveränderungen um 0,8 Prozent zum Vormonat. Das teilte das Statistische Bundesamt mit. Die Behörde korrigierte zugleich die Daten für das Jahr 2009 leicht: Demnach sind die deutschen Einzelhändler mit einem vergleichsweise geringen Umsatzrückgang durch das Rezessionsjahr gekommen. Real lag das Minus bei 1,8 Prozent. Nominal betrug der Rückgang 2,4 Prozent.

Damit fielen die Einbußen von Fachgeschäften, Supermärkten und Kaufhäusern deutlich geringer aus als bei den Exporteuren, wo die Umsätze um rund 15 Prozent einbrachen. Dennoch verbuchte der Einzelhandel nominal das größte Minus seit Beginn der gesamtdeutschen Statistik 1994. Wegen der weltweiten Rezession brach die Wirtschaftsleistung in Deutschland im vergangenen Jahr um fünf Prozent ein.

Entlastung durch niedrige Inflation

Dem Einzelhandel kam zugute, dass die Arbeitslosigkeit trotz der Krise nur wenig stieg. Zudem wurden die Verbraucher durch die niedrige Inflation entlastet. Auch der Anstieg der Tariflöhne wirkte sich stabilisierend aus. "Der Konsum war 2009 die ganz große Überraschung", sagte Dekabank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Der Einzelhandel kann davon aber nur eingeschränkt profitieren, er macht nur 28 Prozent der Konsumausgaben aus."

Daher verbuchten die meisten Sparten auch ein Umsatzminus: Stark betroffen war im vergangenen Jahr der Versandhandel, wo die Erlöse um 4,3 Prozent sanken. Der gesamte Lebensmittelhandel setzte 1,8 Prozent weniger um. Nur mit pharmazeutischen Produkten, Kosmetik und Medizin machte die Branche ein Plus von 2,3 Prozent.

"Mix, der konsumhemmend wirkt"

Banken-Volkswirte rechnen mit einem schwierigen Jahr für die Händler. "Für den Einzelhandel sind die Aussichten nicht sehr rosig. Kurzfristig dürften die Umsätze weiter fallen, erst im späten Jahresverlauf kommt es wohl zu einer Stabilisierung", sagte Alexander Koch von Unicredit. Auch Scheuerle erwartet keine gute Zeit für die Händler. "Die Impulse durch die gesunkene Inflation sind weg, die Löhne steigen nicht mehr so stark, und der Arbeitsmarkt droht sich zu verschlechtern. Das ist ein Mix, der konsumhemmend wirkt."

© 2010 ftd.de

Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews