10.08.2009

Zukunftstechnologie: Akkus für den Aufschwung

Von: Georg Dahm (Kamenz)
Deutschland soll wieder zur Batterienation werden
Deutschland soll wieder zur Batterienation werden
© Fotolia
Mit dem Boom der Hybridfahrzeuge ist auch die Nachfrage nach Hochleistungsakkus sprunghaft angestiegen. Aus dem sächsischen Kamenz kommt der Antrieb für die Elektroautos der Zukunft.

An hohen Besuch sind sie inzwischen gewöhnt in Kamenz. Der Ministerpräsident. Der Bundesumweltminister. Die Bundesforschungsministerin. Automanager sowieso. Nicht wegen der zauberhaften historischen Innenstadt, durch die schon der kleine Lessing stromerte. Sondern wegen einer schlichten Werkshalle draußen im Gewerbegebiet, von der man zur Linken über Bäume hinweg auf den rotierenden Hirschkopf des Jägermeister-Werks blickt, und zur Rechten auf die Flaggenmasten der Firma Sachsen Fahnen.

Womit wesentliche Teile der Kamenzer Wirtschaft schon beschrieben wären. Gewiss, da gibt es Mittelstand, Technologieunternehmen wie Sobatech oder Optima, ein paar Ingenieurbüros. Aber all dies übertüncht nur die Wunden aus der Wendezeit: Textilindustrie weg, Maschinenbau weg, VEB Plastelektronik weg. Und die Armeeschule weg, fast 2000 Arbeitsplätze.

"Das ist ein Aderlass, den kann man sich kaum vorstellen", sagt Bürgermeister Roland Dantz, der mit einem dreiköpfigen Wirtschaftsförderungsteam versucht, an die Technologietradition des Orts anzuknüpfen. Kurze Wege, schnelle Entscheidungen, ein direkter Draht zu den Behörden.

Und nun diese Halle, die nicht nur der Region wieder Auftrieb geben, sondern gleich eine in Deutschland fast ausgestorbene Industrie wiederbeleben soll. In Kamenz hat der Chemiekonzern Evonik seine Tochter Li-Tec angesiedelt - die erste Firma, die in Deutschland Batterien für Elektroautos in Serie fertigt.

Akkus für die Unterhaltungselektronik - da ist der Vorsprung asiatischer Hersteller nicht mehr einzuholen. Große Akkus sind dagegen technisch anspruchsvoller und vor allem: gefährlicher. Denn je mehr Energie sie speichern, desto größer ist die Gefahr, dass sie in Flammen aufgehen, wenn sie beschädigt oder überhitzt werden. Bei den Li-Tec-Akkus sorgt ein Material für mehr Sicherheit, das der Evonik-Vorläufer Degussa zusammen mit der TU Darmstadt entwickelt hat. Eine hitzebeständige Keramikfolie, Separator genannt, die in den Akkus zwischen den beiden Elektroden liegt.

 

Natürlich hätte man die Folie an asiatische Batteriehersteller verkaufen können. "Dann hätte auch ein Großteil der Wertschöpfung in Asien stattgefunden", sagt Li-Tec-Geschäftsführer Andreas Gutsch. "Außerdem war die Folie mit der existierenden Maschinentechnik nicht zu verarbeiten." Degussa entschloss sich daher, selbst im Geschäft mit Hochleistungsakkus mitzumischen. "Damals sind wir dafür ziemlich belächelt worden", sagt Gutsch.

Seite   1 | 2 | 

© 2009 ftd

Ihre Meinung

Ich bin registrierter User und möchte mich anmelden

Ihr Name
Ihre Email-Adresse (wird n. veröffentl.)
Betreff
Ihr Kommentar


Versenden | Leserbrief | Druckversion | Zurück

Diesen Artikel bookmarken bei...

Tausendreporter BlinkList del.icio.us Folkd Furl Google Linkarena Mister Wong oneview Yahoo MyWeb YiGG Webnews