Unternehmen Achterbahn-Hersteller verdienen ihr Geld fast nur noch im Ausland

Nur für robuste Mägen: eine Looping-Bahn

Nur für robuste Mägen: eine Looping-Bahn© bastos / fotolia

Eine Fahrt mit der Achterbahn ist nicht nur auf dem Oktoberfest eine Attraktion. Technische Neuheiten gibt es dort aber kaum: Die neuesten Bahnen verkaufen die Hersteller ins Ausland. Auf den Volksfesten in Deutschland bleiben die Oldies.

Von Null auf Hundert in wenigen Sekunden – und dann mit Karacho durch fünf Loopings: Der Olympia Looping auf dem
Oktoberfest lässt sich eigentlich nur nüchtern ertragen. Die riesige Achterbahn ist dort in diesem Jahr wieder eine Attraktion – auch wenn sie mit ihren 25 Jahren langsam zum Oldtimer wird. Genau wie die gemäßigten Varianten Alpina Bahn oder die Wilde Maus stammt sie aus den 80er Jahren. Neue Achterbahnen mit Spezialeffekten werden zwar immer noch von einer Handvoll Firmen in Deutschland gebaut – verkauft aber fast nur noch an Freizeitparks im Ausland. Vor allem aus China kommen viele Bestellungen für den geplanten Nervenkitzel „Made in Germany“.

Der Achterbahn-Hersteller Zierer aus dem niederbayerischen Deggendorf verkauft mehr als 90 Prozent seiner Fahrgeschäfte ins Ausland. Besonders stolz ist die Firma mit 60 Beschäftigten auf ihre neueste Erfindung: Eine Achterbahn mit einer Art eingebauter Fallgrube – dem sogenannten „Vertical Drop“. Auf freier Strecke bleibt die Bahn stehen und dann geht es abwärts: Fünf Meter im freien Fall. „Das gibt einen schönen Bauchkitzler“, sagt Zierer-Projektleiter Martin Weichselgartner.

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Zwei Bahnen mit dem Effekt hat Zierer schon verkauft: Eine ins Legoland in Dänemark und eine in die USA. Jede Bahn ist eine Maßanfertigung und wird nach Kundenwunsch dekoriert und häufig in eine kleine Show eingebettet. Im Legoland heißt die Bahn Polarexpress und fährt an lebenden Pinguinen vorbei, in den USA wurde sie von einem Freizeitpark in Virginia im Schwarzwald-Design gewünscht.

Volksfeste entscheiden über die Kreditlinie

Auch der Hersteller Mack Rides aus Waldkirch in Baden-Württemberg, der vor allem auf familientaugliche Achterbahnen und Fahrgeschäfte setzt, findet seine Kunden fast nur im Ausland.

Die meisten Schausteller in Deutschland können es sich nicht leisten, drei Millionen Euro oder mehr für eine neue Achterbahn auf den Tisch zu legen. Sie fahren lieber die bewährten Modelle noch ein paar Jahre länger durchs Land oder kaufen sich eine Second-Hand-Achterbahn von einem Berufsaussteiger. „Die Anlagen, die hier laufen, sind meist schon älter“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schaustellerbundes, Frank Hakelberg. Für viele der rund 3200 Schausteller, die der Verband vertritt, werde die wirtschaftliche Lage wegen steigender Kosten und neuer Regularien immer schwieriger.

Längst nicht jeder hat einen Platz auf dem Oktoberfest oder den anderen XXL-Volksfesten in Deutschland: Die Cranger Kirmes im Ruhrgebiet, der Hamburger Dom, der Bremer Freimarkt oder das Düsseldorfer Schützenfest gehören mit jeweils mehr als drei Millionen Besuchern zu den Spitzenreitern. „Das ist die erste Liga“, sagt Hakelberg. Wer diese Volksfeste auf dem Tourplan habe, könne auch seine Bank einfacher von einem Millionenkredit für ein neues Riesenrad oder die neue Achterbahn überzeugen.

Aber auch die Oldies unter den Fahrgeschäften bescheren den Herstellern in Deutschland noch ein bisschen Umsatz mit dem Ersatzteilgeschäft. Und nicht zuletzt sind sie ein Beweis für die Qualität und Langlebigkeit der Anlagen. „Es ist ein Kulturgut“, sagt Maximilian Röser vom Hersteller Mack. Für viele Ingenieure gilt die Konstruktion einer Achterbahn noch immer als Krönung der Kunst – auch wenn sie am Ende in China oder Kalifornien ihre Runden dreht.

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