Unternehmen Ärger um Textilbündnis: Was es bringt und was Firmen fürchten

Näherinnen in einer Textilfabrik in der Nähe der Hauptstadt Dhaka, Bangladesch.

Näherinnen in einer Textilfabrik in der Nähe der Hauptstadt Dhaka, Bangladesch.© picture alliance / ZUMA Press

Die Zustände in vielen Textilfabriken in Entwicklungsländern sind katastophal. Unterbezahlte Näherinnen schuften in maroden Fabrikhallen. Kinder hantieren mit Chemikalien. Brandschutz ist häufig ein Fremdwort. Ein Textilbündnis soll das ändern helfen. In vielen Unternehmen regt sich jedoch Widerstand gegen die ambitionierten Pläne.

Die Aufträge westlicher Bekleidungskonzerne sind für die Entwicklungsländer Fluch und Segen zugleich. Denn sie schaffen zwar Arbeitsplätze. Die Arbeitsbedingungen in diesen Textilfabriken sind allerdings oft so furchtbar, dass man die dort produzierten Kleidungsstücke eigentlich kaum ruhigen Gewissens kaufen und anziehen kann. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) will das mit einem „Textilbündnis“ ändern. Doch in Unternehmen regt sich Widerstand gegen die ambitionierten Pläne.

Was sind die wichtigsten Ziele dieses Bündnisses?

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Kurzfristig geht es darum, zum ersten Mal alle Akteure, die in Deutschland mit der Herstellung und dem Verkauf von Textilien zu tun haben, an einen Tisch zu bekommen. Mittelfristig sollen sie gemeinsam Strategien entwickeln, damit bei der Herstellung von Kleidung und anderen Textilien ökologische und soziale Mindeststandards eingehalten werden – und zwar von der Baumwollernte bis zum Verkauf des Produktes. Grundlage ist ein Aktionsplan, den das Ministerium gemeinsam mit Verbandsfunktionären und einigen Firmenvertretern entwickelt hat.

„Geiz ist geil, das kann nicht der Weg sein, nicht für Verbraucher und auch nicht für den Handel“, sagte Müller zum Start des Bündnisses am Donnerstag in Berlin. Wer nicht bereit sei, einen Euro mehr für seine Jeans zu bezahlen, trage Mitschuld am elenden Schicksal von Textilarbeitern in Staaten wie Bangladesch und Kambodscha.

Was sind das für Standards?

Die Gebäude, in denen Textilien produziert werden, sollen sicherer werden, damit so schreckliche Unfälle wie der Einsturz des Rana Plaza in Bangladesch im April 2013 künftig nicht mehr passieren. Kinderarbeit und Arbeitsverhältnisse, die an Sklaverei erinnern, sollen verboten werden. Einige sehr giftige Chemikalien kommen auf den Index.

Gibt es künftig auch Strafen für Unternehmen, die sich nicht an diese Standards halten?

Nein. Und auch der Beitritt zum Textilbündnis ist freiwillig. Allerdings hoffen die Befürworter des Bündnisses, dass der Prozess eine gewisse Eigendynamik entwickeln wird, so wie damals in den ersten Jahren der Umweltbewegung.

Wird es auch ein neues Gütesiegel für „saubere Textilien“ geben?

Das ist eine Forderung vieler Aktivisten, die sich in diesem Bereich engagieren. Die Bekleidungsindustrie und die Handelsverbände sträuben sich allerdings bislang dagegen. Sie führen dabei an, dass gerade viele Mittelständler bislang nicht in der Lage seien, „eine lückenlose und flächendeckende Überwachung sämtlicher Produktionsstufen“ zu gewährleisten.

Greenpeace distanzierte unterdessen von dem Bündnis, weil es kein generelles Verbot für den Einsatz giftiger Chemikalien beinhaltet.

Wer wird sich dem Textilbündnis anschließen?

Verbände, Nichtregierungsorganisationen und einige Unternehmen der Textilbranche. Zu den Firmen, die beigetreten sind, gehören etwa der Outdoorbekleidungs-Hersteller Vaude Sport oder Hessnatur. Einige große Unternehmen wie der Sportartikelhersteller Adidas oder die Billig-Textilkette Kik sind dagegen nicht dabei. Insgesamt haben sich der Initiative bisher 29 Firmen und Verbände angeschlossen.

Was sagen Unternehmen zum Textilbündnis?

Mehrere Verbände der Bekleidungsindustrie und zwei Handelsverbände erklärten diese Woche, die Ziele von Müllers Bündnis seien zu ambitioniert. Sie haben ihren Mitgliedern deshalb geraten, bei der Initiative nicht mitzumachen. Mehr als die Hälfte der Firmen und Verbände, die Müller für das Öko-Sozial-Pakt hatte gewinnen wollen, sind dem Bündnis nicht beigetreten. Zur Begründung führten sie an, sie könnten nicht jeden Produktionsschritt von der Baumwollernte bis zum Verkauf des Kleidungsstücks überwachen.

Bringt denn so ein deutsches Bündnis überhaupt etwas, der Textilhandel ist doch international organisiert?

Das sieht auch Minister Müller so. Sein Ministerium sieht in dem deutschen Bündnis deshalb auch nur einen ersten Schritt. Später will man auch Akteure aus anderen EU-Staaten mit ins Boot holen.

1 Kommentar
  • Tom 17. Oktober 2014 09:14

    Habe gerade diesen Artikel zu Textil gefunden. Könntest Du den für euer Projekt gebrauchen?
    LG Mama

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