Unternehmen Aldi wird Online-Händler

Ein Aldischild in Essen.  Im selben Haus begann vor 100 Jahren der Bäcker Karl Albrecht einen Handel mit Backwaren. Später wurde der Laden von seinen Söhnen Karl und Theo übernommen

Ein Aldischild in Essen. Im selben Haus begann vor 100 Jahren der Bäcker Karl Albrecht einen Handel mit Backwaren. Später wurde der Laden von seinen Söhnen Karl und Theo übernommen© dpa/picturealliance

Joghurt, Schinken, Äpfel: Aldi liefert nun in Großbritannien Einkaufstüten bis zur Türschwelle. Auch wenn der Discounter den Service in Deutschland noch nicht bietet – der Online-Handel für Lebensmittel ist auf dem Vormarsch.

Keine Wartezeit an den Kassen, kein Tütenschleppen, kein nerviges Gesuche zwischen Supermarktregalen: Aldi – bislang eher für niedrige Preise als für tollen Service bekannt – will seinen Kunden das Einkaufen erleichtern und startet in Großbritannien einen Test: Der Discounter liefert die Einkäufe bis an die Haustür.

Wie die Lebensmittel-Zeitung berichtet soll in diesen Tagen auf der Insel der Aldi-Online-Shop an den Start gehen. Warum Großbritannien? 91 Prozent der Briten waren 2013 online, 77 Prozent der Bevölkerung kaufte nach Angaben der Europäischen Statistikbehörde Eurostat online ein. Beinah jeder Vierte bestellte auch Lebensmittel im Netz. Damit gehört die Insel in Europa zur Spitze.

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Auch in Deutschland wächst der Onlinehandel mit Nahrungsmitteln – aber auf niedrigem Niveau. Während es beispielsweise in Dänemark bereits weit verbreitet ist, am Sonntag vom Sofa aus mit dem Tablet den Wocheneinkauf zu erledigen, schleppen die Deutschen noch Tüten. Nach Schätzungen auf der Datenbasis des britischen Marktforschers IGD kauft immerhin fast jeder zehnte Deutsche online Lebensmittel. Der Marktanteil des Onlinevertriebs ist bislang dennoch winzig: Der Anteil der Lebensmittel, die im Netz eingekauft werden, liegt nach Schätzungen der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY bei 0,8 Prozent. Immerhin hat er sich zuletzt innerhalb eines Jahres verdreifacht und könnte – so eine Prognose von EY – bis 2020 auf 10 Prozent steigen.

Deutsche wollen für Extraservice nicht extra zahlen

Ob der Trend anhält und sich mit Lebensmitteln online langfristig Geld verdienen lässt, bleibt dennoch abzuwarten. Denn die Margen im Lebensmittelhandel sind traditionell gering und die Deutschen generell wenig geneigt, für Extraservice auch extra zu bezahlen. Die Auslieferung von Lebensmitteln ist aber teuer, zumal jeder Einkauf individuell eingepackt werden muss.

Trotzdem versuchten die großen Händler derzeit, sich ihren Teil vom Kuchen rechtzeitig zu sichern. In Großstädten wie Hamburg oder Berlin sind die U-Bahnen mit Werbung zugeflastert. Vorreiter ist Rewe. Die Supermarktkette liefert bereits in 63 Städten aus. Der Service kostet fünf Euro und ist ab einem Bestellwert von 40 Euro zu haben. Der Umsatz mit dem Lieferdienst habe sich seit dem Start im Herbst 2011 vervierfacht, verriet das Unternehmen dem Handelsblatt. Genaue Zahlen nennt es nach Angaben der Zeitung aber nicht.

Die größte Konkurrenz könnte von Amazon kommen

Die Platzhirsche haben offenbar Angst, dass es ihnen ähnlich gehen könnte wie den Buchhändlern oder den Zeitungen mit ihren Stellenanzeigen: Wenn sie nicht zügig und kraftvoll in den Online-Markt drängen, kommen neue Konkurrenten auf den Markt und klauen wichtige Marktanteile. Zwar sind einige Start-ups wie Supermarkt.de oder froodies schon wieder vom Markt verschwunden. Dennoch schläft die Konkurrenz nicht, auch große Start-up-Schmieden wie Rocket Internet investieren in den Lebensmittelhandel. Zuletzt steckte der Inkubator der Samwer-Brüder 100 Millionen Euro in das Berliner Abokisten-Start up HelloFresh, das Lebensmittel und dazu passende Rezepte liefert. Der Umsatz des Unternehmens lag 2014 bei 120 Millionen Euro.

Die größte Konkurrenz für die etablierten Ketten geht aber nicht von deutschen Start-ups aus, sie kommt aus den USA: Amazon soll noch 2015 mit seinem Lieferdienst Amazon Fresh in Deutschland an den Markt gehen. Allerdings hatten Experten den Markteintritt schon für letztes Jahr erwartet. „Amazon Fresh kommt“, war sich Rewe-Chef Alain Caparros trotzdem im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa sicher. „Wir wissen, dass sie bereits Logistikstandorte haben.“

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