CSR bei der Andechser Molkerei Blumenwiese auf dem Flachdach

Barbara Scheitz, Inhaberin der Andechser Molkerei Scheitz, vor ihrer von Friedensreich Hundertwasser inspirierten, neuen Logistikzentrale: "Wir werden das Unternehmen total verändern."

Barbara Scheitz, Inhaberin der Andechser Molkerei Scheitz, vor ihrer von Friedensreich Hundertwasser inspirierten, neuen Logistikzentrale: "Wir werden das Unternehmen total verändern."© impulse

Mit dem Neubau der Molkerei will Andechser neue Öko-Standards setzen. Ein Gespräch mit Inhaberin Barbara Scheitz über die größte Investition der Unternehmensgeschichte und den Wert von Transparenz.

Barbara Scheitz hat keine Zeit mehr. Eigentlich wartet der nächste Termin. „Kommen Sie“, sagt sie, „ich zeig’s Ihnen“, und marschiert los. Raus aus dem Container, in dem seit Jahren die Verwaltung ihrer Molkerei untergebracht ist, rüber über die Schotterpiste, auf der ein Milchlastwagen nach dem anderen auf den Hof rumpelt. Im Businesskostüm klettert die 50-Jährige über die Baustelle, zeigt, wo bald das Herz ihres seit drei Generationen bestehenden Familienunternehmens schlagen wird.

Eben noch, im Konferenzraum, dozierte Scheitz etwas streng über ihre Firma, hielt sich schnörkellos an die Powerpoint-Präsentation und ließ persönliche Fragen freundlich, aber bestimmt an sich abperlen. Jetzt aber, umgeben von Bauschutt und lose von der Decke baumelnden Kabeln, taut sie auf. Am Ende des Rundgangs strahlt sie vor Stolz. Was hier entsteht, ist für die Unternehmerin weit mehr als eine neue Zentrale und ein Hightech-Lager. Das Bauwerk, 150 Meter lang und 18 Meter hoch, soll viel mehr sein: ein Symbol für all das, wofür ihre Andechser Molkerei steht.

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Eine zweistellige Millionensumme kostet der Bau, der, das versteht sich für Scheitz von selbst, alle Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards nicht nur erfüllt, sondern übertrifft. Doch auch ohne dieses Wissen soll man auf den ersten Blick sehen, das sich hier ein Industrieunternehmen nicht gegen die Natur stellen will, sondern sie möglichst so lassen will, wie sie ist. Das Äußere ist im farbenfrohen Mosaik-Stil von Friedensreich Hundertwasser gestaltet, dem österreichischen Öko-Künstler, der es kunterbunt mochte und für den jeder Eingriff in die Natur durch den Menschen ein „nicht wiedergutzumachender Fehler“ war.


impulse: Frau Scheitz, seit 16 Jahren ist Ihr Büro in einem Container untergebracht, jetzt ziehen Sie um. Was bedeutet die Investition für Ihr Familienunternehmen?

Barbara Scheitz: In dieser finanziellen Dimension gab es das noch nie, seit mein Großvater begann, eine kleine Molkerei aufzubauen.

Was hat so lange gedauert?

Natürlich haben wir uns nicht nur zum Aussehen der neuen Gebäude, sondern auch zur Zukunftstauglichkeit viele Gedanken und auch Planungsarbeit gemacht. Ingenieurswissen zum Thema Energieeffizienz veraltet heute durch neue Technologien, neue Maschinen, effizientere Produktionsweisen oft bereits nach zwei Jahren. Deswegen haben wir die neue Molkerei völlig neu gedacht. Wir werden das Unternehmen total verändern.

Was heißt das konkret?

Was man von außen nicht sehen kann: Unter dem Neubau nach der Philosophie von Hundertwasser gibt es zum Beispiel einen begehbaren Versorgungskanal, dessen Netze von der Energiezentrale aus kontrolliert werden und so die Effizienz erhöhen und den Verbrauch senken. Was man dagegen sehen kann: Auf alle flachen Dächer legen wir als extensive Begrünung natürlich wachsende Blumenwiesen an. Auch das entspricht der Philosophie von Hundertwasser: Natur zurück zu den Menschen. Und wir bauen statt einer neun Meter hohen Lärmschutzmauer eine bepflanzte Kleinmoräne.

Familienunternehmerin Scheitz will auch beim Thema Mobilität Vorreiterin sein: Der Firmenwagen ist ein Elektroauto

Familienunternehmerin Scheitz will auch beim Thema Mobilität Vorreiterin sein: Der Firmenwagen ist ein Elektroauto.© impulse

 

Außerdem wollen Sie eine „naturnahe Oberflächen-Bewirtschaftung“ einführen. Was verstehen Sie darunter?

Unser Betriebsgelände hat eine leichte Hanglage. Regen- und Schneeschmelz-Wasser von den Flachdächern werden nun direkt über etwa 25 bis 30 Meter tiefe Sickerschächte im naturbelas­senen Betriebsgelände entwässert. Damit wird auch das kommunale Netz, in das bisher auch die Regen-, Schneeschmelz- und Abwasser der Molkerei eingeleitet wurden, entsprechend entlastet.

Welche Ziele wollen Sie mit dem Öko-Neubau erreichen?

Alle technischen Verbesserungen sollen letztlich zur Verbesserung der Arbeitswelt aller Andechser Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beitragen. Denn Wohlbefinden steigert nicht nur ihre Freude und Kreativität, sondern fördert auch die Stabilität ihrer Gesundheit – und damit ihrer Arbeitskraft.

Sie setzen auch stark auf Thema Transparenz. So kann jeder Joghurtkäufer nachvollziehen, bei welchem Milchbauern die dazugehörige Kuh auf der Wiese steht, indem er auf Ihrer Webseite das Produkt und Mindesthalt­barkeitsdatum eingibt. Selbst die von den Kühen erzeugte CO2- Menge haben Sie untersuchen lassen. Warum?

Da jeder Zweifel der erste Schritt zur Wahrheit ist, wie Denis Diderot es einmal formulierte, bieten wir eine Herkunftsangabe für die meisten unserer Produkte. Es kommt nicht selten vor, dass dann auf einmal Joghurt­käufer aus Berlin bei unseren Milch­bauern in Bayern auf dem Hof stehen. Es ist wichtig, dass der Verbraucher wieder die Wertschätzung für ein Lebensmittel erlebt und auch erlernt. Mit dieser Transparenzinitiative kann das gelingen.

Ausnahmsweise dürfen Sie etwas Werbung machen: Welche Ihrer Joghurt-Sorten essen Sie selbst am liebsten?

Natürlich „Natur“.

 

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