Unternehmen Andy von Bechtolsheim: Ein Bayer im Silicon Valley

"Ich setze mir gerne Ziele und löse gerne Probleme, die noch keiner vor mir gelöst hat", sagt Andreas von Bechtolsheim.

"Ich setze mir gerne Ziele und löse gerne Probleme, die noch keiner vor mir gelöst hat", sagt Andreas von Bechtolsheim.© picture alliance / dpa

Er war Pate bei der Gründung von Google: Der deutsche Unternehmer Andreas von Bechtolsheim gehört zu den ganz Großen im Silicon Valley - und gibt sich doch bescheiden.

Der Mann auf dem Podium bittet um Verständnis. „One second“, murmelt er und versucht, seine Präsentation zum Laufen zu kriegen. Bei den Zuhörern im Saal macht sich Heiterkeit breit. Denn es ist ausgerechnet Andreas von Bechtolsheim, der hier mit den Tücken der Technik kämpft. Der 59 Jahre alte, schlaksige Mann mit den grauen Haaren und dem etwas blassen Gesicht ist nicht nur ein ausgewiesener Computerexperte – er ist auch einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer in den USA. Das New Yorker Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt sein Vermögen auf rund vier Milliarden US-Dollar.

Äußerlich anzusehen ist ihm das alles nicht. Andreas von Bechtolsheim, den alle hier „Andy“ nennen, trägt eine dunkelblaue Jeans, ein hellblaues Hemd und braune Schuhe. Er gestikuliert viel und tritt ruhig, beinahe zurückhaltend, auf. In Deutsch mit einem leichten amerikanischen Akzent erzählt er, was ihn vor rund 40 Jahren in die USA trieb und was seiner Ansicht nach das kalifornische Silicon Valley ausmacht.

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1975 ging er in die USA – der Computer wegen

Geboren wurde von Bechtolsheim in Hängeberg am bayerischen Ammersee, Abitur machte er in Lindau am Bodensee. Seine Mutter war Hausfrau, sein Vater arbeitete als Volksschullehrer. 1974 wurde er Bundessieger im Fachgebiet Physik bei „Jugend forscht“ – mit einer Arbeit zur Strömungsmessung durch Ultraschall. „Das war der Moment, als mein Leben interessant wurde“, sagte von Bechtolsheim später dazu. Mit einem Stipendium in der Tasche, ging der Student 1975 in die USA, weil ihm die Computerausstattung an den deutschen Unis und die Computerindustrie insgesamt in Deutschland zu rückständig waren.

Nach einem Master in Informatik kam der junge Computerfreak als Doktorand an die Universität in Stanford. Dort entwickelte er einen vernetzbaren Arbeitsplatzrechner als leistungsstarke Alternative zu den damals üblichen Großcomputern. Zur Vermarktung gründete er mit Mitstreitern 1982 die Firma Sun Microsystems, die sich zu einem der größten Server-Hersteller der Welt entwickelte und später von Oracle geschluckt wurde. Von Bechtolsheim hob weitere Unternehmen mit aus der Taufe und investierte in Startups. So gab er den beiden Google-Gründern Larry Page und Sergey Brin 1998 ein Startkapital von rund 100.000 Dollar, weil ihn die Idee einer Internet-Suchmaschine sofort anfixte.

Erfolg ist im Silicon Valley einfacher als in Deutschland, findet von Bechtolsheim

In mehr als hundert Firmen hat der 59-Jährige nach eigenen Angaben mittlerweile investiert. „Und das ist zum Teil sehr gut gelaufen.“ Dieser Lebensweg wäre in Bayern nicht möglich gewesen. „Ich besuche Deutschland gerne“, sagt von Bechtolsheim über seine alte Heimat. „Aber es ist nach wie vor schwieriger, dort eine Firma zu gründen, als im Silicon Valley.“ Die Wahrscheinlichkeit, erfolgreich zu sein, sei dort viel höher: Das Wagniskapital sitzt lockerer. Und der Antrieb, die Zukunft mitzugestalten, sei viel größer, weil es einen starken Wettbewerb um die besten Ideen gebe. „Man weiß: Wenn man es selber nicht macht, wird es jemand anderes machen.“

Was ihn antreibt, erklärte von Bechtolsheim 2009 genauer im Interview mit dem Internetportal karriere.de: „Ich mache das nicht, weil ich Geld nötig hätte. Ich setze mir gerne Ziele und löse gerne Probleme, die noch keiner vor mir gelöst hat.“ Philosophisch betrachtet sei Reichtum nur eine Zahl auf dem Bankkonto. „Es hat nicht die geringsten Auswirkungen auf das, was ich tue.“

Derzeit konzentriert sich von Bechtolsheim, der im September 60 Jahre alt wird, auf das Unternehmen Arista Networks, zu deren Gründern er gehörte und das Netzwerkschalter für extrem schnelles Internet baut. Ideen für neue Geschäfte habe er noch viele, sagt der umtriebige Mann. „Aber im Moment habe ich keine Zeit für eine neue Firma.“

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