Unternehmen Angeschlagener Radhersteller Mifa: Zweifel an Millionen-Spritze des Landkreises

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Neue Fahrräder© Anton Gvozdikov - Fotolia.com

Der angeschlagene Fahrradhersteller Mifa kämpft weiter mit Problemen. Der Landrat des Landkreises Mansfeld-Südharz, in dem das Unternehmen seinen Sitz hat, begründet jetzt ein umstrittenes Grundstücksgeschäft gegenüber impulse als Maßnahme zum Erhalt von 700 Arbeitsplätzen.

Eine ungewöhnliche Finanzspritze für den börsennotierten Fahrradhersteller Mifa sorgt im Landkreis Mansfeld-Südharz für anhaltende Diskussionen: Wie impulse in seiner Juni-Ausgabe (ab 28. Mai am Kiosk) berichtet, kaufte der Kreis dem Unternehmen im April per Eilentscheidung ein Betriebsgrundstück im Wert von 5,7 Millionen Euro ab – um es direkt wieder ans Unternehmen zu verpachten, drei Jahre lang.

Landrat Dirk Schatz (CDU) verteidigt den Deal als Maßnahme zum Erhalt von über 700 Arbeitsplätzen beim größten Arbeitgeber der Region. Auch wenn es eigentlich nicht Sache des Landkreises sei, Grundstücke zu halten, wie er impulse sagte. Er habe seinen „kurzen Draht“ zu Mifa-Aufsichtsrat Ralf Poschmann genutzt, der im Hauptberuf Oberbürgermeister des Mifa-Standorts Sangerhausen ist.

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Laut Schatz hat sich bei der Beseitigung der Liquiditätsprobleme der Mifa mit Hilfe des Landkreises auch deren Großaktionär Carsten Maschmeyer sehr engagiert. Der Milliardär hat rund 10 Millionen Euro in den Radhersteller investiert. Maschmeyer und sein Sohn Marcel Jo halten persönlich und über die Investmentfirma Paladin mit fast 30 Prozent den größten Anteil an Mifa.

Vertrag zwischen Kommune und Privatunternehmen juristisch fragwürdig

Unter Juristen gilt als fraglich, ob ein solcher Vertrag zwischen Kommune und Privatunternehmen zulässig ist. In der Regel darf eine Kommune Vermögensgegenstände nur erwerben, wenn es zur Erfüllung ihrer Aufgabe nötig ist. Pikant ist auch der Zeitpunkt des Grundstückkaufs, kurz vor der Landratswahl im Kreis Mansfeld-Südharz am vergangenen Sonntag. Weil keiner der sieben Bewerber die absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent der Stimmen erreichen konnte, muss sich Amtsinhaber Dirk Schatz einer Stichwahl mit Angelika Klein (LINKE) stellen. Klein erreichte 26,64 Prozent der abgegebenen Stimmen, für Schatz stimmten 22,30 Prozent der Wähler.

Wegen ihrer angespannten wirtschaftlichen Lage kündigte die Mifa jüngst ein umfassendes Konzept zur finanziellen und operativen Sanierung an.

 
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