Unternehmen Arbeitgeber fordern: Lasst Flüchtlinge arbeiten

"Ich will nur arbeiten." Rechtliche Hürden erschweren Flüchtlingen wie Nasir aus dem Niger  den Zugang zum Arbeitsmarkt.

"Ich will nur arbeiten." Rechtliche Hürden erschweren Flüchtlingen wie Nasir aus dem Niger den Zugang zum Arbeitsmarkt.© picture alliance / dpa

Arbeitgeber suchen händeringend motivierte Azubis - und hoffen dabei auf junge Flüchtlinge. Führende Wirtschaftsvertreter setzen sich nun für bessere Jobchancen für Asylbewerber ein.

Vor einem Spitzentreffen von Bund und Ländern zur Flüchtlingspolitik fordert die Wirtschaft, den Zugang von Flüchtlingen zum deutschen Arbeitsmarkt deutlich zu erleichtern. „Viele Menschen, die auf der Flucht vor Krieg und Vertreibung zu uns kommen, werden längerfristig oder sogar für immer bleiben“, sagt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. „Es ist im Interesse aller, alles zu tun, damit sich diese Menschen zügig in den Arbeitsmarkt integrieren können.“

Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, forderte, „dass Asylbewerber mit Bleibeperspektive und Geduldete, die hier eine Ausbildung beginnen, diese auch abschließen dürfen ohne Sorge vor Abschiebung“. Diese Rechtssicherheit sollte auch für eine Anschlussbeschäftigung gelten, sagte Schweitzer.

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Azubis gesucht – Unternehmen hoffen auf Asylsuchende

Der Zugang zum Jobmarkt ist ein zentrales Thema einer Ministerpräsidentenkonferenz mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag in Berlin. Asylsuchende und Geduldete dürfen in den ersten drei Monaten ihres Aufenthalts gar nicht arbeiten; danach können sie zum Zuge kommen, wenn es keine anderen Bewerber für eine Stelle gibt. Erst nach 15 Monaten in Deutschland werden sie mit anderen Arbeitssuchenden gleichgestellt.

Vergangene Woche hatten Bund und Ländern bereits im Grundsatz beschlossen, dass der Bund seine Hilfe für die Versorgung von Asylbewerbern in diesem Jahr auf eine Milliarde Euro verdoppelt. Bereits zugesagte Mittel von 500 Millionen Euro für 2016 sollen vorgezogen werden. Für 2015 rechnen die Behörden mit 450.000 Asylanträgen.

Kramer und Schweitzer begrüßten, dass Bund und Länder das Thema oben auf ihrer Agenda hätten. Kramer sagte: „Viele junge Menschen, die als minderjährige Flüchtlinge nach Deutschland kommen, sind nicht nur bereit, sondern auch besonders motiviert, eine Ausbildung zu absolvieren.“ Gerade für sie dürfe das Asylverfahren keinen Lebensstillstand bedeuten.

„Zugleich gibt es viele Unternehmen, die händeringend junge Menschen für eine betriebliche Ausbildung suchen.“ Deswegen müsse der Aufenthalt für Asylsuchende und Geduldete, die einen Ausbildungsplatz gefunden haben, grundsätzlich sichergestellt werden. Kramer forderte für die Betroffenen zudem einen leichteren Zugang zu Förderinstrumenten der Berufsausbildung.

Schnellere Asylverfahren, Sprachkurse und Zugang zu Zeitarbeit

Die Asylverfahren müssen aus Sicht der Arbeitgeber außerdem weiter beschleunigt werden. Die Politik müsse die Arbeitsagenturen und Jobcenter in die Lage versetzen, Förderung, Beratung und Vermittlung zu verbessern.

Kramer forderte auch weitere konkrete Schritte für den Zugang zum Arbeitsmarkt für Asylsuchende und Geduldete ohne Arbeitsverbot. So kritisierte er die so genannte Vorrangprüfung, nach der Deutsche im Zweifelsfall bevorzugt einen Job bekommen sollen. Nicht mehr zeitgemäß sei auch das Beschäftigungsverbot in der Zeitarbeit. Gerade diese könne ein Weg sein, um mit praktischen Fertigkeiten und persönlichen Kompetenzen zu überzeugen.

DIHK-Präsident Schweitzer nannte fehlende Sprachkenntnisse eine große Beschäftigungshürde. „Deshalb müssen Asylbewerber mit Bleibeperspektive so schnell wie möglich Zugang zu Sprachkursen bekommen.“ Nötig seien auch schnellere Asylverfahren. „Deshalb ist es gut, dass Bund und Länder jetzt auch in diese Richtung positive Signale gesendet haben“, sagte der DIHK-Chef.

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