Unternehmen Arcandor-Pleite: Neue Runde in Middelhoffs Prozessmarathon

Thomas Middelhoff war einer der gefeiertsten Manager in Deutschland. Doch das Drama um seinen ehemaligen Arbeitgeber Arcandor holt ihn immer stärker ein. Ab Dienstag sitzt der 60-Jährige auf der Anklagebank. Der Vorwurf: Untreue zulasten des inzwischen pleitegegangenen Handelskonzern. Middelhoff selbst sieht sich als Opfer einer "Rufmordkampagne"

Gut fünf Jahre ist es inzwischen her, dass Thomas Middelhoff den Chefsessel des Karstadt-Mutterkonzerns Arcandor geräumt hat. Doch das Drama um den kurz darauf pleitegegangenen Handelsriesen lässt den 60-jährigen Topmanager nicht los. Im Gegenteil: Ab dem kommenden Dienstag muss er sich vor dem Essener Landgericht in einem Strafprozess wegen des Verdachts der Untreue in seiner Zeit als Arcandor-Chef verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Bochum legt dem Manager nach Angaben des Landgerichts insgesamt 49 Fälle der Untreue zur Last. Es geht nach Angaben eines Essener Justizsprechers um einen Betrag von mehr als 1,1 Millionen Euro. Größtenteils handele es sich um Flüge mit Charterflugzeugen, die von Arcandor bezahlt wurden, nach Auffassung der Anklagebehörde aber ganz oder teilweise privaten Zwecken dienten. Außerdem geht es um eine von Arcandor gesponsorte Festschrift für den Middelhoff-Mentor und früheren Bertelsmann-Chef Mark Wössner.

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32 Verhandlungstage bis Oktober

Middelhoff selbst weist die Vorwürfe allerdings zurück. Sein Anwalt Winfried Holtermüller rechnet mit einen Freispruch in allen Punkten. Das Gericht hat bereits 32 Verhandlungstage bis in den Oktober terminiert.

Dabei ist der Essener Prozess nur ein Teil des Prozessmarathons, den Middelhoff im Zusammenhang mit der Arcandor-Pleite absolvieren muss. Heftig sind vor allem die juristischen Auseinandersetzungen zwischen Middelhoff und dem Arcandor-Insolvenzverwalter Hans-Gerd Jauch sowie dessen Vorgänger Klaus Hubert Görg. Denn die Insolvenzverwalter forderten nach der Pleite des Handelsriesen von Middelhoff nicht nur Boni, Tantiemen und Spesen in zweistelliger Millionenhöhe zurück, sondern verklagten ihn wegen angeblicher Managementfehler auch auf Schadenersatz in Höhe von 175 Millionen Euro. Der Manager weist die Vorwürfe zwar kategorisch zurück. Doch konnten die Insolvenzverwalter vor Gericht zumindest Teilerfolge erzielen.

Am 9. September verurteilte das Landgericht Essen Middelhoff dazu, dem Insolvenzverwalter mehr als 3,4 Millionen Euro zu zahlen. Nach Auffassung des Gerichts war ein Sonderbonus in Millionenhöhe, den der Manager kurz vor seinem Ausscheiden erhielt, rechtlich nicht zulässig und muss zurückgezahlt werden. Außerdem bemängelte das Gericht eine Reihe von durch Middelhoff veranlasste Ausgaben des Konzerns: Darunter Flugkosten in Höhe von rund 130.000 Euro, die nach Auffassung des Gerichts privat veranlasst waren. Allerdings haben beide Seiten gegen das Urteil Berufung eingelegt. So wird der Fall ab dem 3. September das Oberlandesgericht Hamm beschäftigen.

Umstrittene Kauf- und Mietverschaffungsverträge

Bereits im vergangenen Jahr war das Essener Gericht außerdem zu dem Urteil gelangt, dass Middelhoff zumindest beim Verkauf des Wiesbadener Karstadt-Warenhauses an den Oppenheim-Esch-Fonds seine Pflichten als Manager verletzt habe. In vier anderen Fällen wies das Gericht allerdings die Klage des Insolvenzverwalters ab.

Auch dieser Fall beschäftigt in zweiter Instanz nun bereits seit etlichen Monaten das Oberlandesgericht Hamm. Bei einer mündlichen Verhandlung im Juni vergangenen Jahres signalisierte das Gericht Zweifel am Urteil der Vorinstanz. Es sei ungewiss, ob überhaupt ein Schaden entstanden sei. Im September beschloss das Gericht, Sachverständige mit der Ermittlung des Wertes der umstrittenen Kauf- und Mietverschaffungsverträge zu beauftragen. Middelhoff-Anwalt Holtermüller rechnet deshalb in diesem Jahr nicht mehr mit einem Urteil.

Middelhoff selbst sieht sich als Opfer einer „Rufmordkampagne“ und fordert inzwischen Schadenersatz von den Insolvenzverwaltern. Im Oktober vergangenen Jahres beantragte er einen Mahnbescheid gegen Jauch und Görg in Höhe von 120 Millionen Euro. Sein Anwalt begründete die Forderung mit den „Imageschäden“ und den „enormen geschäftlichen Schäden“, die Middelhoff durch das Vorgehen und die Äußerungen der beiden Insolvenzverwalter erlitten habe. Die Insolvenzverwalter legten jedoch Widerspruch ein. Der Prozessmarathon wird also wohl noch geraume Zeit weitergehen.

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