Unternehmen Asien hängt alle anderen Häfen ab

Ein Container-Terminal im Hamburger Hafen.

Ein Container-Terminal im Hamburger Hafen.© HHLA

Der Hamburger Hafen steuert auf Rekordkurs und wird vielleicht in diesem Jahr erstmals zehn Millionen Container umschlagen. Doch im weltweiten Vergleich fallen europäische Häfen weiter hinter andere Länder zurück.

Die Liste der zehn größten Containerhäfen der Welt liest sich wie ein Streifzug über eine chinesische Landkarte: Shanghai, Shenzhen, Hongkong, Ningbo, Qingdao, Guangzhou. Allein sechs der globalen Top-Ten-Häfen im Jahr 2013 liegen im Reich der Mitte.

Dazu kommen Singapur, das südkoreanische Busan und Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Das geht aus einer Übersicht des Informationsdienstes Alphaliner hervor.

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Als einziger US-amerikanischer Hafen kann sich auf Rang neun Los Angeles/Long Beach unter den größten Ports behaupten. Und das auch nur mit einem kleinen Trick bei der Berechnung. Denn eigentlich sind das zwei Häfen. Weil sie aber direkt nebeneinander liegen, werden sie oft gemeinsam gezählt.

Hamburgs Hafen wächst wieder kräftig

Von den europäischen Standorten taucht Rotterdam erst auf Platz zwölf und Hamburg auf Rang 16 auf. Bremen findet sich nicht mehr in den Top 20. Das war vor 20 Jahren noch anders: Hamburg gehörte lange zu den größten Containerhäfen. Und wächst mittlerweile auch wieder kräftig.

Der Güterumschlag im Hafen der Hansestadt legte im ersten Halbjahr um 6,6 Prozent auf 72,6 Millionen Tonnen zu. Laut Marketing-Gesellscahft des Hafens erhöhte sich der Containerumschlag ebenfalls um 6,8 Prozent auf 4,8 Millionen Standardcontainer (TEU).

Damit könnte der Hafen am Jahresende den bisherigen Rekordumschlag der Jahre 2007 und 2008 mit jeweils knapp 10 Millionen TEU erstmals wieder erreichen.

Die asiatischen Häfen wachsen schneller

Doch die asiatischen – und speziell die chinesischen – Häfen sind in den vergangenen Jahren viel schneller gewachsen und haben die europäischen und amerikanischen Ports abgehängt. In Malaysia, Taiwan und Thailand sind zum Teil völlig neue, große Umschlagplätze entstanden.

Die weltweiten Spitzenreiter Shanghai und Singapur schlagen mehr als 30 Millionen Standardcontainer (TEU) pro Jahr um, das ist mehr als das Dreifache des Volumens im Hamburger Hafen.

„Das spiegelt die wirtschaftliche Entwicklung Asiens wider“, sagt Daniel Hosseus, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS). „Es ist ja nicht so, dass die deutschen Häfen schrumpfen, sondern die asiatischen Häfen wachsen schneller.“ Die dortigen Standorte profitierten vom Wachstum der Volkswirtschaften in der Region und ihrer starken Exportorientierung.

„Das sind keine Wettbewerber“

„Auch der innerasiatische Handel hat enorm an Bedeutung gewonnen“, erklärt Jan Ninnemann, Experte für Seehafenwettbewerb an der Hamburg School of Business Administration. Diese Entwicklung dürfte sich fortsetzen.

Das Marktforschungsinstitut Drewry erwartet in diesem Jahr für die chinesischen Häfen ein Wachstum von sieben Prozent, für die nordeuropäischen Ports dagegen nur zwei Prozent.

Anders als bei der Produktion von Gütern sind die Zuwächse bei den Häfen in Asien aber kein Indiz dafür, dass sie innovativer, schneller oder wettbewerbsfähiger wären. „Das sind keine Wettbewerber“, sagt Hosseus. „Wir konkurrieren regional, mit Häfen wie Rotterdam oder Antwerpen.“ Die Hafenentwicklung sei abgeleitet aus dem Wachstum der Handelsströme.

Europas Häfen investieren viel

Branchenbeobachter Ninnemann glaubt auch nicht, dass die asiatischen Häfen technologisch ebenfalls vorne sind. Der Innovationsdruck sei in Europa wegen der begrenzten Flächen und höheren Arbeitskosten sogar stärker als in Asien.

Die europäischen Häfen – allen voran Rotterdam und Hamburg – investierten kräftig in den Ausbau ihrer Infrastruktur, um irgendwann auch einmal asiatische Dimensionen zu erreichen.

1 Kommentar
  • Holger Dädlow 18. August 2014 12:46

    Ich könnte mir auch vorstellen das die rasante Entwicklung in Asien mit wesentlich kürzeren Genehmigungsverfahren zu tun hat…ob das nun volkswirtschaftlich immer gut ist oder zu Lasten der Umwelt geht – ist sicherlich eine andere Frage.

    Ebenso die sich daraus entwickelnde Frage…ob die Wertschöpfung inkl. möglicher Umweltrisiken tatsächlich einer Überprüfung standhält.

    Schade das sich Wilhelmshaven gar nicht im Ranking wieder findet.

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