Unternehmen Auf dem Fernbusmarkt wird es eng

Fernbusse sind eine beliebte Alternative zur Bahn.

Fernbusse sind eine beliebte Alternative zur Bahn.© rasica - Fotolia.com

Eigentlich sollten die Fernbusanbieter frohlocken: Der Bahnstreik trieb ihnen massenhaft Kunden zu. Trotzdem gab es am Wochenende schlechte Nachrichten aus der hart umkämpften Branche.

Fernbusse boomen – besonders wenn die Lokführer streiken. Aber nicht für alle Anbieter geht die Rechnung auf. Vor allem für die kleinen Unternehmen wird die Luft dünn. Nachdem der Frankfurter Anbieter city2city den Betrieb eingestellt hat, musste nun das Offenbacher Unternehmen DeinBus.de Insolvenz anmelden. Der Fall ist typisch für den hart umkämpften Markt mit seinen Schnäppchenangeboten – das könnte auch der Kunde bald merken. Branchenkenner rechnen mit steigenden Preisen.

Auch wenn die formalen Gründe für den Insolvenzantrag von DeinBus.de Überschuldung und drohende Zahlungsunfähigkeit sind – die wahre Ursache sei der Preiskampf zwischen den Fernbusanbietern, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Christian Feketija: „In der Branche wird mit harten Bandagen gekämpft.“

Anzeige

An Flixbus ist der Autokonzern Daimler beteiligt, der ADAC Postbus trägt seine Geldgeber schon im Namen. „Hinter DeinBus steht kein großer Investor, das ist ein unabhängiger Pionier“, sagt Feketija. Einer Studie des Beratungsunternehmens Inges vom September zufolge liegt der Marktanteil von DeinBus.de bei rund zwei Prozent. city2city hatte drei Prozent. Marktführer ist MeinFernbus mit 45 Prozent.

Im Jahr 2014: Rund 18 Millionen Menschen nutzen Fernbusse

Seit der Liberalisierung des Markts 2013 haben Fernbusse in Deutschland eine rasante Entwicklung genommen. Neun Millionen Menschen stiegen 2013 in einen Fernbus. In diesem Jahr könnten es doppelt so viele werden, schätzt der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer. Bei der Deutschen Bahn hat die neue Konkurrenz Umsatzeinbußen verursacht.

Das Motto bei den Fernbus-Anbietern heißt derzeit: Expansion – koste es, was es wolle. Die Zahl der Strecken wird stetig ausgebaut. Die Buslinien verkehren inzwischen nicht mehr nur zwischen Großstädten, auch kleinere und mittlere Städte werden angesteuert. Das alles zu niedrigen Preisen – das kostet Geld.

DeinBus.de war wichtiger Wegbereiter der Liberalisierung

In Branchenkreisen hieß es am Wochenende, die Rekord-Buchungszahlen der Fernbus-Betreiber während des Lokführerstreiks dürften nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Branche vor einer Marktbereinigung stehe. Nur wer einen langen Atem und genügend Kapital im Rücken habe, werde sich auf dem Markt behaupten.

Dem Frankfurter Anbieter city2city war im Herbst die Puste ausgegangen, nach 2,5 Millionen Euro Verlust pro Jahr. Im Oktober wurde der Betrieb eingestellt – verbunden mit einer düsteren Prognose: „Wir gehen davon aus, dass wir das erste, aber sicherlich nicht das letzte Unternehmen sind, das den Betrieb einstellen wird.“

In eine schwierige Lage gekommen ist nun ausgerechnet ein Pionier der Branche. Das von Studenten gegründete Unternehmen DeinBus.de hatte mit zur Liberalisierung beigetragen – mit einem gerichtlichen Sieg gegen die Bahn im Jahr 2011. Schon seit Ende 2009 bot DeinBus im Internet seine Dienste an.

Fernbusse werden teurer

DeinBus will seine knapp zwei Dutzend Linien vorerst weiter bedienen. „Insolvenz muss ja nicht das Ende bedeuten“, hofft einer der rund zwei Dutzend DeinBus-Mitarbeiter. Er sieht das Verfahren als Chance für eine Sanierung. „Die Busse rollen ja noch.“ Der Streik habe zwar geholfen, den Geschäftsbetrieb zu stabilisieren, sagt Insolvenzverwalter Feketija. Letztlich sei das aber doch nur ein kurzfristiger Effekt gewesen.

Eine Pleitewelle erwartet der Branchenverband aber nun nicht. Davon könne man nicht sprechen, sagt Matthias Schröter, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer (BDO). Kunden müssten sich aber auf Preiserhöhungen einstellen. BDO-Präsident Wolfgang Steinbrück hatte schon im Sommer gewarnt: „Auf Dauer wird keiner Fernbusse betreiben, wenn er damit kein Geld verdient, irgendwann müssen sich die großen Investitionen in die topmodernen Busse auch lohnen.“

Preise von weniger als zehn Euro für Strecken wie Berlin-Hamburg seien nicht durchzuhalten. Auch das Beratungsunternehmen Iges kam in einer Untersuchung zum Schluss: „Mittelfristig ist ein Anstieg des Preisniveaus zu erwarten.“

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.