Unternehmen Unternehmen sind enttäuscht von Bachelor-Absolventen

Studenten im Hörsaal: Nur 47 Prozent der Unternehmen sind zufrieden mit Bachelor-Absolventen

Studenten im Hörsaal: Nur 47 Prozent der Unternehmen sind zufrieden mit Bachelor-Absolventen© picture alliance / dpa

Fit für den Arbeitsmarkt nach drei Jahren Studium? Diese Rechnung geht offenbar nicht auf: Nicht mal jedes zweite deutsche Unternehmen sieht seine Erwartungen in die Bachelor-Absolventen erfüllt.

Die deutsche Wirtschaft ist zunehmend unzufrieden mit Bachelor-Absolventen: Bei einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) gaben nur 47 Prozent der Unternehmen an, dass Berufseinsteiger mit diesem Hochschulabschluss ihre Erwartungen erfüllen. 2007 waren noch 67 aller Firmen mit den Absolventen zufrieden gewesen, 2011 waren es 63 Prozent.

Zu wenig praxisorientiert

Für die Umfrage, die der Tageszeitung „Die Welt“ vorliegt, wurden 2000 Unternehmen befragt. Besonders kleine Firmen sowie die Tourismuswirtschaft und Service-Unternehmen wie Gesundheitsdienstleister sind demnach von den Fähigkeiten der Bachelor-Absolventen enttäuscht. Rund jedes dritte Unternehmen aus diesen Wirtschaftszweigen wünscht sich eine stärkere Praxisorientierung der Studiengänge.

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Nur 15 Prozent der Firmen sind der Umfrage zufolge der Ansicht, dass Bachelor-Absolventen gut auf den Arbeitsmarkt vorbereitet seien. Die Wirtschaft müsse Berufseinsteiger mit Bachelor-Abschluss häufig erst nachqualifizieren, kritisiert DIHK-Präsident Eric Schweitzer – und das könnten sich nur große Unternehmen leisten. „Die Universitäten können das nicht auf die Wirtschaft abschieben.“

„Es studieren zu viele, die besser eine Ausbildung machen würden.“

Als Grund für das schlechte Image des Bachelor-Abschlusses nennt Schweitzer die Überakademisierung: „Es studieren zu viele, die besser eine Ausbildung machen würden.“ Die Abbruchquote unter Studienanfängern sei mit knapp 30 Prozent viel zu hoch. Außerdem gehe der Boom bei den Studentenzahlen zulasten der dualen Berufsausbildung.

Schweitzer fordert daher mehr Berufsorientierung in den Gymnasien: „Die Gesellschaft muss aufhören, das Studium als das Nonplusultra anzusehen.“ Auch eine Verknappung der Studienplätze hält er für sinnvoll: „Die Hochschulen müssen mit sinnvollen Zulassungsbeschränkungen, die sich nicht nur an Abiturnoten orientieren dürfen, geeignete Kandidaten für die richtigen Fächer finden.“

Mit Master-Absolventen übrigens ist man in der deutschen Wirtschaft sehr zufrieden: 78 Prozent der befragten Unternehmen sehen ihre Erwartungen erfüllt. 2011 waren es nur 65 Prozent. Schweitzer zufolge könnte hier auch das Alter eine Rolle spielen: Master-Absolventen sind mindestens zwei Jahre älter als Berufseinsteiger mit Bachelor-Abschluss: „Ein wenig Erfahrung und Horizont schaden sicher nicht.“

2 Kommentare
  • Dr. Böhm 24. April 2015 09:54

    Was soll ein Bachelor denn können?
    Früher sollte durch ein Abitur mal eine Studienbefähigung bescheinigt werden. Dieser Anspruch wurde mittlerweile aufgegeben. Im (ehemaligen) Vordiplom wurden die Jungakademiker zumindest in den relevanten Fächern wie Mathematik, Physik, Chemie auf Abiturniveau gebracht, manchmal etwas darüber hinaus. Ergänzend wurden einige für den Studiengang spezifische Grundlagen vermittelt. Ist das bei den heutigen Bachelors besser geworden? Oder müssen aufgrund des weiter gesunkenen Niveaus des Abiturs noch mehr Grundlagen vermittelt werden; mit dem Erfolg, daß der Bachelor 2015 den Wissensstand des Abiturienten 1914 hat?

    Warum hat die BRD eigentlich das bewährte System mit dualer Berufsausbildung, FH und Universitätsabschlüssen aufgegeben? Warum importiert eine der führenden Industrienationen ein Bildungssystem aus zweit- oder drittklassigen Industriestaaten und Agrarstaaten ein?

  • Anna 23. April 2015 16:40

    Stärkere Praxisorientierung?
    Die Unternehmen sollten sich mal lieber selbst an die eigene Nase fassen und etwas flexibler werden. Warum bilden Unternehmen nicht selbst aus, statt Hochschulabsolventen einzustellen? Ich habe am Anfang des Studiums versucht meine Zeit immer Sinnvoll zu nutzen und versucht Praktika zu machen. Leider wurde mir immer mit der Begründung abgesagt, dass 2 Monate zu kurz für ein Praktikum sind und sich der Aufwand für das Unternehmen nicht lohnt. Das ist einerseits irgendwo verständlich aber auch sehr frustrierend für Studierende. Unternehmen sollten auch flexibler werden und Praktikanten nehmen, die gerne Einblick in verschiedene Bereiche hätten.

    Ich hatte vor kurzem ein Gespräch wegen eines Praktikums, in dem mir ganz klar gesagt wurde, dass ich keine Chance habe, es im Bereich Steuern oder Buchhaltung machen zu können ohne einen Schwerpunkt darin (ich habe keinen Schwerpunkt in meinem Studium, obwohl ich Kurse an der Uni hatte und gerne den Praxisbezug dafür gehabt hätte). Die meisten Unternehmen wollen auch keine Bachelorabsolventen einstellen, nur ein Master kommt in Frage und am besten noch mit 3 Jahren Berufserfahrung für eine Einstiegsstelle. Es ist nicht die Aufgabe der Hochschule einen fertigen Mitarbeiten zu „fabrizieren“ sondern wissenschaftliche Grundlagen zu vermitteln. Es ist Zeit, dass Unternehmen aufhören, die Schuld für ihre eigene Unzufriedenheit bei den Hochschulen zu suchen.

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