Unternehmen Bahn-Reisenden droht längster Lokführerstreik der Geschichte

Der Tarifstreik der Lokführergesellschaft GDL wurde vorerst abgewendet.

Der Tarifstreik der Lokführergesellschaft GDL wurde vorerst abgewendet.© Deutsche Bahn

Bei der Deutschen Bahn sieht es erneut nach einem Streik aus. Ein 91-Stunden-Streik ist im Gespräch. Zwar knüpften Unternehmen und Lokführergewerkschaft wieder einen Gesprächsfaden - doch am Ende fanden sie nicht zueinander.

Kunden der Deutschen Bahn müssen wieder mit einem massiven Streik rechnen. Diesmal könnte er mehrere Tage dauern und den bundesweiten Zugverkehr erneut empfindlich treffen. Eine Entscheidung der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wurde noch am Montag erwartet.

Nachdem Tarifgespräche am Sonntagabend gescheitert waren, berieten die Spitzengremien der Gewerkschaft am Montag darüber, wie es weitergeht. Der Bahn-Konzern zeigte sich enttäuscht über das ergebnislose Ende der Bemühungen vom Wochenende.

Anzeige

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber wies der GDL die Verantwortung dafür zu: „Eine gute Zukunftslösung ist erneut an reinen Machtfragen gescheitert. So verhält sich kein verlässlicher Verhandlungspartner.“

Beide Seiten hatten nach Darstellung der Bahn kurz vor der Unterzeichnung eines Tarifvertrages gestanden, der eine Lösung des Tarifkonflikts bedeutet hätte. Die GDL-Spitze habe jedoch am Sonntagabend die Gespräche „völlig überraschend platzen lassen“. Die Gewerkschaft wollte dazu zunächst nicht Stellung nehmen.

Hauptstreitpunkt ist die Forderung der GDL, nicht nur für Lokführer, sondern auch für andere Berufsgruppen Tarifverträge aushandeln zu dürfen. Für sie hat bislang allein die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) Verträge abgeschlossen.

In einem Vertragsentwurf, den die Bahn am Montag veröffentlichte, gestand der Konzern der GDL erstmals die Verhandlungsmacht auch für Zugbegleiter zu. „Dadurch sollte die GDL einen eigenständigen Tarifvertrag für Zugbegleiter erhalten“, teilte das Unternehmen mit.

GDL-Spitze ließ Gespräche platzen

Gleichzeitig sollte die Regelung aber die Kollision von zwei unterschiedlichen Tarifverträgen für ein und dieselbe Berufsgruppe vermeiden. Darüber habe in den Gesprächen Einvernehmen bestanden.

Der Entwurf des neuen „Tarifvertrages zur Regelung tariflicher Verfahrensfragen“ sollte nach Bahn-Angaben am Sonntagabend abschließend beraten und vereinbart werden. Nach einer Sitzung der Tarifkommission habe die GDL dann jedoch einen Rückzieher gemacht. Beide Seiten hatten die vertraulichen Gespräche vorher nicht publik gemacht. Über das Scheitern hatte zuerst das „Handelsblatt“ berichtet.

91-Stunden-Streik im Gespräch

In der Sitzung des GDL-Hauptvorstands und der Tarifkommission war nach Informationen der „Bild“-Zeitung (Montag) ein Streik von bis zu 91 Stunden im Gespräch. Zuletzt hatten die Lokführer vom 17. bis zum 20. Oktober insgesamt 50 Stunden lang gestreikt – an einem Wochenende und zum Beginn der Herbstferien in vielen Bundesländern.

Das Vorgehen der GDL schadet nach Ansicht von IG-Metall-Chef Detlef Wetzel den Gewerkschaften insgesamt. „Zuständigkeit zu reklamieren, obwohl einem die Mitglieder fehlen – das ist der Tod der Gewerkschaftsbewegung“, sagte Wetzel dem „Spiegel“.

Er halte es für legitim, dass die GDL für Lokführer zuständig sei, weil sie dort die Mehrheit habe. „Aber wie die GDL in anderen Bereichen nicht die Mehrheit zu haben und sich trotzdem für zuständig zu erklären, das ist undemokratisch“, so der IG-Metall-Vorsitzende.

2 Kommentare
  • Wolfgang Noack 5. November 2014 10:05

    Schuld an der Situtation ist auch der Staat als Mehrheitseigner. Ich stelle mir die Nachfrage,
    warum der Staat nicht – wie auch schon im Regionalverkehr üblich – Wettbewerb auch
    für den Fernverkehr schafft. In diesem Fall wären nämlich nicht allein die Bahnreisenden
    die Dummen, wenn es zu einem Streik kommt. Ich hoffe, dass viele Kunden der Bahn
    demnächst den Rücken kehren, auf andere Verbindungen umsteigen (PKW, Mitfahr-
    gemeinschaften, Fernbusse,etc) und die Bahn somit gezwungen ist, Personal abzubauen.
    Somit können sich die Lokführer anschließend die Frage stellen, wem dieser Machtkampf
    geholfen hat. Herrn Weselsky oder ihnen selbst?

  • Ludwig Glück 4. November 2014 13:00

    Wann wird endlich jemand diesen Weselsky abschießen? Es ist typisch für diesen machtgeilen Gewerkschafter, dass er seine Interessen auf dem Rücken aller Bahn-Kunden austrägt. Er schadet damit letztlich allen Bahn-Mitarbeitern, die er vorgibt zu vertreten.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.