Unternehmen BDI-Chef warnt: Deutschland verliert Anschluss an Weltelite

Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), vor der Eröffnung der Hannover Messe

Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), vor der Eröffnung der Hannover Messe © Deutsche Messe

Von diesem Montag an versammeln sich die Größen der weltweiten Industrie zu ihrer Leitmesse in Hannover. Zum Start der Industrieschau mehren sich Stimmen, wonach der Standort Deutschland in Rückstand gerät. Der BDI-Chef und die Kanzlerin mahnen mehr Tempo an.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, hat vor der Eröffnung der weltgrößten Industrieschau Hannover Messe vor einem Bedeutungsverlust des Innovationsstandortes Deutschland gewarnt. „Wir sind zurückgefallen. Und wir müssen aufpassen, dass wir nicht noch weiter zurückfallen“, sagte Grillo in Hannover. Die Wirtschaft habe im vergangenen Jahr 54 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (F+E) gesteckt. „Das ist mehr als je zu vor. Aber wir brauchen mehr, um wieder an die Spitze zu kommen“, sagte er.

Der Staat fördere derzeit Forschung und Entwicklung mit vier Prozent. In den wichtigsten Konkurrenzstandorten seien es im Schnitt 15 Prozent. Auch auf dem zentralen Zukunftsfeld der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) befürchtet Grillo, dass Deutschland den Anschluss an die Weltelite verlieren könnte. Die Stärke der Industrie und des Maschinenbaus hierzulande gerate absehbar in Gefahr, sollte eine Wende ausbleiben.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel rief Unternehmen bei der Eröffnung der Hannover Messe zu mehr Innovationskraft auf. „90 Prozent des Wachstums finden außerhalb von Europa statt“, sagte die CDU-Politikerin. „Insofern müssen wir uns sputen und alles dafür tun, dass wir unseren Mehrwert auch wirklich nutzen.“ Europa dürfe die nächste industrielle Revolution nicht verschlafen.

Leitthema der Hannover Messe: Industrie 4.0

Die neue industrielle Revolution wird in Hannover unter dem Stichwort Industrie 4.0 thematisiert. Der Begriff meint das Verschmelzen der digitalen, softwaregetriebenen Welt mit der Produktion. „Die europäischen Fähigkeiten müssen in diesem Bereich eher ausgebaut werden“, sagte Merkel. Sie riet zur Offenheit beim Zusammenwachsen der klassischen Industrie mit der digitalen Welt: „Vertragen Sie sich, seien Sie neugierig auf das, was kommt, und hängen Sie nicht zu sehr an Ihren alten einzelnen Branchen.“

Die Digitalisierung der Industrie gilt als Schlüssel für moderne Produktion, bei der IKT-Kompetenz für eine zunehmende Vernetzung sorgt. Ganze Maschinenparks sollen damit über softwarebasierte Lösungen selbstlernend werden. Wartungskosten könnten sinken, Stückzahlen erhöht und Schwachstellen schneller aufgedeckt werden. Auf dem IKT-Feld dominieren aber die Vereinigten Staaten. „Der Konkurrenz aus den USA müssen wir etwas entgegensetzen“, betonte Grillo in Hannover. Sonst leide Deutschlands Stärke in Industrie und Maschinenbau.

„Wir brauchen eine neue digitale Infrastruktur“

Der BDI-Präsident hält den Dreiklang aus Vernetzung, Digitalisierung und verstärkter Kooperation für zwingend notwendig, um „Made in Germany“ als Siegel für Deutschlands wegweisende Industriestärke zu erhalten. „Wir müssen beim Netzwerken und Kooperieren noch besser werden“, sagte Grillo und verwies beispielhaft auf die Zusammenarbeit des Landmaschinenherstellers Claas mit der Telekom. Die zwei Partner bündeln ihre jeweiligen Stärken für vernetzte Erntemaschinen.

Der Präsident an der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, Henning Kagermann, gab zu bedenken, dass viele Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Industriezukunft noch fehlten. „Wir brauchen eine neue digitale Infrastruktur“, sagte der frühere SAP-Chef. Dabei gehe es nicht nur um flächendeckende Breitbandnetze, sondern auch um moderne Sensorik, wie sie etwa das Autofahren der Zukunft benötigt.

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