Unternehmen Bei Osram geht die Angst um: „Die Moral ist am Boden“

Die Zentrale von Osram in München.

Die Zentrale von Osram in München.© Osram

Dieser Kahlschlag schockiert die Osram-Beschäftigten: Die eine Sparwelle ist noch gar nicht durch, da verkündet Konzern-Chef Dehen schon wieder drastische Einschnitte. Die Einbrüche im traditionellen Lichtgeschäft sind ungebremst. Das verschreckt auch die Börse.

Auf einen Kahlschlag dieser Größenordnung waren die Osram-Beschäftigten nicht gefasst: Tausende Jobs sind schon dem letzten Sparprogramm des Lichtkonzerns zum Opfer gefallen, jetzt steht noch einmal fast ein Viertel der zurzeit noch knapp 34.000 Arbeitsplätze auf der Streichliste. Das wirft bange Fragen auf, wie es überhaupt weitergeht bei dem Unternehmen, das mit den harten Umbrüchen auf dem Lichtmarkt und der Billigkonkurrenz aus Asien kämpft. Reichen die Rezepte aus, um den Wandel zu vollziehen? Und wie viele Beschäftigte dürfen den Weg in die Zukunft am Ende mitgehen?

Bereits heute soll es im Betrieb kräftig knirschen. „Die Moral bei Osram ist am Boden“, heißt es bei Arbeitnehmervertretern, sogar manche Führungskräfte seien auf dem Absprung. Vor allem, dass Konzernchef Wolfgang Dehen die neuen Sparpläne den Beschäftigten nicht selbst verkündet und erläutert hat, sorgt für Unmut. „Er soll rausgehen und offen mit den Menschen reden“, fordert beispielsweise Michael Knuth, der für die IG Metall im Osram-Aufsichtsrat sitzt und schon bei dem Unternehmen seine Ausbildung absolviert hat.

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Auch die Mitarbeiter selbst fühlen sich im Regen stehen gelassen. „Ich habe es aus der Zeitung erfahren“, sagt ein 22-jähriger Anlagenmechaniker aus dem 90 Jahre alten Augsburger Traditionswerk von Osram. „Das ist beschissen.“ Der geplante Jobabbau war am Mittwoch natürlich Gesprächsthema Nummer eins, doch öffentlich wollten viele Augsburger Kollegen sich nicht äußern.

Arbeitnehmervertreter fordern auf Flugblättern Antworten

Zwei junge Männer gaben zu: „Wir dürfen nichts sagen“ – nur soviel: „Das ist gar nicht gut.“ Selbst der Betriebsrat blockte Anfragen ab. Stunden später verteilten die Arbeitnehmervertreter Flugblätter. Darauf wurde gefordert: „Herr Dehen, treten Sie vor die Belegschaften und geben sie Antworten!“

Klar ist: Dehen muss das Ruder bei dem Lichtkonzern herumreißen und unterliegt dabei den Zwängen des Marktes. Auch wenn sich der Gewinn im dritten Geschäftsquartal unterm Strich gut verdreifachte, setzten sich die Einbrüche im traditionellen Lichtgeschäft ungebremst fort.

Deshalb hatte Osram im Mai bereits seine Umsatzprognose senken müssen – was sich auch im Aktienkurs niederschlug. Aber auch die neuerliche Rosskur sorgte am Mittwoch bei Investoren offenbar für viel Verunsicherung: Zeitweise stürzte die Aktie um gut acht Prozent ab auf nur gut 31 Euro. Eigentlich geben Sparprogramme den Aktienkursen von Unternehmen tendenziell Auftrieb.

Traditionelle Produkte haben ausgedient

Osram ist mit seinen Problemen nicht allein. Die ganze Branche muss sich auf den Megatrend Leuchtdioden (LED) ausrichten und für Forschung und Entwicklung, aber auch die Umstellung der Produktion Milliarden investieren – Geld, das erst einmal verdient werden muss.

Traditionelle Produkte wie die Glühbirne dagegen haben vor allem wegen gesetzlicher Regelungen in wichtigen Märkten weitgehend ausgedient. Und auch Energiespar- und Halogenlampen, die bisher noch den größten Umsatzanteil bei Osram bestreiten, gelten auf längere Sicht als Auslaufmodelle.

Eine wichtige Hürde auf dem Weg in die Zukunft ist schließlich der Preisverfall, der durch den Wettbewerb mit asiatischen Herstellern wie Samsung und LG Electronics befeuert wird. Große Hoffnungen setzt Osram deshalb auf innovative Produkte vor allem für die Autoindustrie – und sieht sich in diesem Geschäft als führend.

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