Unternehmen Berliner Ideen: Kauf Dir ein zweites Gesicht

Die Maske ist die Mutter aller Verkleidungen, dachten sich die Geschäftsführer Georg Dittrich und Roman Matthesius bei der Gründung von maskworld in den 90er Jahren. Heute vertreiben sie 12.000 Produkte und erwirtschaften damit einen Jahresumsatz von 15 Millionen Euro. impulse hat mit ihnen über ihre Geschäftsidee gesprochen.

Die Waldelfen-Ohren sind frisch produziert, die Verpackung steht bereit, die fertige Verkleidung kann in den Versand. In der hauseigenen Verkleidungsproduktion von maskworld beginnt mit der Karnevalszeit die Hochsaison. Der Online-Händler vertreibt über 12.000 Kostüme, Masken, Perücken, Schminke und Spezialeffekte. Das Lager ist prall gefüllt mit Latex-Masken, Monster-Zähnen, Pappnasen, Lichtschwertern bis hin zu filmreifen Komplettverkleidungen als Darth Vader aus der Star Wars-Reihe. Daneben beliefert maskworld.com auch Freilichtmuseen und stattet Filme aus.

Angefangen hatte alles Ende der 1990er Jahre auf dem Flohmarkt. Dort verkauften die beiden Gründer Georg Dittrich und sein Freund Roman Matthesius Masken aus dem Ausland. „Dann hatten wir die Idee für einen Onlineshop“, erzählt der heute 35-jährige Georg Dittrich. „Wir sind mit der manchmal nötigen Naivität gestartet“, meint Roman Matthesius (37). „Aber der Einsatz hat sich gelohnt.“ Inzwischen macht die Firma mit ihren Masken und anderen Produkten einen Jahresumsatz von rund 15 Millionen Euro.

Die Familien von Dittrich und Matthesius waren anfangs skeptisch, als sie von deren Geschäftsidee erfuhren. „Sie waren natürlich nicht übermäßig begeistert, dass wir Gummimasken verkaufen wollten“, erinnert sich Dittrich. „Aber die verrückten Ideen sind manchmal die besten und unsere hat bisher gut funktioniert.“

5000 Euro Startkapital liehen sich Dittrich und Matthesius von ihren Familien. Die ersten Masken bestellten sie auf Kommission. An Wochenenden besserten die Geschäftspartner die Kasse mit Verkäufen auf Volksfesten auf. „Wir haben jeden Cent wieder in die Idee investiert. Man musste bescheiden sein und wir wollten langfristig denken, nicht den schnellen Reibach machen“, erzählt Dittrich, der sich sein erstes Gehalt erst nach fünf Jahren ausgezahlt hat. „Wenn wir eine Online-Bestellung hatten, haben wir das Paket mit der Hand beschriftet und sind mit jedem einzelnen zur Post gegangen. Ziemlich umständlich, aber mit steigenden Bestellzahlen konnten wir eine richtige Logistik aufbauen.“

In 15 Jahren: Vom Wohnzimmer zum 8000 Quadratmeter-Lager

Heute stapeln sich im eigenen Lager in Berlin Schöneweide auf 8000 Quadratmetern Kisten mit über 12.000 Produkten, die Bestellungen werden vor Ort abgewickelt. 2006 hat maskworld.com dafür außerdem einen Teil der alten Rathenauhallen am Spreeufer angemietet. „Im Sommer verschicken wir rund 400 Pakete am Tag, in der Saison sind es 10.000“, erzählt Dittrich. 120 Festangestellte arbeiten inzwischen bei maskworld, zu Spitzenzeiten weitere 400 Teilzeitkräfte. „Das jährliche Umsatzwachstum lag in den vergangenen Jahren konstant bei 20 Prozent.“

Obwohl das Onlinegeschäft erfolgreich war, eröffneten die beiden Geschäftspartner 2001 ein eigenes Ladengeschäft. „So wurden die Masken für die Kunden greifbarer“, sagt Dittrich. Im Mai 2014 eröffneten sie einen großen Flagship-Store mit 300 Quadratmetern auf vier Etagen. Gleichzeitig stellten sie den selbstprogrammierten Shop auf die Software Oxid um und bauten das Warenwirtschaftssystem aus, das den online- und offline- Bestand besser verknüpft.

Und maskworld.com soll größer werden. „Wir möchten mehr eigene Produkte herstellen, die Verkaufskanäle für den Onlinehandel ausbauen und mit weiteren Sprachen auch das europäische Ausland erreichen“, zählt Dittrich auf. Auf den 2014 eröffneten Flagstore in Berlin könnten weitere Läden in Deutschland folgen. „Kunden aus dem Rheinland fragen uns immer wieder, warum wir in der Karnevalhochburg Köln kein Geschäft haben.“ Die Resonanz sei sehr gut gewesen, so Dittrich. „Deshalb möchten wir die Marke maskworld auch stärker offline erfahrbar machen.“

 

Tipps für Gründer

„Wir glauben nicht an Schwierigkeiten, vielmehr sind wir an den Herausforderungen gewachsen und auch das eigene Arbeitsprofil hat sich über die Jahre verändert. Früher haben wir alles selber gemacht, dann musste ich Lernen loszulassen, Aufgaben abzugeben“, erzählt Dittrich. Als Duo zu arbeiten, sehe er selbst als großen Vorteil für die Motivation und das Durchhaltevermögen.

In der Anfangsphase war es Gold wert. Wenn alle Außenstehenden gesagt haben man sei verrückt, haben wir uns immer weiter gepushed und gegenseitig versichert, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Zum Beispiel als wir die Domains fasching.de und halloween.de für mehr als 10.000 Mark gekauft haben – das waren damals für viele noch unvorstellbare Summen.

Überhaupt sei die Anfangszeit am schwierigsten. „Man sollte motiviert und leidensfähig sein. Es lohnt sich auch, sich selbst zu hinterfragen“, sagt Georg Dittrich. „Hat man wirklich Lust auf das Geschäft, was erwartet man vom Unternehmertum, wie viel Geld will man verdienen, möchte man Dinge schnell realisieren oder nachhaltig aufbauen?“ Diese Gedanken sollte man sich bewahren, einfach loslegen und „Probleme als Herausforderungen sehen“, ist der junge Unternehmer überzeugt.

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