Unternehmen Bertelsmann übernimmt Gruner + Jahr vollständig

Das Verlagshaus von Gruner + Jahr am Baumwall in Hamburg.

Das Verlagshaus von Gruner + Jahr am Baumwall in Hamburg.© Sami99tr/CC-BY-SA-3.0/Wikimedia Commons

Das traditionsreiche Hamburger Medienhaus Gruner + Jahr geht komplett in den Besitz von Bertelsmann über. Gemeinsam wollen sie künftig schneller auf Herausforderungen des digitalen Medienwandels reagieren. Der Umbau im Verlag ist bereits voll im Gang.

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat beim Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr (G+J) in Zukunft voll und ganz das Sagen. Die Gründerfamilie Jahr zieht sich komplett aus dem traditionsreichen Hamburger Medienhaus zurück, das Titel wie „Stern“, „Brigitte“ und „Geo“ herausgibt. G+J hatte zuletzt mit Umsatzeinbußen zu kämpfen. Zum Bertelsmann-Imperium gehören unter anderem die Fernsehgruppe RTL und der Buchriese Penguin Random House.

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe sagte am Montag, der Schritt sei „ein klares Bekenntnis zum Journalismus und zum Wert journalistischer Inhalte im digitalen Zeitalter“. Die Komplettübernahme erleichtere die Zusammenarbeit zwischen G+J und den anderen Konzerntöchtern wie RTL oder Random House. Wie diese Aussehen könnte, haben in der Vergangenheit bereits Ableger wie „Stern-TV“ oder „Geo-Television“ gezeigt. Weitere Projekte sollen nun in Deutschland und Frankreich folgen.

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Bisher hielt Bertelsmann bereits 74,9 Prozent der G+J-Anteile. Die Übertragung der noch von der Jahr Holding gehaltenen Anteile von 25,1 Prozent werde zum 1. November erfolgen, sagte Rabe. Darauf hätten sich die Gesellschafter verständigt. Der Aufsichtsrat von Bertelsmann habe der Transaktion bereits zugestimmt.

Rabe: Gruner + Jahr soll nicht verkauft oder zerschlagen werden

Zum Kaufpreis machten beide Seiten keine Angaben. Rabe sagte lediglich, er sei „angemessen und fair“ und werde in bar bezahlt, nicht in Form einer Beteiligung an Bertelsmann oder der TV-Tochter RTL. Noch vor zwei Jahren waren Übernahmeverhandlungen zwischen der Familie Jahr und Bertelsmann an unterschiedlichen Preisvorstellungen gescheitert.

Rabe widersprach Spekulationen, Bertelsmann könnte nach der Komplettübernahme das Verlagshaus zerschlagen. „Wir haben keine Absicht, Gruner + Jahr insgesamt oder in Teilen zu verkaufen.“ Auch eine Verschärfung des erst im August angekündigten Sparplans sei nicht geplant. G+J will in den kommenden drei Jahren rund 400 Stellen in Deutschland abbauen und 75 Millionen Euro einsparen.

Bertelsmann halte an den angekündigten Investitionsplänen in Höhe von 500 Millionen Euro fest und sei bereit, wenn nötig auch noch mehr Geld in die Hand zu nehmen. „Wir werden das investieren, was erforderlich ist, um Gruner + Jahr voranzubringen und wieder Umsatzwachstum zu erreichen“, sagte Rabe. Digitale Bezahlinhalte, Dienstleistungen, Marktplätze und die Vermarktung von Online-Werbung sollen nach seinen Worten mittelfristig im Hamburger Medienhaus die wegbrechenden Umsätze aus dem Printgeschäft ersetzen.

Strukturwandel bei G + J

G+J beschäftigte Ende Juni nach eigenen Angaben 8562 Mitarbeiter. Das Medienhaus hält außerdem eine Sperrminorität am Spiegel-Verlag – Grundsatzentscheidungen können beim Spiegel also nicht ohne den Segen aus Gütersloh getroffen werden.

G+J steckt derzeit in einem Strukturwandel vom klassischen Zeitschriftenverlag hin zu einem „digitalen Haus der Inhalte“. Nach einem Verlustjahr 2012 gab es im vergangenen Jahr wieder einen Gewinn von 81 Millionen Euro. Das operative Ergebnis war jedoch rückläufig, ebenso der Umsatz mit 2,07 Milliarden Euro (2012: 2,2 Mrd. Euro).

G+J war 1965 von den Verlegern John Jahr sen. und Gerd Bucerius sowie dem Druckereibesitzer Richard Gruner jun. gegründet worden. Bereits 1969 beteiligte sich Bertelsmann an dem Unternehmen. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) appellierte an Bertelsmann, den angekündigten Abbau von 400 Arbeitsplätzen bei G+J zu überdenken.

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