Unternehmen Bobby-Car-Hersteller will Märklin übernehmen

Der Modelleisenbahnhersteller Märklin rutschte 2009 in die Insolvenz, schaffte aber mit einem straffen Sparprogramm den Sprung aus der Krise. Nun will der Bobby-Car-Hersteller Simba-Dickie das Traditionsunternehmen übernehmen.

Der Bobby-Car-Hersteller Simba Dickie will den traditionsreichen Modelleisenbahnhersteller Märklin übernehmen. Die „Süddeutsche Zeitung“ (Mittwoch) berichtet, die Fürther Simba-Dickie-Gruppe verhandele derzeit mit dem früheren Märklin-Insolvenzverwalter Michael Pluta. Eine Sprecherin von Simba Dickie sagte dem Blatt, „dass wir eine entsprechende Absichtserklärung unterschrieben haben und exklusiv über eine Übernahme verhandeln“.

Simba-Dickie-Inhaber Michael Sieber sagte dem Bericht zufolge, er rechne mit einem Abschluss der Übernahmegespräche im Februar oder März 2013. Manager des Familienunternehmens nähmen in diesen Tagen Einsicht in die Märklin-Bilanzen. Zu einem möglichen Kaufpreis sagte Sieber nichts. Simba-Dickie ist laut „SZ“ Deutschlands größter Spielwarenhersteller. Das Unternehmen hat 3700 Beschäftigte und machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 640 Millionen Euro.

Anzeige

Ein Sprecher des Insolvenzverwalters Michael Pluta bestätigte am Mittwoch Verhandlungen mit einem Investor. „Wir führen Gespräche mit einem Interessenten, aber wir nennen grundsätzlich keine Namen“, sagte er. „Wir sind in einem sehr frühen Stadium.“

Der Modellbahnhersteller Märklin hatte 2009 Insolvenz angemeldet. Kaum eine Pleite hatte die Menschen hierzulande damals so bewegt wie die von Märklin. Das Schicksal des Unternehmens war sogar Thema im Bundestag, der Name Märklin fiel in einem Atemzug mit Opel. Doch Insolvenzverwalter Michael Pluta gelang es, Märklin wieder auf Kurs zu bringen. Im Dezember 2011 hob das Amtsgericht Göppingen das Insolvenzverfahren auf und erklärte einen zwischen den Gläubigern und Pluta ausgehandelten Insolvenzplan für rechtskräftig. 2011 steigerte das Unternehmen seinen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 12,6 Prozent auf 12,36 Millionen Euro. Der Umsatz legte leicht um 1,6 Prozent auf 108,77 Millionen Euro zu.

In Göppingen und Ungarn werden im Jahr 500 000 Lokomotiven und zwei Millionen Wagen der Marken Märklin, Trix und LGB gefertigt. Seit den 90er-Jahren hatte die Modell-Eisenbahn den Kampf ums Kinderzimmer jedoch immer häufiger gegen Spielekonsolen, Internetgames und Holzspielzeug verloren. Simba-Dickie-Inhaber Sieber ist dennoch optimistisch: „Wir sehen Perspektiven sowohl im Kinderspielzeugbereich als auch bei Sammlern“, sagte er der SZ. Märklin sei „eine der größten und stärksten deutschen Spielwarenmarken“, die man auch wieder in die Kinderzimmer bringen könne. Andererseits gebe es „viele Papas und Großväter, die mit Märklin groß geworden sind“ – mithin also eine zahlungskräftige Zielgruppe sind.

Märklin gehört seinen insgesamt 1350 Gläubigern und wird derzeit nach einem Insolvenzplan geführt. Per Gerichtsbeschluss wurde der frühere Insolvenzverwalter Michael Pluta zum Treuhänder bestellt. Er ist für die Durchführung des Insolvenzplans zuständig und führt auch den Investorenprozess. In dem Insolvenzplan einigte sich das Unternehmen mit den Gläubigern darauf, zehn Prozent der unbesicherten Forderungen aus dem laufenden Geschäftsbetrieb zu bekommen. Die restlichen 90 Prozent sollten bei einem späteren Verkauf erstattet werden.

Zug um Zug
Welterfolg Theodor Friedrich Wilhelm Märklin gründet 1859 seine „Fabrik feiner Metallspielwaren“ in Göppingen. 1891 wird die erste Modelleisenbahn vorgestellt. Nach 1945 wird Märklin Marktführer bei Modelleisenbahnen.
Übernahme Mit dem Siegeszug von Computerspielen schwindet Märklins Klientel. Das Unternehmen rutscht in die Verlustzone und wird 2006 von der britischen Finanzgruppe Kingsbridge Capital übernommen.
Pleite Kingsbridge zahlt Millionen an Beraterhonoraren und steigert die Verluste. Im Februar 2009 muss Märklin Insolvenz anmelden. Der Insolvenzverwalter Kurt Seitzinger bringt Märklin wieder in die Gewinnzone.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): *
Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.