VW-Skandal Das Auto. Die Blamage

Das Logo von VW: Wie dramatisch büßt die Marke an Strahlkraft für den Standort Deutschland ein?

Das Logo von VW: Wie dramatisch büßt die Marke an Strahlkraft für den Standort Deutschland ein?© Christoph Braun / Wikimedia Commons / CC0

Der Volkswagen-Skandal schadet nicht nur dem Autohersteller und seinen Zulieferern. Er kratzt auch am Mythos „Made in Germany“. Geht Glaubwürdigkeit verloren, geraten ganze Branchen in Gefahr. Eine Analyse

Das Auto. Es sind nur zwei Worte, selbstbewusst ausgesprochen am Ende jeden Werbespots von Volkswagen, abgebildet auf jedem Plakat, jeder Anzeige. Außer der Konkurrenz fand das jahrelang kaum jemand anmaßend, so viel automobile Historie, so viel Deutschland steckt in Volkswagen. Und doch sind die beiden Worte stets mehr gewesen als nur ein Slogan. Dahinter steckt ein Versprechen. Es ist das Versprechen, das sich mit dem Mythos „Made in Germany“ verbindet. Nicht umsonst werden die beiden Worte in allen VW-Markenauftritten überall auf der Welt oft nicht in der Landessprache, sondern auf Deutsch wiedergegeben. Das Versprechen bündelt all das, wofür „Made in Germany“ steht: Ingenieurskunst, Qualität – und Vertrauen.

Das Vertrauen, über Jahrzehnte aufgebaut, ist vorerst zerstört, seit die amerikanische Umweltbehörde EPA ausgerechnet gegen VW wegen der gezielten Manipulation von Emissionstests ermittelt. Dabei geht es nicht um schlampig eingebaute Teile oder einen flüchtigen Konstruktionsfehler wie bei normalen Rückrufaktionen, es geht offenbar um handfesten, vorsätzlichen Betrug. „Der Zorn der Volkswagen-Käufer“, titelte denn auch die New York Times. Und um die besondere Fallhöhe bei diesem Absturz zu verdeutlichen, bezeichnete ein amerikanischer Analyst Volkswagen gar als „Lance Armstrong der Automobilhersteller“. Schlimmer geht’s eigentlich nicht mehr.

Anzeige

Volkswagen ist nicht nur der größte Konzern der größten und wichtigsten Branche der deutschen Industrie – allein des deutschen Namens wegen ist er auch ein weltweites Aushängeschild der gesamten Wirtschaft. So wie Volkswagen bislang positiv auf die Marke „Made in Germany“ abstrahlte, wovon auch deutlich kleinere Exporteure profitierten, so negativ ist die Rückkopplung nun. Wenn Volkswagen nicht mehr vertrauenswürdig ist, wer dann? Das ist keine Frage für Wirtschaftsethiker, es ist eine Frage, der sich viele deutsche Exporteure bald werden stellen müssen, denn ihre Geschäftspartner in den USA, Südamerika und Asien werden Volkswagen noch eine ganze Weile im Hinterkopf haben, wenn sie an „Made in Germany“ denken. Was bislang teils hohe Preisaufschläge rechtfertigte und Umsätze garantierte, könnte zumindest kurzfristig zum Manko werden – eine neue, unangenehme Erfahrung für den erfolgsverwöhnten Mittelstand.

Stets gut sichtbar bei VW-Präsentationen ist der Slogan "Das Auto".

Stets gut sichtbar bei VW-Präsentationen ist der Slogan „Das Auto“.© vw

 

Wirtschaftswissenschaftler befürchten schon das Schlimmste. „Die VW-Affäre könnte nicht nur VW, sondern auch viele andere deutsche Exporteure treffen und das Vertrauen in Produkte ‚Made in Germany‘ schwächen“, warnt Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Wenn der gute Name weltweit leidet, könnte die hohe Exportorientierung der hiesigen Unternehmen schnell die gesamte Wirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.

4 Kommentare
  • Dr. Böhm 29. September 2015 07:34

    Elektroautos sind technischer Blödsinn. Es werden schwere Batterien spazierengefahren, der Strom kommt jeweils aus dem dreckigsten am Netz befindlichen Kraftwerk (denn dieses würde man zuerst abschalten) und nicht aus dem „Strommix“, die Reichweite ist für die Masse der Autobesitzer unzumutbar; soviel vorab.
    Ansonsten wundere ich mich darüber, daß VW als seriöse Firma mit qualitativ hochwertigen Autos galt. Bereits zu Käfer Zeiten wurde die Dauererprobung am Kundenfahrzeug gemacht, jede Leistungssteigerung der Käfermotoren führte zu Motorschäden, dann wurde die Legierung aus der der Motorblock gegossen wurde gewechselt (AZ81, AS41, AS21, Alu bei 70PS Bulli, vielleicht fehlt noch ein Evolutionsschritt zwischen AZ81 und AS41), bereits in den sechziger Jahren gab es von Ford und Opel preisgünstigere, größere, schnellere und zuverlässigere Fahrzeuge mit weniger Verbrauch. Heute: Verrostende Froststopfen, gedehnte Steuerketten, defekte DSG-Getriebe – VW-Qualität. Ach ja, die 70er/80er Jahre Golf aus DDR-Stahl mit Rostgarantie hatte ich fast vergessen.
    Die anderen Hersteller sind nicht alle besser aufgestellt, was Qualität angeht, mir scheint jedoch die VW-Werbung recht gut zu sein….

  • Alexander MÜLLER 28. September 2015 07:31

    VW sollte nun mal endlich richtig aufs Elektroauto setzen haben sie doch indem letzten Jahren genug fördergelder dafür abgegriffen. Aber nicht diese nur Schnarchlader oder schnellen Gleichstromlader, hallo wir haben doch Zuhause Kraftstrom den möchte ich zum schnellen laden nutzen. Renault hatte es mit dem ZOE 210 schon richtig angefangen.

  • Michael Stein 24. September 2015 10:12

    Krise als Chance: Volkswagen soll sich jetzt neu mit E-Autos positionieren und den Verbrennungsmotor abwickeln. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein. (Sofern man dort das technische Know-how beschaffen kann.)

  • Peter Nieblich 23. September 2015 13:34

    Wieso wird denn nun schon wieder ein riesige Krise herbeigeredet?
    Was soll dies Geschwätz, von der Gefahr für die deutsche Wirtschaft?
    Was soll das Geschwätz von der Gefahr für den guten Ruf von „Made in Germany“?
    Besteht unsere Wirtschaft nur aus VW? Beim Finanzskandal (Immobilien, Banken, Autohersteller) vor einigen Jahren wackelte die Weltwirtschaft und die Pessimisten haben eine gewaltige Inflation vorhergesehen!
    Nee, Leute! Das Glas ist nicht halb leer, sondern es ist noch halb voll!
    Hört auf zu jammern und packt es an. Jetzt erst recht muss die Devise sein!

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.